Peking/Berlin - Nachdem am Wochenende bekannt wurde, dass China offenbar eine geringe Wirksamkeit seiner Corona-Impfstoffe einräumt, rudert ein hoher Gesundheitsbeamter schon wieder zurück. Der Direktor des chinesischen Zentrums zur Prävention und Kontrolle von Krankheiten, Gao Fu, trat dem Eindruck entgegen, er habe erstmals eingestanden, dass chinesische Vakzine einen niedrigen Schutz böten. „Es war ein komplettes Missverständnis“, sagte Gao Fu der Zeitung Global Times.

Er habe vielmehr eine „wissenschaftliche Vision“ vorgelegt, dass eine Anpassung der Impfabfolge oder die Vergabe verschiedener Vakzine nacheinander auch Optionen sein könnten, den Schutz zu verstärken, betonte Gao Fu in dem Blatt, das vom kommunistischen Parteiorgan Volkszeitung herausgegeben wird.

Drei Totimpfstoffe und ein Vektorvakzin

Seine Äußerungen auf einer Konferenz am Sonnabend in Chengdu hatten viele Reaktionen ausgelöst. Unter dem Punkt „Wege zur Lösung des nicht hohen Schutzes vorliegender Impfstoffe“ hatte Gao Fu laut Medienberichten gesagt: „Es ist auch notwendig, Wege zu prüfen, wie der niedrige Schutz bestehender Vakzine angegangen werden kann.“

Kritiker beklagen mangelnde Transparenz bei chinesischen Impfstoffen, die in Deutschland und vielen europäischen Staaten noch nicht zugelassen sind. In China sind bisher vier Corona-Impfstoffe zugelassen. Drei davon gehören zu klassischen Impfstofftypen. Es sind sogenannte Totimpfstoffe, sie basieren also auf inaktivierten Sars-CoV-2-Viren. Sie wurden von den staatlichen Unternehmen Sinopharm und Sinovac entwickelt und werden jeweils in zwei Dosen verabreicht.

Ein vierter Impfstoff, entwickelt von der Firma Cansinobio, ist ein moderner Impfstofftyp: ein Vektorimpfstoff, der abgeschwächte Erkältungsviren nutzt, die den Bauplan für das Spikeprotein von Sars-CoV-2 in die Zellen der Impflinge schleusen. Es handelt sich um Adenoviren vom Typ 5 (Ad5), wie sie auch im russischen Mittel Sputnik V verwendet werden. Allerdings wird der chinesische Vektorimpfstoff nur einmal gespritzt, bei Sputnik V erfolgen zwei Impfungen, die erste mit einem anderen Adenovirus-Typ (26) und die zweite mit Ad5.

Begutachtete Publikationen fehlen

Bisher gibt es keine begutachteten Publikationen über Ergebnisse der vier chinesischen Impfstoffe aus der Phase III der klinischen Erprobung. Allerdings liegen Herstellerangaben vor sowie Berichte aus Ländern, in denen die chinesischen Impfstoffe bereits eingesetzt werden.

So gibt Sinopharm hinsichtlich der Verhinderung symptomatischer Covid-19-Infektionen für seine beiden Totimpfstoffe Wirksamkeiten von 72,5 und 79 Prozent an. Für den Totimpfstoff Coronavac von Sinovac gibt es Wirksamkeitsangaben von 91 Prozent aus einer Studie in der Türkei (symptomatische Verläufe) und 50 Prozent aus Brasilien, wenn es auch darum ging, sehr milde Covid-19-Formen zu verhindern.

Der Vektorimpfstoff von Cansinobio hat Daten aus Pakistan zufolge eine Wirksamkeit von 75 Prozent hinsichtlich symptomatischer Infektionen und 90 bis 100 Prozent mit Blick auf schwere Verläufe. Diesen Daten zufolge scheinen die Impfstoffe also durchaus wirksam zu sein – solange das jedoch nicht durch eine begutachtete Publikation belegt ist, bleibt die Einordnung schwierig.