Berlin - Die ersten Dosen des Moderna-Impfstoffs sollen am heutigen Dienstag in Deutschland ankommen. In Berlin wird das Präparat voraussichtlich ab Donnerstag im Erika-Heß-Stadion im Wedding verimpft. Im Impfzentrum Arena Berlin in Treptow wird weiterhin das Biontech/Pfizer-Vakzin eingesetzt. Damit stehen den Berlinern Impfmittel von zwei Herstellern zur Verfügung. Bald könnte ein Dritter hinzukommen: Der Impfstoff des britisch-schwedischen Unternehmens Astrazeneca, der bereits in Großbritannien zugelassen ist, steht auch in der EU kurz vor der Freigabe. Eine Übersicht über Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Präparate.

Welche Impfstofftypen gibt es?

Bei den Mitteln von Biontech/Pfizer und Moderna handelt es sich um genbasierte Impfstoffe, sogenannte RNA-Impfstoffe. Sie enthalten einen Teil der Erbinformation des Virus, nämlich die Bauanleitung für das Spikeprotein. Dieses Eiweiß braucht der Erreger, um sich an menschliche Zellen anzudocken. Nach der Impfung beginnen die Zellen, das Protein des Erregers zu produzieren. Antikörper können sich entwickeln.

RNA-Impfstoffe sind neu. Sie wurden vorher noch nie für Menschen zugelassen. Das Mittel von Astrazeneca beruht auf einer bereits bekannten Technik. Es handelt sich um einen Vektorimpfstoff, bei dem man andere Arten von Viren als Schleuser nutzt und sie mit dem Wirkstoff spickt. Das Astrazeneca-Präparat beruht auf der abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen.

Wie gut wirken die Impfstoffe?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) bewertet die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna als gleichwertig. Das geht aus der aktuellen Impfempfehlung hervor. Der Biontech-Impfstoff zeigte in Testreihen eine Wirksamkeit von 95 Prozent – gemessen sieben Tage nach der zweiten Dosis. Das US-Unternehmen Moderna hatte Ende November eine fast identische Wirksamkeit für sein Vakzin mitgeteilt: 94,1 Prozent, gemessen 14 Tage nach der zweiten Dosis. Die Zahlen beziehen sich auf die bisher durchgeführten Phase-3-Studien. Optimistisch sind Experten, dass die Impfungen auch bei der neuen Coronavirus-Variante B.1.1.7 funktionieren, die als besonders ansteckend gilt und mittlerweile auch in Berlin aufgetreten ist.

Das Vakzin von Astrazeneca hat bisher einen geringeren Wirksamkeitsgrad von etwa 70 Prozent erzielt. Womöglich liegt der Schutzeffekt höher, Wissenschaftler der Universität Oxford hoffen auf etwa 90 Prozent: Der Impfstoff wirkt vorläufigen Daten zufolge wohl effektiver, wenn den Probanden beim ersten Mal nur eine halbe Impfdosis statt einer ganzen verabreicht wird.

Wie wird geimpft?

Alle drei Mittel werden in das Muskelgewebe des Oberarms gespritzt. Es werden immer zwei Impfdosen benötigt, um den vollen Impfschutz zu gewährleisten. Der Abstand ist bei beiden RNA-Impfstoffen ähnlich: Bei Biontech/Pfizer bekommt der Patient die zweite Dosis innerhalb von etwa drei Wochen, beim Produkt von Moderna sind es rund vier Wochen. Aufgrund der momentanen Impfmittel-Knappheit wurde diskutiert, ob die Verteilung der Dosen gestreckt werden könne. Die Stiko lehnt dies in ihrer aktuellen Impfempfehlung ab. Auch das Mittel von Astrazeneca muss in zwei Dosen geimpft werden – hier ist der Abstand mit vier bis zwölf Wochen größer.

Für welche Altersgruppen sind die Stoffe zugelassen?

Das Vakzin von Biontech/Pfizer ist für alle Menschen ab 16 Jahren zugelassen. Die Impfstoffe von Astrazeneca und Moderna können allen ab 18 Jahren verabreicht werden. Moderna hat kürzlich damit begonnen, sein Präparat bei 12- bis 17-Jährigen zu testen. Eine Impfempfehlung für Kinder ist laut Robert-Koch-Institut allerdings „noch nicht absehbar“. Studien dazu seien jedoch geplant.

Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

Unabhängig vom Präparat gaben viele Studienteilnehmer ungefähr die gleichen Nebenwirkungen bei allen drei Impfstoffen an: Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit sowie Kopf- und Muskelschmerzen. Manche litten auch an Fieber und Schüttelfrost. Im Allgemeinen waren die Nebenwirkungen schwach bis mäßig und klangen nach kurzer Zeit ab. Vereinzelt meldeten Geimpfte heftige allergische Reaktionen.

Bei den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna traten die Begleiterscheinungen öfter bei der zweiten Impfdosis auf. Zu bedenken ist, dass der Teilnehmerkreis der Studien für eine Zulassungsstudie zwar sehr groß war, aber nicht groß genug, um sehr seltene Nebenwirkungen zu entdecken. So nahmen an der Phase-3-Studie von Biontech/Pfizer etwa 44.000 Menschen teil, bei Moderna waren es rund 30.000. Noch gibt es also keine Erkenntnisse zu möglichen Nebenwirkungen, die bei einem von 100.000 Menschen auftreten oder noch seltener sind.

Sollten Nebenwirkungen auftreten, sollen diese unmittelbar dem Hausarzt oder in der Apotheke mitgeteilt werden. Denn dazu werden noch immer Daten benötigt und gesammelt. Auffälligkeiten können auch zusätzlich beim Paul-Ehrlich-Institut oder über die SafeVac-2.0-App gemeldet werden.

Wie werden die Impfstoffe gelagert?

Hier gibt es die größten Unterschiede: Während das Vakzin von Biontech/Pfizer bei Temperaturen von minus 70 Grad Celsius gelagert werden muss, benötigt der Moderna-Impfstoff nur minus 20 Grad Celsius. Für den Transport braucht es spezielle Versandboxen, in denen die Präparate bis zu 15 Tage überstehen. Nach dem Auftauen hält sich das Moderna-Vakzin bei Kühlschranktemperaturen bis zu 30 Tage, während der Biontech-Impfstoff nur bis zu fünf Tage aufbewahrt werden kann. Beide Mittel müssen nach Erstnutzung innerhalb von sechs Stunden verbraucht werden. Eine Durchstechflasche reicht bei Biontech für maximal sechs Dosen, bei Moderna für zehn.

Der Impfstoff von Astrazeneca ist deutlich leichter zu handhaben. Er kann bei Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad transportiert und mindestens sechs Monate aufbewahrt werden. Das macht es einfacher, ihn in Arztpraxen und auch in Ländern mit weniger Ressourcen für aufwendige Kühlketten einzusetzen.

Wie viel Impfstoff hat die EU bestellt, wie viel bekommt Deutschland?

Von Biontech/Pfizer sind für dieses Jahr 300 Millionen Dosen bestellt. Davon bekommt Deutschland laut Bundesgesundheitsministerium über 85 Millionen Impfdosen. Über zusätzliche Lieferungen wird gerade verhandelt. Moderna will 2021 etwa 600 Millionen Impfdosen produzieren, die EU hat sich derzeit davon 160 Millionen gesichert. Vom Astrazeneca-Impfstoff hat die EU 400 Millionen Dosen bestellt. Dessen Zulassung könnte der entscheidende Schritt nach vorn sein, um die Impfstoffknappheit in Deutschland zu beseitigen. (mit dpa)

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