Berlin - Soll es Sonderrechte für Geimpfte geben? Diese Frage wird bereits laut, kaum dass die ersten Personen ihre Impfung gegen Covid-19 erhalten haben. Doch aus wissenschaftlicher Sicht kommt solch eine Debatte viel zu früh. Denn vieles ist noch zu unsicher.

Das beginnt mit dem Wirkeintritt. Man muss nämlich mit einem Zeitraum von bis zu vier Wochen rechnen, bevor man relativ sicher sagen kann, dass man gegen Sars-CoV-2 immun ist. Zwei Impfungen sind nötig, um genügend Abwehrstoffe zu entwickeln. Mit dem RNA-Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer gelangt der genetische „Bauplan“ für ein Eiweiß auf der Oberfläche des Coronavirus in die Körperzellen. Die Zellen stellen für kurze Zeit dieses sogenannte Spikeprotein her. Dadurch wird das Immunsystem angeregt, Antikörper und T-Zellen zu bilden. Sollte die geimpfte Person später mit Sars-CoV-2 in Kontakt kommen, erkennt das Immunsystem das Spikeprotein des Virus und bekämpft es. Dies beginnt nach etwa zwölf Tagen.

Um aber die volle Effizienz von durchschnittlich 95 Prozent Impfschutz zu erreichen, braucht es nach drei Wochen eine zweite Impfung. „Den vollen Impfschutz hat man erst eine Woche nach der zweiten Dosis“, heißt es auf der Internetseite des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Es gibt noch andere Dinge, die zu bedenken sind. So ist zum Beispiel noch nicht klar, ob man sich das Virus trotz einer Impfung „einfangen“ kann, dann aber ohne Symptome bleibt. Und auch, ob man das Virus weiter an andere übertragen kann, also ansteckend ist. Erste Ergebnisse dazu soll es im Februar geben. Bis auf Weiteres sollten also auch Geimpfte in der Öffentlichkeit Abstand einhalten und Mundschutz tragen. 

Die ersten Monate der Impfungen werden dafür genutzt, um viele Fragen zu beantworten, unter anderem: Gibt es seltene Nebenwirkungen, die sich in der Studie nicht zeigten oder die erst Monate nach der Impfung auftreten? Wie lange hält der Impfschutz an? Inwiefern muss der Impfstoff an Mutationen angepasst werden? Wie sicher ist der Impfstoff bei Gruppen, die in die Studien nicht oder kaum einbezogen wurden, zum Beispiel Kinder, Schwangere oder Menschen mit Immunschwäche?

Kurz gesagt: Es braucht eine monatelange Impf-Phase mit wissenschaftlicher Begleitung, bevor man weitreichendere Schlüsse ziehen kann.

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