BerlinWenn möglich sollen alle, die es können, zu Hause arbeiten. Das ist aber nicht immer realisierbar. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ruft daher dazu auf, das Ansteckungsrisiko in der Firma so gering wie möglich zu halten. Hier ist der Arbeitsgeber in der Pflicht, aber auch der Arbeitnehmer – vor allem, wenn es darum geht, sich an die AHA-Regeln zu halten.

Doch wie hoch ist das Risiko, sich am Arbeitsplatz anzustecken? Das kommt ganz auf die Räumlichkeiten an – etwa, ob es sich um ein Großraumbüro handelt, ob es viel Kundenkontakt gibt oder ob die Kollegen unter sich bleiben. In einer Studie hat das RKI aufgeschlüsselt, wo sich Menschen mit dem Coronavirus angesteckt haben. Ausgewertet wurden 55.141 von 202.225 übermittelten Fällen (Datenstand bis Mitte Juli). Mehr Fälle konnten keinem bestimmten Ausbruchsort zugeordnet werden.

Der Arbeitsplatz ist einer der möglichen Orte, aber bei weitem nicht der Risikoreichste. Dort wurden laut der RKI-Erhebung 412 Ausbrüche und 5824 Fälle registriert. „Die Ausbrüche im Umfeld des Arbeitsplatzes waren häufig mit erschwerten Arbeitsbedingungen verbunden“, heißt es im RKI-Bulletin.

Das Risiko, sich am Arbeitsplatz anzustecken, hängt von vielen Faktoren ab: Wieviel Abstand lassen die Räumlichkeiten zu? Können Barrieren aufgestellt werden, die die Arbeitsplätze voneinander trennen? Wie viel Frischluft kommt in den Raum? Wie funktioniert die Klimaanlage und werden möglicherweise Viruspartikel herausgefiltert? Es wird allgemein empfohlen, sich mit dem Betriebsarzt in Verbindung zu setzen. Dieser kann das Infektionsrisiko einschätzen.

Generell gilt:

Ansteckungen hängen von einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren ab. Die Wissenschaftler lernen jeden Tag dazu: zu den Übertragungswegen und Behandlungsmöglichkeiten, zu den Haupttreibern der Pandemie und zu möglichen Covid-19-Spätfolgen. Die gute Nachricht: Sie wissen mehr als zu Beginn der Pandemie, als das Virus uns zum Lockdown zwang. Die universelle Regel bleibt so oder so: AHA-L-A

-         Abstand von mindestens 1,5 Metern halten – das ist etwa die Länge eines Einkaufswagens – zu anderen Personen im öffentlichen Raum. Beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufen oder beim Spaziergang im Park. Menschenmassen unbedingt vermeiden. Bleiben Sie, so oft es geht, zu Hause. Beschränken Sie insbesondere die persönlichen Begegnungen mit älteren oder chronisch kranken Menschen zu deren Schutz. Treffen Sie Freunde und Familie möglichst draußen. Wenn es eine Möglichkeit gibt, arbeiten Sie von zu Hause aus. Und wenn nicht, versuchen Sie mit dem Fahrrad oder Auto zur Arbeit zu fahren und öffentliche Verkehrsmittel zu vermeiden.

-         Hygieneregeln beachten: Husten und niesen Sie in ein Taschentuch oder in die Armbeuge, damit werden die Tröpfchen eingefangen. Waschen Sie sich regelmäßig und gründlich 20 bis 30 Sekunden die Hände mit Seife, das ist so lange wie zwei Mal „Happy Birthday“ singen. Vermeiden Sie es, sich ins eigene Gesicht zu fassen.

-         Immer da, wenn ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen nicht sicher eingehalten werden kann, sollte eine Alltagsmaske (Mund-Nasen-Schutz) getragen werden – draußen sowieso drinnen. Diese kann das Risiko, sich anzustecken, deutlich senken. Vergessen Sie nicht, die Stoffmaske regelmäßig bei 60 Grad zu waschen beziehungsweise sie auszuwechseln. Die Maske muss die Nase und den Mund komplett bedecken, eng anliegen und auch unters Kinn gezogen werden. Abgenommen werden soll sie an den Bändern.

-         In geschlossenen Innenräumen zusätzlich wichtig: Lüften Sie in regelmäßigen Abständen für einige Minuten. Das ist deshalb so wichtig, weil virushaltige Aerosole minutenlang in der Luft bleiben können. Je mehr Menschen sich in einem Raum befinden, desto öfter sollte gelüftet werden.

-         Nutzen Sie außerdem die Corona-Warn-App: Die App benachrichtigt Sie, wenn Sie Begegnungen mit Personen hatten, die mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert waren. Damit sollen Infektionsketten schnell durchbrochen werden. Wer keine Möglichkeit hat, die App zu installieren, kann ein Kontakt-Tagebuch führen. Festzuhalten sind folgende Punkte: Datum, Kontaktperson, Uhrzeit und Dauer der Begegnung, der Ort, wo man sich getroffen hat (drinnen oder draußen?), und die Angabe, ob man einen Mundschutz getragen hat. Vorlagen gibt es im Internet.

Bleiben Sie unbedingt zu Hause, wenn Sie kränkeln, krank sind oder sich angeschlagen fühlen. Helfen Sie denen, die Hilfe benötigen. Versorgen Sie ältere, chronisch kranke Angehörige oder Nachbarn und alleinstehende und hilfsbedürftige Menschen mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs. Und sprechen Sie unbedingt mit anderen über Ihre Ängste und Sorgen. Versuchen Sie sich Zeit für sich zu nehmen und zu entspannen.