BerlinZu Beginn der Pandemie zeigte sich, dass Veranstaltungen, in denen es keinerlei Schutzmaßnahmen gibt, besonders gefährlich für die Ausbreitung von Covid-19 sein könnten: Es kommt eine große Anzahl von Menschen zusammen, meist auch aus unterschiedlichen Kreisen und Regionen.

Die Veranstaltungen – ob Film, Konzert, Theater- oder Opernaufführungen in geschlossenen Räumen - dauern in der Regel lange. Die Infektionsgefahr steigt gewissermaßen von Minute zu Minute, weil mögliche infektiöse Aerosole lange in der Luft bleiben und Viren von übertragen werden können. Noch dazu ist es in der Regel schwierig, Kontaktpersonen zurückzuverfolgen.

Studien identifizierten auch Bewegungsströme und Gedränge, das oft schwer zu steuern ist, als weitere Risikofaktoren. Schon bei normalen Luftbewegungen könnten virushaltige Aerosole Distanzen von mehr als zehn Metern zurücklegen, wie eine Studie zeigte, die im Juli im Fachblatt „Clinical Infectious Diseases“ veröffentlicht wurde.

Eine andere Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Konzentration der für die Übertragung von Coronaviren infrage kommenden Aerosole in bestimmten Kinosälen meist niedriger ist als in einem zum Vergleich herangezogenen Büroraum. So liegt im Kino die Konzentration der Aerosole im Saal selbst bei einem Film mit Überlänge noch deutlich unter der in dem Büro, in dem gesprochen wird. Die Konzentration steigt jedoch, wenn im Kino gesprochen wird und wenn sich mehrere Infizierte unter den Besuchern befinden, ermittelten Forscher des Hermann-Rietschel-Instituts der Technischen Universität Berlin für den Hauptverband Deutscher Filmtheater HDF Kino.

Aufgrund der Hygiene- und Schutzkonzepte sehen Experten Kulturveranstaltungen und Restaurantbesuche nicht als treibenden Faktor der steigenden Infektionszahlen. Genaue Daten dazu fehlen jedoch.

Generell gilt:

Ansteckungen hängen von einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren ab. Die Wissenschaftler lernen jeden Tag dazu: zu den Übertragungswegen und Behandlungsmöglichkeiten, zu den Haupttreibern der Pandemie und zu möglichen Covid-19-Spätfolgen. Die gute Nachricht: Sie wissen mehr als zu Beginn der Pandemie, als das Virus uns zum Lockdown zwang. Die universelle Regel bleibt so oder so: AHA-L-A

-         Abstand von mindestens 1,5 Metern halten – das ist etwa die Länge eines Einkaufswagens – zu anderen Personen im öffentlichen Raum. Beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufen oder beim Spaziergang im Park. Menschenmassen unbedingt vermeiden. Bleiben Sie, so oft es geht, zu Hause. Beschränken Sie insbesondere die persönlichen Begegnungen mit älteren oder chronisch kranken Menschen zu deren Schutz. Treffen Sie Freunde und Familie möglichst draußen. Wenn es eine Möglichkeit gibt, arbeiten Sie von zu Hause aus. Und wenn nicht, versuchen Sie mit dem Fahrrad oder Auto zur Arbeit zu fahren und öffentliche Verkehrsmittel zu vermeiden.

-         Hygieneregeln beachten: Husten und niesen Sie in ein Taschentuch oder in die Armbeuge, damit werden die Tröpfchen eingefangen. Waschen Sie sich regelmäßig und gründlich 20 bis 30 Sekunden die Hände mit Seife, das ist so lange wie zwei Mal „Happy Birthday“ singen. Vermeiden Sie es, sich ins eigene Gesicht zu fassen.

-         Immer da, wenn ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen nicht sicher eingehalten werden kann, sollte eine Alltagsmaske (Mund-Nasen-Schutz) getragen werden – draußen sowieso drinnen. Diese kann das Risiko, sich anzustecken, deutlich senken. Vergessen Sie nicht, die Stoffmaske regelmäßig bei 60 Grad zu waschen beziehungsweise sie auszuwechseln. Die Maske muss die Nase und den Mund komplett bedecken, eng anliegen und auch unters Kinn gezogen werden. Abgenommen werden soll sie an den Bändern.

-         In geschlossenen Innenräumen zusätzlich wichtig: Lüften Sie in regelmäßigen Abständen für einige Minuten. Das ist deshalb so wichtig, weil virushaltige Aerosole minutenlang in der Luft bleiben können. Je mehr Menschen sich in einem Raum befinden, desto öfter sollte gelüftet werden.

-         Nutzen Sie außerdem die Corona-Warn-App: Die App benachrichtigt Sie, wenn Sie Begegnungen mit Personen hatten, die mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert waren. Damit sollen Infektionsketten schnell durchbrochen werden. Wer keine Möglichkeit hat, die App zu installieren, kann ein Kontakt-Tagebuch führen. Festzuhalten sind folgende Punkte: Datum, Kontaktperson, Uhrzeit und Dauer der Begegnung, der Ort, wo man sich getroffen hat (drinnen oder draußen?), und die Angabe, ob man einen Mundschutz getragen hat. Vorlagen gibt es im Internet.

Bleiben Sie unbedingt zu Hause, wenn Sie kränkeln, krank sind oder sich angeschlagen fühlen. Helfen Sie denen, die Hilfe benötigen. Versorgen Sie ältere, chronisch kranke Angehörige oder Nachbarn und alleinstehende und hilfsbedürftige Menschen mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs. Und sprechen Sie unbedingt mit anderen über Ihre Ängste und Sorgen. Versuchen Sie sich Zeit für sich zu nehmen und zu entspannen.