BerlinNach Einschätzung des Robert-Koch-Institut steckt sich ein Großteil der Menschen im privaten Umfeld, etwa bei Treffen mit Familien und Freunden, mit dem Coronavirus an. Insgesamt 3901 Ausbrüche wurden nach Daten des Epidemiologischen Bulletins dort registriert.

Grund für das erhöhte Infektionsrisiko ist laut RKI-Chef Lothar Wieler, dass bei Unterhaltungen in geschlossenen Räumen sich auch die Zahl der virushaltigen Aerosole erhöhe. „Dort, wo Menschen gerne zusammenkommen und sich auch kennenlernen wollen, ist die Interaktion auch viel größer“, so Wieler. Die Einhaltung der AHA-Regeln (Abstand halten, Hygiene beachten und Alltagsmaske tragen) bei privaten Treffen könne entsprechende Risiken reduzieren.

Diese Einschätzung stimmt auch mit den Erkenntnissen einer Studie von Elizabeth Lee von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health überein. Das US-Forscherteam schreibt im Fachblatt „Science“, dass ein Großteil der Sars-CoV-2-Infektionen vermutlich auf Haushalte entfällt.

Das Risiko in Hotels

Coronavirus-Übertragungen in Hotels kamen laut dem Epidemiologischen Bulletin des RKI - auch bedingt durch die massiven Gegenmaßnahmen - selten vor. So durften Reisende vielerorts ohnehin nur einchecken, wenn sie einen negativen Corona-Test vorlegen konnten. Von den insgesamt 202.225 übermittelten Fällen werden im Bulletin 652 dem Infektionsumfeld „Übernachtung“ zugerechnet. Detaillierte Erkenntnisse zur Infektionsgefahr in Hotels fehlen jedoch.

Generell gilt:

Ansteckungen hängen von einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren ab. Immer da, wo Menschen zusammenkommen, steigt die Gefahr, sich und andere anzustecken.

Die Wissenschaftler lernen jeden Tag dazu: zu den Übertragungswegen und Behandlungsmöglichkeiten, zu den Haupttreibern der Pandemie und zu möglichen Covid-19-Spätfolgen. Die gute Nachricht: Sie wissen mehr als zu Beginn der Pandemie, als das Virus uns zum Lockdown zwang. Die universelle Regel bleibt so oder so: AHA-L-A

-         Abstand von mindestens 1,5 Metern halten – das ist etwa die Länge eines Einkaufswagens – zu anderen Personen im öffentlichen Raum. Beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufen oder beim Spaziergang im Park. Menschenmassen unbedingt vermeiden. Bleiben Sie, so oft es geht, zu Hause. Beschränken Sie insbesondere die persönlichen Begegnungen mit älteren oder chronisch kranken Menschen zu deren Schutz. Treffen Sie Freunde und Familie möglichst draußen. Wenn es eine Möglichkeit gibt, arbeiten Sie von zu Hause aus. Und wenn nicht, versuchen Sie mit dem Fahrrad oder Auto zur Arbeit zu fahren und öffentliche Verkehrsmittel zu vermeiden.

-         Hygieneregeln beachten: Husten und niesen Sie in ein Taschentuch oder in die Armbeuge, damit werden die Tröpfchen eingefangen. Waschen Sie sich regelmäßig und gründlich 20 bis 30 Sekunden die Hände mit Seife, das ist so lange wie zwei Mal „Happy Birthday“ singen. Vermeiden Sie es, sich ins eigene Gesicht zu fassen.

-         Immer da, wenn ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen nicht sicher eingehalten werden kann, sollte eine Alltagsmaske (Mund-Nasen-Schutz) getragen werden – draußen sowieso drinnen. Diese kann das Risiko, sich anzustecken, deutlich senken. Vergessen Sie nicht, die Stoffmaske regelmäßig bei 60 Grad zu waschen beziehungsweise sie auszuwechseln. Die Maske muss die Nase und den Mund komplett bedecken, eng anliegen und auch unters Kinn gezogen werden. Abgenommen werden soll sie an den Bändern.

-         In geschlossenen Innenräumen zusätzlich wichtig: Lüften Sie in regelmäßigen Abständen für einige Minuten. Das ist deshalb so wichtig, weil virushaltige Aerosole minutenlang in der Luft bleiben können. Je mehr Menschen sich in einem Raum befinden, desto öfter sollte gelüftet werden.

-         Nutzen Sie außerdem die Corona-Warn-App: Die App benachrichtigt Sie, wenn Sie Begegnungen mit Personen hatten, die mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert waren. Damit sollen Infektionsketten schnell durchbrochen werden. Wer keine Möglichkeit hat, die App zu installieren, kann ein Kontakt-Tagebuch führen. Festzuhalten sind folgende Punkte: Datum, Kontaktperson, Uhrzeit und Dauer der Begegnung, der Ort, wo man sich getroffen hat (drinnen oder draußen?), und die Angabe, ob man einen Mundschutz getragen hat. Vorlagen gibt es im Internet.

Bleiben Sie unbedingt zu Hause, wenn Sie kränkeln, krank sind oder sich angeschlagen fühlen. Helfen Sie denen, die Hilfe benötigen. Versorgen Sie ältere, chronisch kranke Angehörige oder Nachbarn und alleinstehende und hilfsbedürftige Menschen mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs. Und sprechen Sie unbedingt mit anderen über Ihre Ängste und Sorgen. Versuchen Sie sich Zeit für sich zu nehmen und zu entspannen.