BerlinWie hoch das Risiko in Zügen ist, lässt sich nur erahnen. Wer schon mal in einem ICE saß oder stehen musste, weiß, wie eng es dort oft zugeht und wie überfüllt die Waggons mitunter sind. Nach Angaben des Robert-Koch-Institutes lassen sich Infektions-Ausbrüche in der Bahn nur schwer ermitteln, da die Identität eines Kontaktes nicht immer nachvollziehbar ist und somit keine spezifischen Angaben machbar seien.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer erklärte Mitte September, er sehe keinen Anlass, dass Fahrgäste das Zugfahren in der Corona-Krise generell meiden sollten. „Es gibt keinen Grund zur Panik, wenn sich jeder an die Verhaltensregeln hält“, sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Aktuelle Studien zeigten, dass die Züge kein Hotspot seien.

Das jedoch kommt auf die Dauer der Zugfahrt an und auf die Möglichkeit, Abstand halten zu können. Zumindest laut einer Studie von Wissenschaftlern aus China und Großbritannien, veröffentlicht Ende Juli in einem Magazin der University of Oxford. Um das Infektionsrisiko in Zügen bestimmen zu können, wurden 2300 anonymisierte Infizierte ermittelt, die mit mehr als 70.000 Reisenden in Hochgeschwindigkeitszügen in China saßen. Erhoben wurden die Daten von Mitte Dezember bis März. Das Ergebnis: Mit jeder Stunde Fahrtzeit hat sich das Risiko einer Infektion um 0,15 Prozent erhöht. Außerdem spielte die Nähe zu einer infizierten Person eine enorme Rolle. Wer direkt neben einem Infizierten saß, steckte sich im Durchschnitt in 3,5 Prozent der Fälle an. Auf einem Sitzplatz in der derselben Reihe betrug das Risiko noch etwa 1,5 Prozent.

In Deutschland gilt die Pflicht, in Zügen eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Die Fahrgastzahlen werden bisher nicht begrenzt. Die Bahn empfiehlt, sich möglichst auf die Fensterplätze zu verteilen.

Generell gilt:

Ansteckungen hängen von einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren ab. Die Wissenschaftler lernen jeden Tag dazu: zu den Übertragungswegen und Behandlungsmöglichkeiten, zu den Haupttreibern der Pandemie und zu möglichen Covid-19-Spätfolgen. Die gute Nachricht: Sie wissen mehr als zu Beginn der Pandemie, als das Virus uns zum Lockdown zwang. Die universelle Regel bleibt so oder so: AHA-L-A

-         Abstand von mindestens 1,5 Metern halten – das ist etwa die Länge eines Einkaufswagens – zu anderen Personen im öffentlichen Raum. Beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufen oder beim Spaziergang im Park. Menschenmassen unbedingt vermeiden. Bleiben Sie, so oft es geht, zu Hause. Beschränken Sie insbesondere die persönlichen Begegnungen mit älteren oder chronisch kranken Menschen zu deren Schutz. Treffen Sie Freunde und Familie möglichst draußen. Wenn es eine Möglichkeit gibt, arbeiten Sie von zu Hause aus. Und wenn nicht, versuchen Sie mit dem Fahrrad oder Auto zur Arbeit zu fahren und öffentliche Verkehrsmittel zu vermeiden.

-         Hygieneregeln beachten: Husten und niesen Sie in ein Taschentuch oder in die Armbeuge, damit werden die Tröpfchen eingefangen. Waschen Sie sich regelmäßig und gründlich 20 bis 30 Sekunden die Hände mit Seife, das ist so lange wie zwei Mal „Happy Birthday“ singen. Vermeiden Sie es, sich ins eigene Gesicht zu fassen.

-         Immer da, wenn ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen nicht sicher eingehalten werden kann, sollte eine Alltagsmaske (Mund-Nasen-Schutz) getragen werden – draußen sowieso drinnen. Diese kann das Risiko, sich anzustecken, deutlich senken. Vergessen Sie nicht, die Stoffmaske regelmäßig bei 60 Grad zu waschen beziehungsweise sie auszuwechseln. Die Maske muss die Nase und den Mund komplett bedecken, eng anliegen und auch unters Kinn gezogen werden. Abgenommen werden soll sie an den Bändern.

-         In geschlossenen Innenräumen zusätzlich wichtig: Lüften Sie in regelmäßigen Abständen für einige Minuten. Das ist deshalb so wichtig, weil virushaltige Aerosole minutenlang in der Luft bleiben können. Je mehr Menschen sich in einem Raum befinden, desto öfter sollte gelüftet werden.

-         Nutzen Sie außerdem die Corona-Warn-App: Die App benachrichtigt Sie, wenn Sie Begegnungen mit Personen hatten, die mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert waren. Damit sollen Infektionsketten schnell durchbrochen werden. Wer keine Möglichkeit hat, die App zu installieren, kann ein Kontakt-Tagebuch führen. Festzuhalten sind folgende Punkte: Datum, Kontaktperson, Uhrzeit und Dauer der Begegnung, der Ort, wo man sich getroffen hat (drinnen oder draußen?), und die Angabe, ob man einen Mundschutz getragen hat. Vorlagen gibt es im Internet.

Bleiben Sie unbedingt zu Hause, wenn Sie kränkeln, krank sind oder sich angeschlagen fühlen. Helfen Sie denen, die Hilfe benötigen. Versorgen Sie ältere, chronisch kranke Angehörige oder Nachbarn und alleinstehende und hilfsbedürftige Menschen mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs. Und sprechen Sie unbedingt mit anderen über Ihre Ängste und Sorgen. Versuchen Sie sich Zeit für sich zu nehmen und zu entspannen.