BerlinMehrere Studien befassen sich mit dem Ansteckungsrisiko dort. Eindeutige Erkenntnisse gibt es jedoch noch nicht. Bisher deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Virus-Verbreitung eher gering ist. Für Lehrer und Schüler verzeichnete das Robert-Koch-Institut (RKI) bis Mitte September 31 Ausbrüche und 150 Fälle an Schulen. In einer Studie hat das RKI aufgeschlüsselt, wo sich Menschen mit dem Coronavirus angesteckt haben. Ausgewertet wurden 55.141 von 202.225 übermittelten Fällen (Datenstand bis Mitte Juli). Mehr Fälle konnten keinem bestimmten Ausbruchsort zugeordnet werden.

Auch aus einer Umfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland unter allen Kultusministerien der Bundesländer geht hervor, dass es nur relativ wenige Corona-Infektionen an Schulen gegeben hat. 98 Prozent aller Schüler konnten am Präsenzunterricht bis zu den Herbstferien teilnehmen. Auch unter den Lehrkräften sei das Infektionsgeschehen überschaubar gewesen. So waren in Berlin 0,14 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer von einer Corona-Infektion betroffen.

Ähnliche Ergebnisse zeigen sich in Kindergärten. Welche Rolle die Kindertagesbetreuung bei der Ausbreitung des Sars-CoV-2-Virus spielt, erforschen seit Juni das Deutsche Jugendinstitut und das RKI im Rahmen der Corona-KiTa-Studie. An der Erhebung können Kitas aus allen Bundesländern teilnehmen, Stand September sind es etwa 11.000. Einige Ergebnisse des aktuellen Monatsberichtes zusammengefasst: Im Zeitraum vom 10. August bis 11. Oktober waren nur etwa zehn Prozent der beteiligten Kitas von Verdachts- oder Infektionsfällen betroffen, meist waren Erwachsene erkrankt. Kinder im Alter von null bis fünf Jahren waren kaum infiziert. Aktuell betreffen etwa drei Prozent der Covid-19-Fälle in Deutschland diese Altersgruppe. Bis Ende August wurden von den Gesundheitsämtern 56 Covid-19-Ausbrüche gemeldet, bei denen als Infektionsumfeld Kita oder Hort angegeben wurden. Insgesamt wurden im selben Zeitraum 289 Fälle diesen Bereichen zugeordnet.

Bei der Bewertung, ob Schulen und Kitas als sogenannte Superspreader-Orte einzuordnen sind oder nicht, ist auch zu bedenken, dass Kinder und Jugendliche zwar selbst meist weniger von einer Infektion mitbekommen, Symptome zeigen sich bei ihnen kaum und sie erkranken meist nicht schwer an Covid-19. Nichtsdestotrotz können sie das Virus verbreiten.

Interessant ist ein Blick ins Ausland: Das Risiko für Corona-Ausbrüche in Schulen und Kindergärten lässt sich einer Studie aus Australien zufolge mit Maßnahmen wie Kontaktverfolgung gering halten. Obwohl mit dem Virus infizierte Lehrer, Betreuer und Kinder ihre jeweilige Einrichtung aufgesucht hätten, als sie bereits infektiös waren, seien dort nur wenige weitere Menschen infiziert worden, berichten Forscher im Fachjournal „Lancet Child & Adolescent Health“. Das effektive Verfolgen von Kontakten Infizierter sei der Schlüssel dafür, eine Ausbreitung in Schulen und Kitas zu verhindern. Anders als in vielen anderen Ländern waren die Schulen in Australien während der ersten Ausbreitungswelle offen geblieben, begleitet von Abstands- und Hygieneregeln.

Um Ausbrüche in Schulen und Kitas gering zu halten, wird empfohlen, den Mindestabstand so gut es geht, einzuhalten, in kleineren Gruppen zu lernen und die Räume regelmäßig zu lüften. Eine Expertengruppe der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina empfiehlt das Tragen einer Mund-Nasen-Maske für Schüler ab der 5. Klasse.

Generell gilt:

Ansteckungen hängen von einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren ab. Die Wissenschaftler lernen jeden Tag dazu: zu den Übertragungswegen und Behandlungsmöglichkeiten, zu den Haupttreibern der Pandemie und zu möglichen Covid-19-Spätfolgen. Die gute Nachricht: Sie wissen mehr als zu Beginn der Pandemie, als das Virus uns zum Lockdown zwang. Die universelle Regel bleibt so oder so: AHA-L-A

-         Abstand von mindestens 1,5 Metern halten – das ist etwa die Länge eines Einkaufswagens – zu anderen Personen im öffentlichen Raum. Beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufen oder beim Spaziergang im Park. Menschenmassen unbedingt vermeiden. Bleiben Sie, so oft es geht, zu Hause. Beschränken Sie insbesondere die persönlichen Begegnungen mit älteren oder chronisch kranken Menschen zu deren Schutz. Treffen Sie Freunde und Familie möglichst draußen. Wenn es eine Möglichkeit gibt, arbeiten Sie von zu Hause aus. Und wenn nicht, versuchen Sie mit dem Fahrrad oder Auto zur Arbeit zu fahren und öffentliche Verkehrsmittel zu vermeiden.

-         Hygieneregeln beachten: Husten und niesen Sie in ein Taschentuch oder in die Armbeuge, damit werden die Tröpfchen eingefangen. Waschen Sie sich regelmäßig und gründlich 20 bis 30 Sekunden die Hände mit Seife, das ist so lange wie zwei Mal „Happy Birthday“ singen. Vermeiden Sie es, sich ins eigene Gesicht zu fassen.

-         Immer da, wenn ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen nicht sicher eingehalten werden kann, sollte eine Alltagsmaske (Mund-Nasen-Schutz) getragen werden – draußen sowieso drinnen. Diese kann das Risiko, sich anzustecken, deutlich senken. Vergessen Sie nicht, die Stoffmaske regelmäßig bei 60 Grad zu waschen beziehungsweise sie auszuwechseln. Die Maske muss die Nase und den Mund komplett bedecken, eng anliegen und auch unters Kinn gezogen werden. Abgenommen werden soll sie an den Bändern.

-         In geschlossenen Innenräumen zusätzlich wichtig: Lüften Sie in regelmäßigen Abständen für einige Minuten. Das ist deshalb so wichtig, weil virushaltige Aerosole minutenlang in der Luft bleiben können. Je mehr Menschen sich in einem Raum befinden, desto öfter sollte gelüftet werden.

-         Nutzen Sie außerdem die Corona-Warn-App: Die App benachrichtigt Sie, wenn Sie Begegnungen mit Personen hatten, die mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert waren. Damit sollen Infektionsketten schnell durchbrochen werden. Wer keine Möglichkeit hat, die App zu installieren, kann ein Kontakt-Tagebuch führen. Festzuhalten sind folgende Punkte: Datum, Kontaktperson, Uhrzeit und Dauer der Begegnung, der Ort, wo man sich getroffen hat (drinnen oder draußen?), und die Angabe, ob man einen Mundschutz getragen hat. Vorlagen gibt es im Internet.

Bleiben Sie unbedingt zu Hause, wenn Sie kränkeln, krank sind oder sich angeschlagen fühlen. Helfen Sie denen, die Hilfe benötigen. Versorgen Sie ältere, chronisch kranke Angehörige oder Nachbarn und alleinstehende und hilfsbedürftige Menschen mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs. Und sprechen Sie unbedingt mit anderen über Ihre Ängste und Sorgen. Versuchen Sie sich Zeit für sich zu nehmen und zu entspannen.