Hannover - Bereits einfache Maßnahmen können offenbar helfen, Infektionskrankheiten zu bremsen. Parallel zur Corona-Epidemie, auf die alle Augen gerichtet sind, gingen in diesem Jahr die Krankschreibungen wegen Grippe, Lungenentzündung und Magen-Darm-Erkrankungen zurück. „Seit der Corona-Krise sind deutlich weniger Arbeitnehmer aufgrund von Infektionskrankheiten im Job ausgefallen als zuvor“, teilte die KKH Kaufmännische Krankenkasse am 28. Januar mit. Das zeigten die aktuellen Daten von 2020 im Vergleich zu 2019.

Konkret sieht es so aus: Krankschreibungen wegen Erkrankungen der Atemwege wie Erkältungen, Nasennebenhöhlenentzündung und Bronchitis gingen um 19 Prozent zurück. Bei Influenza waren es 24 Prozent, bei Lungenentzündung (ohne Corona) 41 Prozent, bei Magen-Darm-Infektionen etwa durch Noro- und Rotaviren 33 Prozent. Die KKH Kaufmännische Krankenkasse betreut als eine der größten bundesweiten gesetzlichen Krankenkassen mehr als 1,6 Millionen Versicherte. 

Unterschiede bei Krankschreibungen zwischen den Bundesländern

Vor allem die Corona-Schutzmaßnahmen – wie Abstandhalten, Masketragen und häufiges Händewaschen – hätten diese und andere Infektionskrankheiten in Schach gehalten. Davon geht die KKH-Wirtschaftspsychologin Antje Judick aus. „Auch Schul- und Kitaschließungen sowie Kurzarbeit, Homeoffice und die Kontaktbeschränkungen im Allgemeinen dürften die Übertragung von Atemwegs- und Magen-Darm-Erregern verhindert haben“, sagt sie laut Mitteilung der Krankenkasse. Dies erkläre etwa auch, warum 2020 der Krankenstand bei KKH-versicherten Arbeitnehmern im Vergleich zum Vorjahr insgesamt gesunken ist – von 5,6 auf 5,1 Prozent. Gestiegen sind hingegen die krankheitsbedingten Fehlzeiten: 2019 waren Berufstätige im Schnitt 15,3 Tage krankgeschrieben. Im vergangenen Jahr waren es zwei Tage mehr, also 17,3 Tage.

Auch die Verteilung der Krankschreibungen über die Bundesländer wurde untersucht. Berufstätige in Hamburg, Baden-Württemberg und Bayern waren im Corona-Jahr offenbar weniger krankheitsanfällig als im Rest der Republik. In diesen Ländern betrugen die Fehlzeiten wegen Krankschreibungen rund 4 Prozent der gesamten Sollarbeitszeit. In Sachsen-Anhalt gab es dagegen den höchsten Krankenstand mit 6,5 Prozent, gefolgt von Brandenburg und Thüringen (mit je 6,2 Prozent).

„Ein Grund für diese Unterschiede ist die Jobstruktur in den jeweiligen Regionen", sagt Antje Judick. „Aber auch die Altersverteilung spielt eine Rolle. Der Altersdurchschnitt in östlichen Bundesländern ist tendenziell höher, was auch die Anfälligkeit für Krankheiten steigert. In manchen Jobs muss außerdem ab dem ersten Krankheitstag ein Attest vorgelegt werden.“ Dies könne ebenfalls die Statistik beeinflussen. Darüber hinaus werden Menschen beispielsweise häufiger krank, wenn sie körperlich anstrengende Arbeiten erledigen.

Von Corona sind besonders Mitarbeiter in Gesundheitsberufen betroffen

Für das gesamte Jahr 2020 registriert die KKH insgesamt rund 4700 Krankschreibungen von Arbeitnehmern aufgrund einer Corona-Infektion beziehungsweise eines Verdachts darauf. Etwa 30 Prozent davon betrafen den Daten zufolge Mitarbeiter in Gesundheitsberufen wie Krankenpfleger und Krankenschwestern sowie Helfer und Fachkräfte in Pflege-, Alten- und Behindertenheimen. Etwa 15 Prozent der KKH-versicherten Arbeitnehmer sind in diesen Bereichen beschäftigt.

Zu möglichen anderen Gründen für den Rückgang der Krankschreibungen macht die Mitteilung keine Angaben. So wäre es zum Beispiel denkbar, dass weniger Menschen bei leichteren Beschwerden zum Arzt gehen, um sich krankschreiben zu lassen.