Untersuchung auf Antikörper.
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BerlinBei vielen Infektionskrankheiten gilt: Hat ein Patient die Erkrankung hinter sich, ist er einige Zeit vor dem Erreger geschützt. Ob das bei Corona auch so funktioniert, ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig belegt. Einige Studien geben Anlass zu leichtem Optimismus.

Unser Immunsystem hat generell verschiedene Mittel, eingedrungene Erreger wieder loszuwerden. Bei neuen Erregern, wie bei Sars-CoV-2, kann sich der Körper nicht schnell genug wehren, ist aber nicht untätig. Das Immunsystem bildet sogenannte T-Killerzellen. Sie zerstören Körperzellen, in denen sich das Virus eingenistet hat. B-Lymphozyten (kurz: B-Zellen) stellen Antikörper gegen den Erreger her.

Ist das Virus besiegt, werden diese Abwehrwaffen weniger. Doch nun ist der Körper auf einen erneuten Angriff vorbereitet. Er hat Gedächtniszellen gebildet, die einen Schutzwall aus Killerzellen und B-Zellen aufbauen können. Zudem verbleiben Antikörper im Blut.

Wie lange hält der Schutzwall?

Diese Art von Schutzmechanismus funktioniert im Prinzip auch bei Sars-CoV-2. Die Frage ist nur, ob und wie lange der Schutzwall stark genug ist. Es könne sein, dass der Verlauf bei einer zweiten Infektion leichter ist – oder dass man nicht mehr ansteckend ist, sagt Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie.

Einige Untersuchungen haben gezeigt, dass bestimmte Antikörper gegen das Virus innerhalb weniger Monate aus dem Blut verschwinden – oder bei manchen Menschen gar nicht erst nachweisbar waren. Wissenschaftler aus Hongkong haben nach eigenen Angaben weltweit erstmals einen Fall einer Wiederansteckung mit Corona nachgewiesen. Der Patient infizierte sich innerhalb von viereinhalb Monaten zwei Mal. Gen-Analysen zeigten, dass die Infektionen von zwei verschiedenen Virusstämmen ausgelöst wurden. Der Fall ließe vermuten, dass eine Immunität nicht unbedingt von Dauer sei, erklärten die Forscher. Watzl warnt aber vor voreiligen Schlüssen: Es sei unklar, wie viele Antikörper man überhaupt brauche.

Es gibt allerdings Studien, die ein etwas optimistischeres Bild zeichnen. So konnten Fachleute um die US-Immunologin Deepta Bhattacharya zeigen, dass die Produktion bestimmter Antikörper gegen Corona mindestens drei Monate bestehen bleibt. Die Studie ist jedoch weder von Experten begutachtet noch in einem Fachjournal publiziert worden.

Schwedische Forscher informieren im Fachblatt „Cell“, dass bei einer Corona-Infektion in großem Maßstab Gedächtniszellen aufgebaut werden. Eine Preprint-Studie aus den USA kommt zu dem Schluss, dass nach einem milden Krankheitsverlauf beständige Gedächtniszellen im Blut bleiben. Eine gewisse Immunität könne also doch bestehen.

Die Frage der Immunität ist vor allem für Patienten relevant, die wissen wollen, ob sie nach einer durchgemachten Corona-Infektion geschützt sind. Für Krankenhauspersonal ist diese Frage elementar. Am Verlauf der Pandemie ändere eine Immunität aber nicht viel, so Watzl. Selbst wenn es einen lang anhaltenden Schutz gebe, müsste für eine Herdenimmunität ein großer Teil der Bevölkerung infiziert gewesen sein. Eine wirkliche Entspannung der Situation werde es erst mit einem Impfstoff geben. (mit dpa)