Berlin - Deutschlands Intensivmediziner blicken besorgt auf die neu entdeckten Virusmutationen. „Es ist ein Wettlauf von Mutante und Impfung“, sagt Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). „Uns darf in diesem Wettlauf nicht die Puste ausgehen.“

Zwar würden die Patientenzahlen auf den Intensivstationen derzeit sinken. Doch es sei unklar, welchen Einfluss die Virusmutationen auf das Infektionsgeschehen haben. Die DIVI sieht daher in den Plänen eines weiterhin bestehenden – und eventuell sogar deutlich verschärften – Lockdowns medizinisch eine absolute Notwendigkeit.

„Wir müssen den Anstieg der Patientenzahlen durch die Virusmutation einkalkulieren und trotzdem in den Kliniken handlungsfähig bleiben“, sagt Felix Walcher, designierter Präsident der DIVI. Es gelte, eine dritte Welle, die auf die zweite direkt aufsatteln könnte, dringend zu verhindern. Das Personal in den Kliniken brauche unbedingt eine Verschnaufpause, so Walcher.

„Mit derzeit knapp 5000 Patienten in intensivmedizinischer Behandlung sind wir leider noch weit über dem Peak der ersten Welle mit 3000 Patienten – und ganz weit entfernt von einem Normalbetrieb“, sagt Marx. Es müsse oberstes Ziel bleiben, die Infektionszahlen drastisch zu reduzieren.

DIVI für einheitliche Lockdown-Maßnahmen der Bundesländer

Die aktuellen Lockdown-Maßnahmen müssten deshalb noch über den Februar hinaus fortgesetzt werden, heißt es in einer Mitteilung der DIVI. Dabei sei es extrem wichtig, dass alle Lockdown-Maßnahmen einheitlich und stringent in jedem Bundesland umgesetzt würden, um zielgerichtet in ganz Deutschland deutliche Effekte zu erzeugen.

„Es gibt derzeit keinerlei Alternative“, sagt DIVI-Generalsekretär Florian Hoffmann, Oberarzt auf der interdisziplinären Kinderintensivstation am Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Um die Welle zu brechen, weiterhin sinkende Zahlen auf den Intensivstationen zu verzeichnen sowie die hohen Todeszahlen rasch zu senken, gibt es nach wie vor keine Medikamente. Wir können nur die Kontakte untereinander so weit wie möglich herunterfahren und impfen, impfen, impfen!“

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