PCR-Tests sind die derzeit gängigste Test-Variante.
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BerlinFieber, Husten, Müdigkeit. Langsam kommt die Zeit der Erkältung und der Grippe. Oder deuten die Symptome doch auf Covid-19 hin? Diese Frage werden sich wahrscheinlich viele Menschen stellen. Wie schön wäre es, sich selbst auf das Coronavirus testen oder einen Schnelltest in der Apotheke machen zu können.

Immer mehr Pharma-Unternehmen kündigen die Entwicklung solcher Tests an. So hat der schweizerische Pharmakonzern Roche verlauten lassen, noch im laufenden Monat einen Corona-Antigen-Schnelltest auf den Markt zu bringen. Kürzlich wurde in Leipzig ein Antikörpertest vorgestellt, den jeder zu Hause machen und dann selbst in ein Labor einschicken könne. Solche Tests sind allerdings noch nicht frei verkäuflich.

Was ist von Schnelltests zu erwarten, wie zuverlässig sind sie und wieso kommt Otto Normalverbraucher nicht einfach so an sie ran? Ein Überblick.

Wie wird aktuell auf das Coronavirus getestet?

Beim Verdacht auf eine Infektion mit Sars-CoV-2 wird der Erreger in der Regel mit einem molekularbiologischen Test nachgewiesen. Zunächst nimmt ein Arzt eine Probe aus den Atemwegen des Patienten. Spezialisten bereiten diese im Labor auf und suchen mit der sogenannten PCR-Methode nach dem Erbmaterial des Virus: Ein bestimmter Abschnitt des Erbguts wird kopiert. Die Kopien werden mit einer Sonde farblich markiert. Diese Markierung kann dann mit komplexen Geräten sichtbar gemacht werden. Sind entsprechende Farbsignale vorhanden, handelt es sich um eine „positive Probe“.

Unter idealen Bedingungen dauert ein PCR-Test im Labor drei bis fünf Stunden. Bis das Ergebnis jedoch bei der getesteten Person ankommt, können bis zu zwei Tage vergehen.

Von dem herkömmlichen PCR-Test gibt es auch eine schnellere Variante. Diese kann außerhalb von Laboren durchgeführt werden. Dafür stellt man Kartuschen mit Atemwegsproben in ein Gerät mit automatischem Analysesystem – nach etwa einer Stunde ist das Ergebnis da. Diese Systeme sind allerdings etwas ungenauer, deutlich teurer und verbrauchen mehr Material.

Sogenannte RT-LAMB-Speicheltests sind einfacher anzuwenden. Sie basieren auf einer Technik namens loop-mediated isothermal amplification. Dafür wird eine Speichelprobe etwa 30 Minuten lang erhitzt, dann werden Enzyme deaktiviert, bestimmte Stoffe hinzugefügt und eventuell vorhandenes Virenerbgut vermehrt. Über eine Farbanzeige wird sichtbar, ob genetisches Material des Coronavirus in der Probe vorhanden ist. Der RT-LAMP-Test für SARS-CoV-2 konnte das Virus in einer Studie innerhalb von etwa 45 Minuten erfolgreich nachweisen. Diese Tests werden bisher in England eingesetzt.

Wie funktionieren Schnelltests?

Im Unterschied zum herkömmlichen PCR-Test muss die Probe bei einem Schnelltest nicht an spezielle Labore geschickt werden. Die Auswertung kann an jedem Ort gemacht werden und erfolgt ohne aufwendige Technik. Es gibt mehrere Methoden: Antigen- und Antikörpertests.

Worin unterscheiden sich Antigen- und Antikörpertests?

Mit Antigentests werden Proteinfragmente von der Oberfläche des Coronavirus nachgewiesen, nicht das Erbgut. Sie können ähnlich wie ein Schwangerschaftstest funktionieren: Enthält eine Speichelprobe ein virales Antigen, verfärbt sich ein Teststreifen bereits nach wenigen Minuten. Diese Tests könnten günstig hergestellt werden, befinden sich aber noch in einer Erprobungsphase.

Eine weitere Technik für Antigentests ist die Fluoreszenzmethode. Enthält die entnommene Probe Virusproteine, wird ein Leuchtsignal erzeugt. Hierfür braucht es ein spezielles Gerät mit UV-Lampen, das das Signal sichtbar macht.

Mit Antikörpertests wird die Reaktion des Körpers auf das Coronavirus ermittelt – etwa, wenn man wissen möchte, ob jemand in der Vergangenheit infiziert war. Das Immunsystem hat dann möglicherweise Antikörper gebildet. Für einen solchen Test wird Blut abgenommen.

Wie zuverlässig sind Schnelltests?

Die Zuverlässigkeit der Corona-Tests hängt von deren Genauigkeit ab. Antikörpertests eignen sich nicht für den Nachweis einer akuten Infektion, da Antikörper erst nach einiger Zeit im Blut zu finden sind. Manchmal aber auch überhaupt nicht, obwohl ein Mensch infiziert ist. Es ist auch nicht möglich festzustellen, wie lange die Infektion zurückliegt oder ob der Betroffene gegen Corona immun ist. Antikörpertest gelten daher als weniger sensitiv – also weniger genau.

Auch Antigen-Tests können ungenau sein. „Wir können bei den Schnelltests nicht sichergehen, dass sie immer ein richtiges Ergebnis liefern“, sagte Matthias Orth, Chefarzt des Instituts für Laboratoriumsmedizin im Marienhospital in Stuttgart, der Deutschen Presse-Agentur.

Antigen-Schnelltests könnten zwar ohne Laborinfrastruktur durchgeführt, aber für ein zuverlässiges Ergebnis müssten die Proben auch richtig entnommen werden. Die Entnahme könne manchmal schmerzhaft sein – wenn die Stäbchen tief in den Rachen oder die Nase gesteckt werden müssen. Nicht jeder traut sich das allein zu Hause richtig zu. Da sei es dann hilfreich, wenn ein Arzt die Probe nimmt.

Ärztepräsident Klaus Reinhardt hat sich für einen breiten Einsatz von Corona-Schnelltests ausgesprochen. Die Nachweise seien vielleicht nicht ganz so exakt, sagte er. „Dafür ließen sich aber viel mehr Menschen in kurzer Zeit unkompliziert testen und Infektionsketten schneller unterbrechen.“ Das würde Labore und Arztpraxen entlasten, die in der Erkältungs- und Grippezeit erfahrungsgemäß mehr zu tun bekommen. Völlig ersetzen können Antigentests die PCR-Methode allerdings nicht, da diese noch immer die genaueste und zuverlässigste ist.

Wie viel würde ein Schnelltest kosten?

Das ist noch unklar. Einige europäische Pharmaunternehmen preisen ihre Tests für um die 50 Euro an. In den USA sind sie teilweise für fünf Dollar zu haben.

Auch wer in Deutschland die Kosten übernehmen würde, steht noch nicht fest. Das entscheidet sich erst, wenn Schnelltests hier zugelassen werden.

Wieso gibt es noch keine Schnelltests in Deutschland zu kaufen?

Das hat verschiedene Gründe. Entsprechende Verbote sind im Infektionsschutzgesetz und in der Medizinprodukteabgabeverordnung geregelt. Zum einen dürfen nur Mediziner eine Infektion nachweisen. Zum anderen dürfen Apotheken Corona-Tests nicht direkt an Privatpersonen verkaufen. Sollte gegen das Verbot verstoßen werden, wäre dies eine Ordnungswidrigkeit. Apotheken müssten dann mit einer Geldbuße von bis zu 30.000 Euro rechnen.

Das Paul-Ehrlich-Institut, das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, weist darauf hin, dass viele unbrauchbare Tests im Umlauf sind. Alle Covid-19-Tests unterliegen der EU-Richtlinie über In-vitro-Diagnostika. Diese regelt die Marktzulassung. Gemäß dieser Richtlinie können die Hersteller die Schnelltests selbst zertifizieren und auf eine unabhängige Prüfung verzichten. Ob sich die angebotenen Test also tatsächlich eignen, ist nicht sicher. Es fehlen allgemein anerkannte und fest definierte Qualitätsstandards.

Christian Drosten, Chefvirologe der Berliner Charité, erklärte kürzlich im NDR-Podcast zum Virus: „Dahinter steckt ein großer regulativer Prozess. Das Ganze muss gesetzeskonform sein.“ Aber es sei möglich. Mehrere Experten arbeiteten derzeit an einer Lösung, damit Antigen-Schnelltests in Deutschland zusätzlich zum PCR-Test von Ärzten genutzt werden können. „Die wird es in einigen Monaten wahrscheinlich geben“, sagte Drosten. „Dann ist dieses ganze Diagnostik-Drama mit der langen Probenlaufzeit und der Überlastung der Labore und den hohen Kosten in einem Abwasch gelöst.“ (mit dpa)