Berlin - Am Sonntag habe ich die 10.000 zum ersten Mal kurz nach dem Aufstehen geschafft. Das Plastikarmband an meinem linken Handgelenk vibrierte, als ich mir die Zähne putzte. Ich laufe beim Zähneputzen auf und ab, schon immer, aber seit ich das Armband habe, lohnt es sich wirklich. Das Armband enthält einen Fitnesstracker, der unter anderem zählt, wie viele Schritte ich am Tag schaffe. Bei 10.000 sendet es mir eine kleine Vibration als Lob. Es ist schon passiert, dass ich bei diesem Signal den Arm in die Luft gerissen habe, wie ein Sportler an der Ziellinie. Wenn der Zähler am Abend einen Wert über 9.500 anzeigt, fällt es mir schwer, das Armband abzulegen und ins Bett zu gehen. Ich bin schon im Wohnzimmer auf und ab gelaufen, weil nur noch 150 Schritte fehlten.

Es ist ein Schaden, den die Pandemie bei mir hinterlassen hat. Zusammen mit dem Fitnesstracker. Ich habe ihn mir im ersten Lockdown gekauft, weil ich Angst hatte, mich nicht genug zu bewegen, ohne die Wege zum Büro, die Abende im Fitnessstudio. Die meisten Menschen in der westlichen Welt bewegen sich viel zu wenig, darüber hatte ich als Wissenschaftsjournalistin oft geschrieben. Und über die Leiden, die sich deshalb verschlimmern können, Bluthochdruck, Depressionen, Rücken. Stundenlanges Sitzen gilt seit ein paar Jahren als lebensbedrohlich. Es soll den Körper bis in die Zellen hinein angreifen.

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