Bei der Untersuchung von 102 Katzen aus der Stadt Wuhan wurden bei elf Katzen Antikörper gegen das Virus gefunden.
Foto: Martin Gerten/dpa

BerlinAuch Tiere können sich mit dem Coronavirus infizieren. Weltweit sind dazu bereits einzelne Fälle bekannt geworden. Der spektakulärste ist wohl der Fall der Tigerin „Nadia“ im Bronx Zoo von New York. Sie wurde positiv auf das neue Coronavirus Sars-CoV-2 getestet. Mit ihr hätten sich auch weitere Tiger und Löwen angesteckt, wie es heißt. Überträger soll ein infizierter Tierpfleger sein, der keine Symptome entwickelte. Allen Tieren gehe es gut, sagte der Zoo-Tierarzt.

Viele Menschen interessiert vor allem die Frage, ob sich auch Haustiere anstecken können. Auch hier wurde bereits von Fällen berichtet. So sollen unter anderem in Hongkong zwei Hunde „schwach positiv“ getestet worden sein. In Belgien infizierte sich eine Katze.

„Es scheint unter natürlichen Bedingungen zu einer Übertragung vom Menschen auf das Haustier zu kommen“, sagte Klaus Osterrieder, Virologe am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität (FU) Berlin, in einer Mitteilung. Es verdichteten sich die Hinweise, dass vor allem Katzen zu Trägern des Virus werden könnten.

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Tierhaltung ist kein Risiko

Forscher eines Veterinärinstituts im chinesischen Harbin haben Experimente mit Haustieren gemacht. Ergebnis: Bei Hunden gelang ihnen keine Infektion mit Sars-CoV-2. Tierstudien wiesen „auf eine geringe Empfänglichkeit von Hunden“ hin, erklärt auch das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesinstitut für Tiergesundheit. Bei den beiden Hunden in Hongkong sei „mit hochempfindlichen Nachweismethoden genetisches Material des Erregers entdeckt“ worden. Die Hunde hätten aber keine Symptome gezeigt.

Anders bei Katzen. Bei Versuchstieren vervielfältigte sich das Virus im Rachen- und Nasenbereich, nachdem ihnen hohe Dosen des neuen Coronavirus verabreicht worden waren, stellten die Forscher aus dem chinesischen Harbin fest. Bei der Untersuchung von 102 Katzen aus der Stadt Wuhan wurden bei elf Katzen Antikörper gegen das Virus gefunden. Das bedeutet: Sie hatten die Infektion durchgemacht. Allerdings fanden die Forscher bisher in der Lunge von Katzen keine Virusspuren. Beim Menschen entstehen die gefährlichen Verläufe vor allem durch die Infektion der Lunge.

„Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass Haustiere auch Menschen angesteckt haben“, teilt das Friedrich-Loeffler-Institut mit. „Die Haltung von Katzen wurde nicht als Risikofaktor identifiziert.“ Auch bei der Sars-Pandemie von 2002/2003 sei es zu Infektionen bei Katzen gekommen, ohne dass dies für die Weiterverbreitung relevant gewesen sei. Die Übertragung von Mensch zu Mensch sei bei Covid-19 entscheidend. Dennoch sollten infizierte Tierbesitzer in dieser Zeit beim Kontakt mit Haustieren besonders auf Hygiene achten, engen Kontakt möglichst vermeiden, Tiere nicht anhusten und sich auch nicht von Tieren im Gesicht lecken lassen. Es bestehe aber kein Grund dafür, Haustiere in Tierheimen abzugeben oder bei positiven Tests einzuschläfern.

Dass Viren zwischen Menschen und Tieren springen, ist ein normales Geschehen. Die Sars- und Mers-Viren stammten ursprünglich von Fledermäusen. Das Ebola-Virus kam von Flughunden. Meist zirkulieren Viren in Tierarten, ohne sie krank zu machen. Viren mutieren jedoch ständig, und es kann sein, dass Strukturen ihrer Hülle plötzlich zu Molekülen auf der Oberfläche menschlicher Körperzellen passen. Dann können sie sich auch in Menschen vermehren, wenn es zum Kontakt mit Tierarten – auch über Zwischenwirte – gekommen ist. Auch Sars-CoV-2 sei als „neues zoonotisches Coronavirus“ vermutlich von Fledermäusen auf den Menschen übergesprungen, so das Friedrich-Loeffler-Institut mit Hauptsitz auf der Insel Riems bei Greifswald.

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Entwarnung bei Nutztieren

Die Forscher wollten zudem wissen, ob mit Sars-CoV-2 auch Nutztiere infiziert werden können. Das interessiert vor allem Betreiber landwirtschaftlicher Betriebe sowie Nutztierhalter. Vorläufige Ergebnisse zeigen, dass sich Schweine und Hühner nicht infizieren und somit den Menschen auch nicht gefährlich werden können, wie das Friedrich-Loeffler-Institut mitteilte. Endergebnisse sollen im Mai folgen. Versuche der chinesischen Forscher aus Harbin bestätigen die ersten Ergebnisse. Auch Enten lassen sich ihren Studien zufolge nicht infizieren.

Dagegen sind Flughunde und Frettchen empfänglich für eine Infektion. Die Forscher des Friedrich-Loeffler-Instituts sehen vor allem Frettchen als mögliche Modelltiere, die zur Erprobung von Impfstoffen oder Medikamenten eingesetzt werden könnten.

Erregernachweise für Haustiere bietet das FU-Institut für Virologie an. Telefonische Voranmeldung unter 030/838-51822.