Italien erklärte ganze Gemeinden zu Sperrzonen.
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BerlinAngesichts der Ausbreitung des Coronavirus im Norden Italiens bereitet sich die Bundesregierung auch auf eine gravierendere Lage in Deutschland vor.

„Die Corona-Epidemie ist als Epidemie in Europa angekommen“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montag. „Deshalb müssen wir damit rechnen, dass sie sich auch in Deutschland ausbreiten kann.“

Corona-Virus: 16 Infektionen in Deutschland

In Italien forderte der Ausbruch bis Montagabend mindestens sechs Todesopfer. In der besonders schwer betroffenen Lombardei wurden zehn Gemeinden zu Sperrzonen erklärt. Die Grenze nach Italien zu schließen, sei derzeit nicht geplant, hieß es aus dem Bundesinnenministerium. Das Auswärtige Amt verwies auf geänderte Reisehinweise für Italien.

In Deutschland wurden bislang 16 Infektionen gemeldet, letztmals wurden zwei Fälle vor knapp zwei Wochen in Bayern bekannt. Allerdings gehen Experten davon aus, dass es auch hierzulande sehr wahrscheinlich unentdeckte Infektionen gibt.

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Städte unter Quarantäne

Gesundheitsminister Spahn schloss weitere Schutzmaßnahmen bei einer Ausbreitung des neuartigen Virus nicht aus. Zwischen der Absage von Großveranstaltungen, der Schließung von Einrichtungen wie Schulen oder Kitas „bis hin zum Abriegeln ganzer Städte“ gebe es zahlreiche Zwischenstufen.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, meldete Zweifel an, ob in Deutschland ganze Städte unter Quarantäne gestellt werden könnten. In China sei dies nur mit dem Einsatz von Militär gelungen.

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Börsenkurse rutschen ab

In China ist die Zahl der Toten am Montag sprunghaft angestiegen. Die Gesundheitskommission berichtete von  150 neuen Covid-19-Todesfälle – so viele wie noch nie innerhalb eines Tages. Der Internationale Währungsfonds senkte derweil seine Wachstumsprognose für China.

Die Aktienmärkte reagierten auf das Voranschreiten der Epidemie: In den USA, in Asien und Europa rutschten die Börsenkurse ab. Der Bundesverband der Deutschen Industrie befürchtet, dass  die Krankheit „schwere Auswirkungen“ auf die Konjunktur haben könnte und rief die Regierung zu einem Krisenmanagement auf.