Am Flughafen in Seoul sind Desinfektionstrupps unterwegs. Südkorea versucht so, die Ausbreitung der neuartigen Lungenkrankheit zu verhindern. 
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Peking/WashingtonMit gut 150 Nachweisen binnen eines Tages ist die Zahl erfasster Fälle einer neuartigen Lungenerkrankung in China deutlich gestiegen. Die Zahl der Todesfälle erhöhte sich auf 17, wie chinesische Behörden am Mittwoch berichteten. Bis zum Abend (Ortszeit) waren 473 nachweislich mit dem Coronavirus Erkrankte erfasst.

Auch außerhalb Chinas wurden weitere Infektionen bekannt. Erstmals wurde ein Fall in den USA gemeldet – ein Mann der von einer Reise nach Wuhan zurückgekehrt war. In Europa gibt es bislang keine Nachweise. Nach Einschätzung der Bundesregierung bedeutet die Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit nur ein „sehr geringes“ Gesundheitsrisiko für die Menschen in Deutschland. Die EU-Präventionsbehörde ECDC sieht vorerst ein moderates Risiko, dass der Erreger in die Europäische Union eingeschleppt wird. Die Weltgesundheitsorganisation hatte wegen der Lungenkrankheit ihren Notfallausschuss einberufen. Dieser entschied am Abend, vorerst keine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ auszurufen.

Auch Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité, rät dazu, kein Schreckensszenario zu zeichnen. Am Anfang von Infektionsepidemien würden die schweren Fälle überbetont. Es könnte sein, dass die Krankheit wieder völlig verschwinde, so wie Sars von 2003.

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Es wird vermutet, dass das neuartige Coronavirus von einem Fisch- und Geflügelmarkt in Wuhan stammt. Man gehe davon aus, dass die Quelle ein Wildtier gewesen sei, sagte Gao Fu, Direktor des chinesischen Zentrums für Seuchenkontrolle. Experten sind überzeugt, dass Reisende die neue Lungenkrankheit zumindest vereinzelt auch nach Europa bringen werden. China stoppte derweil alle Flüge und Züge aus der Millionenstadt Wuhan. Wie am Abend bekannt wurde, dürfen die Bewohner die Stadt ab Donnerstag 0 Uhr (Ortszeit) nur noch mit einer Sondergenehmigung verlassen. 

Die chinesischen Behörden hatten am Montag eine starke Ausbreitung der Lungenkrankheitbekanntgegeben. Demnach gibt es landesweit inzwischen etwa 220 registrierte Infizierte. Zuvor war nur von einigen Dutzend Patienten die Rede gewesen.