Die Zahl der Infektionen weltweit.
Grafik: BLZ/Galanty, Quelle: „The Times of Israel“

JerusalemEiner israelischen Studie zufolge sei es fast egal, welche Eindämmungsmaßnahmen Länder gegen das Coronavirus ergreifen würden, der Verlauf sei immer gleich: Innerhalb der ersten sechs Wochen verbreite sich das Virus rasch, ab der achten Woche sei ein Rückgang zu beobachten. Dabei sei nicht entscheidend, ob ein drastischer Lockdown – wie in Italien - oder lockere Einschränkungen – wie in Schweden - beschlossen wurden. 

Diese Erkenntnisse beruhen auf den Untersuchungen des israelischen Forschern Isaac Ben-Israel, einem General und Ex-Politiker. Er ist kein Mediziner, sondern Physiker und Mathematiker sowie Vorsitzender des Nationalen Rates für Forschung und Entwicklung. Außerdem ist er Vorsitzender der israelischen Space Agency, die ein Teil des Wissenschaftsministeriums ist. Die Ergebnisse seiner Studie wurden erstmals am 16. April veröffentlicht. Im TV-Sender Channel 12 (hebräisch) erklärte Ben-Israel seine Berechnungen. Die Jerusalem Post zitiert Ben-Israel mit der Aussage, die komplette Schließung eines Landes sei „Massen-Hysterie“, das Einhalten von Mindestabständen sei richtig und auch ausreichend. 

Drastische Maßnahmen und eine strenge Kontaktsperre würden die Ausbreitung des Coronavirus zwar verringern, allerdings hätten sie keinen signifikanten Einfluss auf die Entwicklung der Fallzahlen, erläutert Ben-Israel in der Zeitung „The Times of Israel“, die einen ausführlichen Teil aus der Veröffentlichung zitiert: „Einige (Länder) verhängten eine strenge und sofortige Abriegelung, die nicht nur eine ‚soziale Distanzierung‘ und ein Verbot von Menschenansammlungen beinhaltete, sondern auch die Abschaltung der Wirtschaft (wie Israel); einige ‚ignorierten‘ die Ansteckung und führten fast ein normales Leben weiter (wie Taiwan, Singapur oder Schweden), und einige verfolgten zunächst eine nachsichtige Politik, kehrten aber bald zu einer völligen Abschottung um (wie Italien oder der Staat New York)“. Dennoch verlaufe die Infektionsrate ähnlich.

Ein Rettungssanitäter testet einen Mann in einer mobilen Teststation im Jerusalemer Stadtteil Geula auf das Coronavirus.
Foto: AFP

Ben-Israel spricht sich daher für moderate Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionsrate aus. Ein strenger Lockdown habe zu große negative Folgen – vor allem für die Wirtschaft des Landes. Die Arbeitslosigkeit in den Ländern steige, damit einhergehend die Armut der Menschen.

Beim Umgang mit dem Coronavirus sei dennoch eine Sache wichtig: Das Gesundheitssystem dürfe nicht überlastet werden, wie geschehen in Italien oder New York. Ben-Israel empfiehlt daher, Kliniken gut auszustatten, zum Beispiel genügend Beatmungsgeräte bereitzustellen.

Da die Zahlen in Israel rückläufig sind, gehe er nicht davon aus, dass das israelische Gesundheitssystem überlastet werden könnte. Er empfiehlt seinem Land daher, den strengen Lockdown zu lockern und mit „kostengünstige Maßnahmen“ fortzufahren - wie das Tragen von Masken anzuordnen, Corona-Tests auszuweiten und Massenansammlungen von Menschen zu verbieten.