IT-Virus statt Infos zum Virus: Bei Nachrichten und Seiten, die angeblich mit dem neuartigen Coronavirus zu tun haben, sollte man äußerste Vorsicht walten lassen. 
Foto: Robert Günther/dpa-tmn

BerlinDas Coronavirus beherrscht das öffentliche Leben von Berlin. Seit Mittwoch gibt es neun Infektionsfälle in der Stadt. Die Angst vieler Berliner vor einer Ansteckung scheint groß zu sein. Es kommt zu Hamsterkäufen, um für eine drohende Quarantäne gerüstet zu sein. Was jetzt jeder wirklich wissen muss - ein Überblick.

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Was sind Coronaviren? Sie sind seit den 60er-Jahren bekannt. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) verursachen sie beim Menschen gewöhnliche Erkältungen bis zu tödlich verlaufende Krankheiten. Das derzeitige Virus ist ein neuer Typ (Covid-19), der erstmals im Dezember 2019 in China auftrat.

Wie wird Corona übertragen? Durch Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen. Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr? Charité-Virologe Christian Drosten schätzt, dass sich bis zu 70 Prozent der Deutschen am Coronavirus anstecken können.

Warum ist es so wichtig, die Ausbreitung zu verlangsamen? Es wird angenommen, dass ohne entsprechende Schutzmaßnahmen jeder Infizierter im Durchschnitt drei weitere Menschen ansteckt. Mit jedem Infizierten verdreifacht sich die Fallzahl also. Gerät aber die Zahl der Ansteckungen außer Kontrolle, könnte auch das deutsche Gesundheitssystem ins Wanken geraten. Lesen Sie hier mehr dazu. >>

Welche Symptome gibt es? Besonders häufig haben Erkrankte Fieber und Husten, zeigt eine Übersicht des Robert-Koch-Instituts (RKI) unter Bezug auf Zahlen aus China. Kurzatmigkeit, Muskel- sowie Gelenkschmerzen, Hals- und Kopfweh traten auch auf, aber schon bei deutlich weniger Erkrankten. Noch viel seltener wurden unter den berücksichtigten knapp 56 000 Fällen verstopfte Nasen oder Durchfall als Symptome erfasst. Lesen Sie hier mehr dazu. >>

Ist Corona gefährlich? Etwa 80 Prozent der Infizierten erholen sich laut Weltgesundheitsorganisation WHO ohne besondere Behandlung. Bei etwa 15 von 100 Infizierten komme es aber zu einem schweren Krankheitsverlauf mit Atemproblemen. Zum Teil kann sie lebensbedrohlich verlaufen. Zu den Risikogruppen zählen ältere Personen, wobei das Risiko ab etwa 50 bis 60 Jahren stetig steige, und Raucher sowie Menschen mit Vorerkrankungen des Herzens und der Lunge (zum Beispiel Asthma), mit chronischen Lebererkrankungen, mit Diabetes oder mit Krebs.  Lesen Sie hier mehr dazu. >>

Kann ich feststellen, ob ich Corona habe? Nein, die Symptome ähneln einer Influenza (Grippe), das Virus ist nur durch Labortests feststellbar.

Was tun im Verdachtsfall? Bitte das zuständige Gesundheitsamt oder den Hausarzt telefonisch benachrichtigen. Ein Anruf bei der  Corona-Hotline des Senats (Tel. 9028 2828, von 8-20 Uhr) hat meist wenig Erfolg. Dort sitzen nur drei Mitarbeiter der Gesundheitsverwaltung. Die Leitung zu ihnen ist meist dauerbesetzt. Lange Wartezeiten gibt es auch bei der KV-Hotline (Tel. 116117). Lesen Sie hier mehr dazu. >>

Was passiert nach einem Anruf? Ein Arzt kommt zu dem Betroffenen nach Hause, macht einen Schnelltest. Was passiert da? Es werden Abstriche in Mund und Nase gemacht, diese auf Coronaviren im Labor untersucht. Wann ist das Ergebnis da? Etwa drei bis fünf Stunden dauert das Verfahren im Labor.

Was passiert, wenn Corona nachgewiesen wurde? Der Infizierte kommt in der Regel in die Klinik, wird dort isoliert behandelt. Es werden die Personen benachrichtigt, die mit dem Erkrankten Kontakt hatten.

Wie lässt sich die neue Lungenkrankheit behandeln? Eine spezielle Therapie für die Erkrankung Covid-19 gibt es nicht. Schwer erkrankte Patienten werden symptomatisch behandelt: mit fiebersenkenden Mitteln, der Therapie etwaiger bakterieller Zusatzinfektionen und mitunter mechanischer Beatmung.

Was geschieht mit den Kontaktpersonen? Sie müssen in Quarantäne. Der Amtsarzt entscheidet, ob sie ebenfalls in eine Klinik (bei ersten Symptomen) oder isoliert in der Wohnung bleiben müssen. Auch sie werden getestet.

Wie lange dauert die Quarantäne? 14 Tagen, so lange ist auch die Inkubationszeit zwischen einer Ansteckung und Ausbruch der Krankheit. Betroffene werden in dieser Zeit in der Klinik ärztlich beobachtet. Bei einer Wohnungsquarantäne erfolgt dies durch Anrufe des Arztes.

Wie werde ich in der häuslichen Quarantäne versorgt? Das ist von den Behörden nicht geregelt. Betroffene sind auf die Hilfe von Angehörigen, Freunden oder Nachbarn angewiesen, die ihnen Lebensmittel bringen. Oder Lieferdienste. Wichtig: Das RKI rät, dass Helfer Lebensmittel einfach vor der Tür abstellen. Lesen Sie hier mehr dazu. >>

Müssen auch Angehörige in die Quarantäne? Als Vorsichtsmaßnahme müssen alle im Haushalt lebenden Personen  mit dem Betroffenen isoliert werden. Auch wenn der Test negativ ausfiel, ist es nicht absolut sicher, ob man nicht doch den Virus in sich trägt.

Was passiert, wenn die Schule oder Kita geschlossen bleibt? Wenn Kindergärten und Schulen aus Vorsicht zum Infektionsschutz geschlossen sind, können Arbeitnehmer im Notfall zu Hause bleiben, um ihre Kinder zu betreuen, erklärt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht aus Köln.

Bekomme ich in diesem Fall Gehalt? Paragraf 616 im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) besagt, dass, wer ohne eigenes Verschulden und aus einem persönlichen Grund verhindert ist und nicht zur Arbeit kommen kann, trotzdem weiter Gehalt bekommt.

Was passiert, wenn ich wegen einer Quarantäne nicht zur Arbeit gehen kann? Wer unter Quarantäne steht ohne tatsächlich krank zu sein, kann seiner Arbeit im Homeoffice nachgehen. Der Arbeitgeber kann seine Mitarbeiter dazu auch verpflichten, erklären die Rechtsexperten der ARAG. Voraussetzung ist natürlich, dass der Job sich auch vom heimischen Schreibtisch aus erledigen lässt und dass die notwendigen Arbeitsmittel vorhanden sind.

Und wenn das nicht geht - bekomme ich dann trotzdem Geld? Trifft die Quarantäne Arbeitnehmer, die ihren Job nicht zu Hause ausführen können, müssen die Betroffenen trotzdem nicht auf ihr Gehalt verzichten. Man bekommt für die ersten sechs Wochen der Quarantäne sein Nettogehalt vom Arbeitgeber weitergezahlt. Der Arbeitgeber kann sich das Geld auf Antrag von der anordnenden Behörde erstatten lassen. Lesen Sie hier mehr dazu. >>

Schulen und Kitas bleiben geschlossen: Müssen Eltern trotzdem weiterarbeiten? Grundsätzlich sind Beschäftigte auch in einer solchen Situation für die Kinderbetreuung selbst verantwortlich. Berufstätige können zwar zu Hause bleiben, wenn sich die Kinderbetreuung nicht anders organisieren lässt. Die Arbeitspflicht besteht aber weiter. Daher kann es sein, dass Eltern, die nicht arbeiten können, weil sie ihre Kinder betreuen müssen, ihren Anspruch auf Gehaltsfortzahlung verlieren. In Deutschland greift für derartige Situationen zwar Paragraf 616 im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB), wie der Arbeitsrechtler Johannes Schipp erklärt. Darin ist geregelt, dass Arbeitnehmer Anspruch auf Lohnfortzahlung haben, wenn sie aus einem nicht selbst verschuldeten und nicht in ihrer Person liegenden Grund vorübergehend nicht arbeiten können. Das gilt auch für den Fall von Schul- oder Kitaschließungen. Dies umfasst allerdings nur für einen Zeitraum von wenigen Tagen. Rechtsexperten sprechen in der Regel von maximal vier bis fünf Tagen.

Muss ich für die Kinderbetreuung Urlaub nehmen? Um zu verhindern, dass man seinen Lohnsanspruch nach wenigen Tagen verliert, sei es für Arbeitnehmer «sehr sinnvoll und sicherer, zunächst Urlaubsansprüche geltend zu machen», erklärt Arbeitsrechtler Johannes Schipp. Beschäftigte können dem Fachanwalt zufolge auch in beschränktem Umfang vom Arbeitgeber verpflichtet werden, Urlaub zu nehmen.

Wer kann die Notbetreuung in Anspruch nehmen? Das Angebot gilt nur, wenn beide Elternteile zu den genannten Berufsgruppen gehören. Dazu gehören zum Beispiel Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr, Katastrophenschutz, Wasserversorgung, Pflege oder Lebensmitteleinzelhandel. Für Eltern, die das Angebot einer Notbetreuung ihrer Kinder in Anspruch nehmen wollen, hat die Senatsverwaltung für Bildung und Familie ein entsprechendes Formular online gestellt. Die sogenannte Selbsterklärung der Eltern gibt es als pdf-Datei in mehreren Sprachen. Mehr Infos finden Sie hier. >>

Schutz gegen Corona- und andere Viren

Hände waschen: Eine wichtige Maßnahme, um Virusinfektionen zu vermeiden, ist es, die Hände regelmäßig und gründlich mit Seife zu waschen. Gründliches Händewaschen dauert 20 bis 30 Sekunden. In öffentlichen Toiletten ist es ratsam, den Wasserhahn mit einem Einweghandtuch oder dem Ellenbogen zu schließen.

Hygiene: Mit ungewaschenen Händen sollte man sich nicht an Mund, Augen oder Nase fassen. Wer krank ist, sollte Abstand zu anderen halten, sich zu Hause auskurieren und enge Körperkontakte zu seinen Mitmenschen vermeiden. Geschlossene Räume sollten mehrmals täglich für einige Minuten gelüftet werden.

Husten und Niesen: Dabei wird geraten, Abstand von anderen zu halten und sich wegzudrehen. Am besten ist es, ein Taschentuch zu benutzen oder sich die Armbeuge vor Mund und Nase halten. All diese Hygieneregeln sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts zurzeit in Anbetracht der Grippewelle ohnehin angeraten.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: FAQ zum Coronavirus: Symptome, Schutz und Risiken >>

Wer sind die Risikogruppen? Ältere Menschen, oft mit Vorerkrankungen (Herz-Kreislauf, Lunge), und chronisch Kranke.

Kann man sich erneut anstecken? Wer einmal Corona  hatte, besitzt eine körpereigene Immunität. Ob diese vor weiteren Infektionen schützt, ist nicht sicher geklärt.

Können Haustiere Corona bekommen? Laut Weltgesundheitsorganisation gibt es bisher keine sicheren Hinweise, dass sich Hunde, Katzen oder Vögel mit dem Virus anstecken oder ihn weiter geben können.

Kann ich mich an Türklinken anstecken? Es ist möglich, Coronaviren können dort einige Tage überleben.

Gibt es einen Impfstoff? Daran wird geforscht. Experten schätzen, dass es ihn erst in einem Jahr geben wird. Lesen Sie hier mehr dazu. >>

Welchen Schutz gibt es? Gründliches Waschen der Hände, engen Körperkontakt zu Menschen vermeiden. Lesen Sie hier mehr dazu. >>