Es ist eine Unart, sich mit Erkältung ins Büro zu schleppen, um zu zeigen, wie engagiert man ist. 
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BerlinMuss man wegen des Coronavirus in Angst verfallen? Angst hilft selten weiter, aber man sollte das Virus schon ernst nehmen. Bisher schwanken die Reaktionen zwischen Hysterie und Desinteresse – beides ist gefährlich. Deutschland und Berlin wirken schlecht vorbereitet auf eine Pandemie. Vor allem, weil man bisher so wenig über das Virus weiß, wie tödlich ist es, wie lang ist die Inkubationszeit?

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Der Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) redete noch am Dienstagabend die Gefahr klein und konzentrierte sich auf den innerparteilichen Wahlkampf um den CDU-Vorsitz. Erst am Mittwoch schwenkte er um, sagte einen Auftritt beim Politischen Aschermittwoch ab.

Hysterie oder Desinteresse: Beides ist gefährlich

Auch im Land Berlin herrscht Unsicherheit. Die Gesundheitsämter sollen sich um Verdachtsfälle kümmern, aber die Behörden sind chronisch unterbesetzt und nach jahrelangen Sparrunden ausgezehrt. Das wenige Personal ist offenbar auch unzureichend darüber informiert, was Corona für ein Virus ist. Schon gar nicht existiert ein Info-Programm für Schulen und Kitas. Krankenhäuser klagen derweil bereits über Engpässe bei der Lieferung an Masken und Infektionskitteln.

Der Innensenator Andreas Geisel (SPD) brachte ins Gespräch, dass man die Stadt bei einer Epidemie abriegeln müsste. Das mag in autoritären Regimen wie in China funktionieren, aber in Berlin wirkt das kaum umsetzbar. Wichtiger ist, dass sich jeder Einzelne mit der Krankheit auseinandersetzt. Dazu gehört auch, dass man mit einem Schnupfen und Husten zu Hause bleibt. Es ist eine Unart, sich mit Erkältung ins Büro zu schleppen, um zu zeigen, wie engagiert man ist. Das sollte man lassen, auch ohne Corona.