Diese vom Center for Disease Control and Prevention (CDC) erstellte Illustration zeigt den neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2.
Foto: dpa/ZUMA Wire/Center for Disease Control/Planet Pix 

Berlin/BraunschweigDie Lungenkrankheit Covid-19 rückt näher, denn das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 breitet sich weiter aus. In Italien gibt es zwei Infektionszentren, in denen mittlerweile mehr als 220 Infektionsfälle registriert und sieben Menschen verstorben sind. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) schätzt die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Übertragung des Virus in der EU zwar als gering ein. Eine Pandemie könne aber nicht ausgeschlossen werden, heißt es.

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Die für den Gesundheitsschutz zuständigen Behörden müssen nun wachsam und umsichtig vorgehen, um die Situation richtig einzuschätzen und im Griff zu behalten. Doch auch jeder Einzelne kann etwas tun und sich auf eine Pandemie vorbereiten. Das Science Media Center (SMC) Germany hat dazu auf der Basis aktueller Erkenntnisse eine Reihe von Hinweisen zusammengetragen (siehe auch Liste am Ende dieses Textes). Dabei gehe es keineswegs darum, Panik zu verbreiten, betonen die Experten. Vielmehr gelte es, die verbleibende Zeit sinnvoll zu nutzen. Jeder Einzelne könne mithelfen, die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung von Personen zu verringern und man sollte sich Gedanken darüber machen, wie sich zu Hause lebensnotwendige Bedürfnisse während einer Pandemie sicherstellen lassen.

Ältere Menschen sind besonders gefährdet

„Jetzt ist es an der Zeit zu trainieren, wie man sich im Falle einer Pandemie verhalten sollte“, sagt Melanie Brinkmann, Virologin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung und der Technischen Universität in Braunschweig. Sie warnt davor, übertriebene Vorstellungen von dem Geschehen zu entwickeln. „Man sollte sich klarmachen, dass Sars-CoV-2 zwar sehr ansteckend ist, dass eine Infektion mit dem Erreger aber in etwa 80 Prozent der Fälle milde verläuft“, sagt die Expertin. Sie sieht es als Glücksfall an, dass das neuartige Coronavirus für Babys und Kinder sowie für Schwangere offenbar keine größere Gefahr darstellt. „Zumindest sind von diesen sonst anfälligen Bevölkerungsgruppen bisher keine schweren Verläufe bekannt“, sagt Brinkmann.

Anders sehe es aus bei älteren Menschen sowie bei Menschen mit Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Krankheiten und Diabetes. Daten aus China zeigen: In dieser Bevölkerungsgruppe sind die Todesraten durch Covid-19 deutlich erhöht. Bei Menschen über 80 Jahren liegt die aus den vorliegenden Daten errechnete Todesrate bei knapp 15 Prozent, es sterben also in dieser Altersgruppe in China im Mittel etwa 15 von 100 Infizierten. In der Gruppe der 10 bis 39 Jahre alten Menschen sterben 0,2 Prozent der Infizierten, also etwa 2 von 1000 Betroffenen.

Melanie Brinkmann fasst das Risiko so zusammen: „Ich mache mir im Fall einer Pandemie keine Sorgen um mich, auch nicht um meine Kinder. Aber ich mache mir Sorgen um meine Eltern“, sagt die 46-jährige Virologin. Sie hat für sich persönlich darum eine Liste von Verhaltensweisen erstellt, an die sie sich halten wird, wenn sie ihre Eltern besucht und womöglich gerade erkältet ist. „Auf Umarmungen und Küsschen werde ich dann verzichten“, sagt sie. „Und ich werde versuchen, Abstand zu halten – und zwar mindestens einen Meter.“ Außerdem will sie sich sofort nach der Ankunft gründlich die Hände waschen, ebenso wenn sie zwischendurch die Nase putzen, niesen oder husten muss. „Falls ich das doch einmal vergessen sollte, wäre es wichtig, die Türklinke oder zum Beispiel den Griff des Kühlschranks mit Wasser und Seife zu reinigen.“

Vorräte von Medikamenten und haltbaren Lebensmitteln anlegen 

Bei diesen Vorsätzen hat sie im Blick, dass das Virus sowohl über Tröpfcheninfektion, also beim Husten und Niesen, übertragen werden kann, als auch über Schmierinfektionen. Typische Schmierinfektionen erfolgen zum Beispiel, wenn ein Infizierter in die Hand hustet und danach eine Türklinke anfasst. Denn die Erreger überleben auf derartigen Oberfläche vermutlich noch eine ganze Weile. Die Ansteckung erfolgt, indem die Erreger von kontaminierten Oberflächen zunächst an die Hände geraten und dann in die Schleimhäute, etwa wenn man sich zum Beispiel ins Gesicht fasst.

Im Falle einer Pandemie raten Experten zur sozialen Distanzierung – man sollte also zum Beispiel belebte Orte und Veranstaltungen meiden. Denkbar ist auch, dass einem empfohlen wird, eine Weile gar nicht aus dem Haus zu gehen - zum Beispiel wenn man verdächtige Symptome entwickelt oder Kontakt zu infizierten Personen hatte. Das SMC rät daher, ausreichende Mengen (möglichst für einen Monat) an lebenswichtigen verschreibungspflichtigen Medikamenten bereitzuhalten. Jetzt ist also die Zeit, sich noch rasch entsprechende Verordnungen beim Haus- oder Facharzt zu organisieren. Außerdem sollte man für etwa 14 Tage Vorräte an nicht verderblichen Lebensmitteln anlegen und sich frühzeitig ausreichend Gedanken über zusätzlichen Schutz und Fürsorge nahestehender Freunde, Verwandter und Familienmitglieder machen.

Wie es mit Covid-19 weltweit weitergeht, ist noch völlig unklar. „Es kann sein, dass das Virus im Frühling, wenn es wärmer wird, sozusagen von der Bildfläche verschwindet“, sagt Melanie Brinkmann. Genauso sei es aber auch möglich, dass Sars-CoV-2 die Menschheit in den nächsten Monaten oder gar Jahren weiter traktieren wird. Brinkmann: „Wir müssen noch mindestens zwei Monate abwarten, um belastbare Prognosen über den langfristigen Verlauf erstellen zu können.“

Zehn Regeln zum Schutz vor Infektionen - und ein Hinweis zum Thema Atemmasken

  • Abstand zu Erkrankten halten – und zwar ein bis zwei Meter.
  • Regelmäßiges, häufiges und sorgfältiges Händewaschen: mindestens 20 Sekunden mit Seife, bis zum Handgelenk einseifen.
  • Händeschütteln und Umarmung ersetzen durch Ellbogenberührungen (sogenannter „Ebola-Händedruck“).
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, vor allem Schleimhäute von Mund, Augen und Nase nicht mit den Fingern berühren.
  • Nicht in die Hand niesen, sondern in Armbeuge oder Taschentuch, danach Hände waschen.
  • Benutzte Taschentücher sofort im Mülleimer entsorgen.
  • Weitere schützende Gewohnheiten entwickeln: etwa das Drücken von Fahrstuhlknöpfen mit Knöchel statt Fingerspitze.
  • Belebte Orte und Veranstaltungen meiden, Prioritäten setzen.
  • Häufig berührte Oberflächen regelmäßig reinigen (Wasser und Seife reichen aus).
  • Räume regelmäßig gut lüften.
  • Hinweis: Atemmasken bieten Gesunden wenig Schutz. Denn die Befeuchtung der Maske durch kondensierte Atemluft hebt den Barriereschutz schon nach 20 Minuten auf. Masken sollten medizinischem Personal vorbehalten sein.