Im chinesischen Wuhan bereiten Miglieder des medizinischen Teams des Militärs ein Krankenhauszimmer vor.
Foto: dpa/Cheng Min

BerlinEs gibt viele Gründe dafür, jetzt so genau wie nur möglich hinzuschauen. Dass die Bilder aus China von den abgesperrten Millionen-Städten und den Menschen mit Atemschutzmasken die Hauptnachrichten bestimmen, liegt jedenfalls nicht daran, dass auf dieser Welt sonst nichts Besorgniserregendes geschehen würde.

Das alles hat etwas von Thriller. Die Ausbreitung des Coronavirus scheint einem Plot zu folgen wie seinerzeit „Outbreak“, das große Todesseuchen-Drama aus Hollywood mit Dustin Hofmann. „Es wird eine Panik ausbrechen, wie wir sie noch nie erlebt haben“, brüllt der Staatschef im Weißen Haus in dem Streifen. Großes Kino war das.

China baut ein Narrativ

Der Unterschied ist, dass es nun nicht um Fiktion geht und der Schauplatz China ist. Die Kommunistische Partei dort hat eine beispiellose PR-Offensive gestartet. Dabei ist nicht klar, ob wirklich alle in der Partei hinter diesem Kurs der vermeintlichen Offenheit stehen.

Die Bilder aus den abgeriegelten Städten zeigen patrouillierende Militärs und Bauarbeiter, die binnen weniger Tage ein Riesen-Krankenhaus aus dem Boden stampfen sollen. Damit soll Handlungsfähigkeit demonstriert werden. Die Frage, ob es nicht besser wäre, in einer solchen Situation viele kleine Spitäler zu bauen, spielt da keine Rolle.

Nichts werde im Kampf gegen den Erreger dem Zufall überlassen, keine Anstrengung sei zu groß, das ist das Narrativ, das sich festsetzen soll. Die ausführliche Berichterstattung mit Experteninterviews im Fernsehen zielt auch darauf, den Eindruck größtmöglicher Transparenz zu erwecken.

Stimmen die Informationen?

Doch es bleibt Misstrauen, großes sogar. Denn es ist die gleiche Führungselite, die 2002/2003, als der Sars-Erreger grassierte, vertuschte, kleinredete und damit alles nur noch schlimmer machte. Es sind außerdem die gleichen Zensoren, die bis heute Informationen über die Proteste in Hongkong mit allen Mitteln zu verhindern versuchen. So stellt sich die Frage, ob die chinesischen Angaben zu Corona-Virus-Infektionen und Todesfällen tatsächlich zutreffen. Oder handelt es sich dabei nur um die Spitze des Eisbergs?

Wenn stimmt, was offiziell aus Peking zu hören ist, wäre dies eine gute Nachricht. Zunehmende Globalisierung bedeutet zwar auch Globalisierung von Risiken, gerade im Gesundheitsbereich. Dass der Erreger in Chinas Nachbarländer vorgedrungen ist und inzwischen auch in den USA und Frankreich festgestellt wurde, kann daher niemanden überraschen. Der erste Fall in Deutschland ist nur noch eine Frage der Zeit.

Lesen Sie auch: Corona-Virus: Berlin startet Aufklärungskampagne an Flughäfen

Experten: Veränderungen in beide Richtungen möglich

Im Übrigen: Stand jetzt ist das neue Coronavirus deutlich weniger aggressiv als der Sars-Erreger. Um es einmal zuzuspitzen: Sich damit hier in Deutschland zu infizieren, wäre wahrscheinlich viel weniger folgenreich als eine gewöhnliche Grippe, die in diesen Tagen hierzulande tausendfach auftretende Influenza. Doch Wachsamkeit ist angesagt. Wie so oft bei Erregern, die mutmaßlich vom Tier zum Menschen übergesprungen sind, besteht auch jetzt die Gefahr der Veränderung des Virus.

Verändern kann es sich in beide Richtungen, sagen Experten. Es wäre auch denkbar, dass es schwächer wird. Man muss sich einmal vorstellen, welche Dimension es zumindest theoretisch haben könnte, wenn es aggressiver würde. Die Spanische Grippe hat vor 100 Jahren weltweit zu 50 Millionen Toten geführt. Und das wohlgemerkt in einer Zeit ohne Flugverbindungen rund um den Globus und Fernreisen als Massenphänomen.

Vernetzung, Test – Impfstoff?

Doch war die Welt auch noch nie so gut vorbereitet auf sich global verbreitende Erreger wie heute. Die Wissenschaft hat sich hervorragend vernetzt. Sie arbeitet seit einigen Jahren daran, besser zu verstehen, wie es zu sogenannten Zoonosen kommt – Erregern, die vom Tier auf den Menschen übertragen und dann richtig gefährlich werden.

Je mehr Forschung, desto besser. Dass dieser Weg Früchte trägt, zeigt sich schon jetzt. Der neue Erreger ist erstmals kurz vor dem Jahreswechsel entdeckt worden. Innerhalb kürzester Zeit ist es gelungen, einen Test zu entwickeln. Was noch fehlt, ist ein Impfstoff.