Warnung an einer Arztpraxis in Berlin.
Foto: Berliner Zeitung/Jens Blankennagel

BerlinWas passiert im Verdachtsfall?
Vor einer Hausarztpraxis im Friedrichshain ist zu lesen: „Corona-Virus – bitte die Praxis nicht betreten. Bitte telefonisch alles abklären.“ Das ist als Warnung gedacht, um mögliche Coronapatienten draußen zu halten. Genauso soll es sein: Wer denkt, Coronasymptome zu haben, sollte zu Hause bleiben und nicht zum Arzt gehen, da die Praxis im Ernstfall sonst später geschlossen werden muss. Die Betroffenen sollten mit ihrem Hausarzt telefonieren.

Wer wird wann behandelt?

Es gibt zwei Kategorien von Betroffenen, die gesondert behandelt werden: Kranke, die recht klare Symptome haben und dazu entweder in einem Corona-Risikogebiet wie China oder Norditalien waren oder nachweislich einen Infizierten getroffen haben. Diese Personen sollten  zwischen 8 bis 20 Uhr die Hotline des Senats anrufen: 90282828. Dann wird entschieden, ob der Amtsarzt des Bezirks die weitere Koordinierung und Behandlungslenkung übernimmt oder ob die Betroffenen zu einer der sechs Corona-Untersuchungsstellen an Berliner Kliniken gehen sollen. (Letztere sind allerdings in der Kritik, weil dort tatsächlich Infizierte auf besorgte Bürger treffen, die sich testen lassen wollen und sich so womöglich erst anstecken.)

Symptome der Krankheiten Coronavirus, Erkältung, Grippe.
Foto: BLZ/Hecher

Was klärt der Hausarzt am Telefon?

Anders ist es bei Patienten, die keinen Kontakt zu Coronakranken hatten: Sie sollen telefonisch mit ihrem Hausarzt reden. Der muss klären, ob Corona überhaupt in Frage kommt. Wenn ja, würde er die Patienten im Idealfall nach Dienstschluss in der eigenen Praxis in Schutzkleidung untersuchen und gegebenenfalls testen. Meist geht es darum, die oft älteren Patienten zu beruhigen und eindeutig festzustellen, dass sie nur erkältet sind.

Wie bekomme ich einen Krankenschein?

Wer keine schwere Grippe oder Corona-Indikation hat, muss nicht in die Praxis, um eine Krankschreibung zu bekommen. Bei leichten Erkältungssymptomen können Sie ihren Hausarzt anrufen, der Ihnen eine Krankschreibung für bis zu sieben Tage ausstellen kann. Das Attest wird per Post zugeschickt oder kann von einem Angehörigen mit einer Vollmacht abgeholt werden. Diese Regelung gilt erst einmal bis zum 5. April 2020.

Ist die Bezahlung der Ärzte gesichert?

Telefonische Krankschreibungen sind unüblich, weil dabei die Bezahlung der Ärzte nicht geklärt ist. Nun ist geregelt, dass sie ihr Geld bekommen: Entweder war der Patient im Quartal bereits in der Praxis oder der Arzt nimmt dessen Daten aus dem System. Oder Angehörige bringen die Karte vorbei. Bei unbekannten Patienten erfragt die Praxis die Daten.

Für wen ist die Telefonnummer 116 117?

Verunsicherte, die nur leicht erkältet sind, rufen oft die Ärztehotline 116 117 der Kassenärztlichen Vereinigung an. Stattdessen sollten sie ihren Hausarzt um Rat bitten. Denn die 116 117 ist für Erkrankte mit schweren Erkältungssymptomen vorgesehen, die immobil sind – vom gebrochen Bein bis zu Pflegefällen. Wenn diese nicht zum Arzt können, wird ein Fahrdienst mit Ärzten in Schutzausrüstung losgeschickt, die die Schwerkranken gegebenenfalls auch testen.

Wie steht es mit den Karenztagen?

Die Ärzteverbände fordern, dass Arbeitnehmer im Krankheitsfall nicht nur wie bislang üblich drei Tage ohne Krankenschein zu Hause bleiben dürfen, sondern sechs Tage. Eine Entscheidung steht noch aus.

Wer zahlt im Fall einer Quarantäne?

Wer von den Behörden unter Quarantäne gestellt wird, ist nicht krank. Doch die Betroffenen bekommen Bescheinigungen von den Gesundheitsbehörden zur Vorlage beim Arbeitgeber. Der zahlt dann die Bezüge weiter. Die Firma kann sich das Geld anschließend vom Staat zurückerstatten lassen.

Bekommen Selbstständige auch Geld?

Nach Angaben des Verbandes der Gründer und Selbstständigen können auch Freiberufler Geld bekommen. Im Gesetz zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten heißt es, dass sich der erstattete Verdienstausfall nach dem Gewinn aus dem Steuerbescheid des Vorjahres richtet.

Wer wird derzeit getestet?

Nicht jeder Husten ist Corona und kann auch getestet werden. Denn die Labore in Deutschland können täglich nur 12.000 Tests analysieren. Und es gibt noch andere schwere Krankheiten, die analysiert werden müssen. Deshalb werden Coronatests vor allem bei Kranken gemacht, die mit Corona in Berührung kamen oder zu Risikogruppen gehören – zum Beispiel Senioren.

Wie viele Grippefälle gab es in dieser Saison?

Seit Beginn der Grippesaison im vergangenen Oktober wurden bundesweit bis zum Dienstag 145.258 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle an das Robert-Koch-Institut gemeldet. Es gab 247 Todesfälle – 86 Prozent davon waren 60 Jahre oder älter. Bis Donnerstag gab es 2369 bestätige Coronafälle und 5 Tote.

Wie schützen wir die Risikogruppen?

Experten sagen, dass es nun, da das Virus bald überall auftreten dürfte, vor allem darum geht, die Risikogruppen vor Ansteckung zu schützen. Dazu gehören vor allem jene, die älter als 65 Jahre sind; die Sterblichkeitsrate durch Corona könnte in dieser Gruppe bei bis zu 25 Prozent liegen.

Warum neue Handlungsabläufe lernen?

Ältere Menschen sollen neue Handlungsabläufe zu Hause einüben. Das klingt banal, ist aber nötig, um das vor Ansteckung schützende Verhalten neu zu programmieren. Etwa das richtige Händewaschen: Dabei zwei Mal das volle Lied „Happy Birthday“ singen, damit man die Hände lange genug einseift. Sich zur Begrüßung nicht die Hände geben, sondern den „Ebola-Gruß“ machen, also sich nur an den Ellenbogen berühren.

Wie verhalte ich mich in der Öffentlichkeit?

In Bussen und Bahnen sollte Abstand gehalten werden. Lieber eine Bahn später fahren oder laufen oder mit dem Rad fahren. Türklinken oder Fahrstuhlknöpfe nicht mit den bloßen Fingern anfassen, sondern mit den Ellenbogen. Im Supermarkt keinen Wagen nehmen, weil die Griffe verkeimt sein können. Lieber die Einkäufe in den Beutel legen. Schwer ist es, eine Tür, die nach innen aufgeht, ohne Hände zu öffnen: Mit dem Ellenbogen die Tür ein wenig öffnen, dann einen Fuß in die Lücke schieben und die Tür mit dem Ellenbogen öffnen. Da ist Übung nötig.