Berlin - Immer mehr Infektionen mit der Corona-Mutation B.1.1.7 aus Großbritannien werden bekannt. So auch in der Hauptstadt. Zehn Menschen am Humboldt-Klinikum im Bezirk Reinickendorf haben sich Stand Donnerstagnachmittag mit der Corona-Variante angesteckt. Darunter seien auch Klinikmitarbeiter, teilte der Vivantes-Konzern auf Anfrage der Berliner Zeitung mit. 

Die Fälle sind nach Angaben von Vivantes alle auf der Klinikstation 13.1. für Innere Medizin und Kardiologie nachgewiesen worden. Die Infektionen wurden bei einem Routinescreening bei bereits positiv getesteten Corona-Patienten entdeckt. Keine der betroffenen Personen sei zuvor in Großbritannien gewesen. Wo sich die Menschen mit der Variante B.1.1.7 angesteckt haben, sei noch unklar. 

Für die Klinikstation wurde ein sofortiger Aufnahmestopp verhängt. „Aufgrund der direkten Isolation der Betroffenen konnte das Infektionsgeschehen kontrolliert werden“, heißt es in der Mitteilung des landeseigenen Klinikkonzerns. Das Gesundheitsamt wurde informiert. Nach aktuellem Kenntnisstand würden sich die Krankheitsverläufe von Patienten mit dem Covid-19-Erreger und dem Virustyp B.1.1.7 gleichen, daher würden keine besonderen Hygienemaßnahmen ergriffen, so Vivantes.

Auch an der Charité ist die Mutante bei einer erweiterten Testung nachgewiesen worden. „Die Probe war in der ambulanten Untersuchungsstelle am Campus Virchow-Klinikum entnommen worden. Die betroffene Person wurde informiert und befindet sich in häuslicher Quarantäne. Sie war zu keinem Zeitpunkt in stationärer Behandlung“, sagte ein Sprecher der Charité.

Nachdem eine starke Ausbreitung mehrerer Corona-Varianten im Ausland beobachtet wurde, wird nun auch in Deutschland verstärkt danach gesucht. Die Charité Berlin hatte in der vergangenen Woche angekündigt, zusammen mit dem Vivantes-Verbund und Labor Berlin positive Corona-Proben auf die bekannten Virusmutationen hin zu prüfen. Ziel sei es, einen besseren Überblick darüber zu bekommen, wie stark sich die Sars-CoV-2-Mutationen bereits in der Hauptstadt verbreitet haben. „Durch diesen nun standardisierten Prozess ist davon auszugehen, dass täglich weitere Fälle mit der Virusvariante festgestellt werden und die Entwicklung der Zahlen sehr dynamisch bleibt“, ordnet Vivantes die gemeldeten Infektionen ein.

Die in Großbritannien entdeckte Mutation B.1.1.7 ist Experten zufolge infektiöser als bisherige Formen. Sie wurde in der zweiten Januarwoche das erste Mal in Berlin nachgewiesen. Infiziert war ein junger Mann, der zu Weihnachten aus Großbritannien in die Hauptstadt eingereist ist. Der Mann soll Kontaktpersonen angesteckt haben, teilte die Gesundheitsverwaltung damals mit.

Die Gesamtzahl der Varianten-Nachweise in Berlin war zunächst nicht zu erfahren. „Sobald die vorgeschriebenen Meldewege belastbare Zahlen ermöglichen, können diese kommuniziert werden“, teilte ein Sprecher der Gesundheitsverwaltung der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Warnung der Bundeskanzlerin und der Spitzen der Länder, insbesondere vor der UK-Variante, und die Aufforderung zu mehr Sequenzierungen seien „nachdrücklich zu unterstreichen“, erklärte die Berliner Gesundheitsverwaltung. Es sei davon auszugehen, dass „auch schon bei zunehmender Sequenzierung mehr gefunden werden dürfte“.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat bislang (Stand Donnerstag, 0.00 Uhr) 28 Nachweise von B.1.1.7 aus sieben Bundesländern gemeldet bekommen. Bei 19 der bisher bekannten Fälle wird laut dem Institut eine Ansteckung im Ausland angenommen, in neun Fällen sei die Quelle noch unklar. Für die Variante, die sich in Südafrika stark verbreitete, waren insgesamt 17 Fälle aus Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg bekannt. Die Meldungen können beim RKI allerdings zeitverzögert ankommen. 

Der Virologe Christian Drosten, dessen Labor an der Charité auf Coronaviren spezialisiert ist, sagte am Dienstag im NDR-Podcast, er schätze, dass die Mutante aus Großbritannien ungefähr ein Prozent oder weniger der Fälle in Deutschland ausmache. Er vermutete Einschleppungen vor allem über die Weihnachtstage. Mehr Daten seien in den nächsten Wochen zu erwarten. Drosten zufolge gibt es jetzt noch ein Zeitfenster, um die Ausbreitung hierzulande im Keim zu ersticken. In Großbritannien zeige der Lockdown bereits Effekte. Für den Wissenschaftler steht mittlerweile fest, dass sich die Mutante tatsächlich schneller verbreitet. (mit dpa)

Hinweis: Der Text wurde am Freitag, den 22. Januar, um ein Statement der Charité ergänzt.