Gänsekeule zu Klößen und Rotkohl.
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Amsterdam Gänsebraten, Klöße, Stollen, Lebkuchen – die Schlemmerei an den Weihnachtstagen hat Folgen für den Körper. Fettpölsterchen ist das Stichwort. Eine aktuelle Studie deutet nun jedoch darauf hin, dass die Veränderungen noch umfassender sein können. Während der Weihnachtstage ändern sich äußere Faktoren wie die Ernährung und soziale Kontakte oft so, dass die körperliche und psychische Gesundheit beeinträchtig wird. 

Erstaunlicherweise lässt sich an Veränderungen der Darmflora sogar erkennen, ob jemand die Festtage mit der eigenen Verwandtschaft oder den Verwandten des Ehepartners verbracht hat. Das schließen niederländische Forscher aus Analysen von Stuhlproben, die Testpersonen vor und nach den Feiertagen abgegeben hatten. Sie vermuten, dass ein mehrtägiger Besuch bei den Schwiegereltern für viele mit einem Anstieg des Stresslevels verbunden ist, der das Mikrobiom des Darms schädigt.

So verringert sich die Zahl derjenigen Mikrobenarten, deren Zahl auch bei depressiven Störungen sinkt, berichten die Mediziner im Fachblatt Human Microbiome Journal. Die gemessenen Effekte waren allerdings gering und traten nicht bei jedem auf.

Risikofaktoren noch unsicher

Die Forscher um Nicolien de Clercq von der Universität Amsterdam räumen ein: „Erst wenn eine größere Studie unsere Ergebnisse bestätigt, können wir Schwiegereltern und deren Verwandtschaft als einen möglichen Risikofaktor für das Mikrobiom des Darms und daher auch für unsere Gesundheit betrachten.“

An der Studie beteiligten sich 24 normalgewichtige Männer und Frauen, die 20 bis 40 Jahre alt und Nichtraucher waren. Jede Testperson lieferte am 23. und 27. Dezember jeweils eine Stuhlprobe ab. Die Tage dazwischen hatten sie entweder bei der eigenen Verwandtschaft oder bei der des Ehepartners verbracht. Sie führten dabei ein Ernährungstagebuch.

Durch molekularbiologische Analysen ermittelten die Forscher, wie sich das Spektrum der Bakterienarten des Darmmikrobioms während der Weihnachtstage veränderte. Beide Gruppen steigerten im Versuchszeitraum in ähnlichem Maße die Aufnahme an Proteinen und gesättigten Fettsäuren aufgrund eines erhöhten Fleischkonsums.

Mögliche Einflussfaktoren

Bei den Besuchern der Schwiegereltern veränderten sich die Populationen einzelner Darmbakterien zwar nur geringfügig, aber doch auf eindeutig andere Weise als bei den übrigen. Von besonderer Bedeutung waren dabei Arten aus der Familie der Ruminokokken. In der Schwiegereltern-Gruppe sank die Zahl dieser Mikroben, während sie in der Familien-Gruppe stieg. Eine verringerte Zahl an Ruminokokken hat man auch bei Menschen mit depressiven Störungen und bei Mäusen unter chronischem Stress beobachtet.

Die Forscher vermuten einen Zusammenhang zwischen sozialem Stress und verändertem Mikrobiom. Zur Überprüfung müssten nun in größeren Studien zusätzliche mögliche Einflussfaktoren und individuelle Unterschiede berücksichtigt werden, schreiben sie. Denn es gab in dieser Studie auch einzelne Menschen, die in der eigenen Verwandtschaft offenbar erhöhtem Stress ausgesetzt waren und andere, deren Stresslevel bei den Schwiegereltern wahrscheinlich kaum stieg. Ganz so einfach sind die Zusammenhänge also offenbar nicht.