Für zu viele Männer ein Tabu: Reden wir einmal über Darmspiegelung 

Der November ist der Monat der Männergesundheit. Zeit, über die Vorsorgeuntersuchung für Darmkrebs zu reden. Die Angst davor ist unbegründet, sagt unser Autor.

Pro Jahr erkranken rund 60.000 Menschen an einem Kolonkarzinom (bösartiger Tumor im Darm). Etwa 26.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an Dickdarmkrebs.
Pro Jahr erkranken rund 60.000 Menschen an einem Kolonkarzinom (bösartiger Tumor im Darm). Etwa 26.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an Dickdarmkrebs.imago/Shotshop

Die Krebsvorsorgeuntersuchung sollte Teil des regelmäßigen Routinechecks sein. Ich hatte meine letzte Darmkrebsvorsorge vor einem Jahr und um es vorweg zu sagen: Es war nicht so schlimm. Koloskopie wird scherzhaft auch als „große Hafenrundfahrt“ bezeichnet und klingt für die meisten Menschen erst einmal nach einer Tortur. Aber sie ist im wahrsten Sinne auch: ein todernstes Thema.

Ich weiß, was Krebs und dessen Folgen anrichten können. Die tödliche Krankheit kommt in meiner Familie häufig vor. Dazu kommt, dass statistisch Männer häufiger an Krebs erkranken als Frauen, außerdem führt die Krankheit bei Männern öfters zum Tod. Schon deshalb habe ich mich gefreut, als mir mein Hausarzt den Überweisungsschein für den Proktologen überreichte.

Es kann nie früh genug sein

Eins will ich auf keinen Fall: eines Tages selbst in die Krebsstatistik des RKI aufgenommen werden müssen. Daher spielt für mich die Früherkennung eine entscheidende Rolle. Bei einer frühen Erkennung im Stadium 1 liegt die Überlebensrate bei 90 Prozent. Erkennt man den Krebs dagegen erst im Stadium 3, sinkt die Überlebensrate auf 50 Prozent.

Der Vorteil einer Darmspiegelung: Man kann nicht nur den Darmkrebs nachweisen, sondern vor allem die Vorstufen (Adenome) detektieren und abtragen. Doch der Eingriff muss vorbereitet werden und dazu braucht es Abführmittel. Es ist das wichtigste Hilfsmittel für eine Koloskopie. Das Abführmittel gibt es in Form einer zumeist sehr salzig schmeckenden Trinklösung, von der man etwa zwei bis drei Liter am Nachmittag oder Abend vor der Darmspiegelung trinken muss. Mein Tipp zum Abführmittel: Machen Sie etwas hellen Fruchtsirup dazu.

Danach entleert sich binnen weniger Stunden der Darm vollständig, und man darf ab diesem Zeitpunkt auch keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Für mich war das Essverbot das Schlimmste. Deswegen habe ich mich für einen Termin am frühen Vormittag entschieden. Ich holte das Frühstück nach der Untersuchung nach. 

Um vorzubeugen, kann ich mit einem gesunden Lebensstil einiges erreichen: Gesunde und ausgewogene Kost, insbesondere das Vermeiden von rotem Fleisch, gesunder Schlaf und Sport senken das Risiko. Regelmäßiger Alkohol und Übergewicht erhöhen das Risiko für Darmkrebs. 

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dpa
Kassenleistung
Die Prävention steht allen Menschen ab 50 Jahre als kassenärztliche Leistung zur Verfügung. Einige Krankenkassen bieten die Darmspiegelung auch ab dem 40. Lebensjahr als Kassenleistung an. Patienten, die aufgrund familiärer Darmkrebserkrankungen als Risikopatienten gelten, sowie Patienten mit einer HIV-Erkrankung können auch vor dem 40. Lebensjahr eine Darmspiegelung vom Hausarzt verordnet bekommen.

Zehn Prozent der Krebserkrankungen entstehen durch eine ererbte Veranlagung. Bei familiär vorbelasteten Menschen besteht die Möglichkeit, auch schon vor dem 40. Geburtstag an Darmkrebs zu erkranken. Bei Patienten ohne familiäre Vorbelastung beginnt das Darmkrebsrisiko ab dem 50. Lebensjahr und steigt mit dem Alter stetig.

Wo bei vielen Krebsvorsorgeuntersuchungen Tasten und Sehen oft für die Vorsorge ausreichen, wie zum Beispiel beim Hautkrebs, müssen beim Darmkrebs technische Hilfsmittel her. Und hier ist bei einigen die Angst da, die zusätzlich mit Scharm behaftet ist: Ich kann beruhigen, denn die Endoskope sind mittlerweile sehr klein. Das Endoskop beinhaltet eine Kamera und einen Draht zur Entnahme von Gewebeproben.

Wenn man mitten im Leben steht, kommt die Diagnose Darmkrebs

Durch das Anästhetikum Propofol hatte ich einen sehr angenehmen Schlaf von 15 Minuten, von der Untersuchung habe ich nichts mitbekommen. Doch selbst wenn, wäre ein Gerät mit einem Durchmesser von 5,5 bis 6,3 Millimetern kaum zu spüren. Zusätzlich wird der Darm mit Luft aufgebläht, um den dünnen Schlauch mühelos einzuführen.

Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebsdiagnose. In Deutschland erkranken nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) pro Jahr ca. 60.000 Menschen an einem Kolonkarzinom (bösartiger Tumor im Darm). Etwa 26.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an Dickdarmkrebs. Bei Männern tritt Prostatakrebs häufiger auf, bei Frauen Brustkrebs. Bei meiner Darmkrebsuntersuchung habe ich auch gleichzeitig die Prostata untersuchen lassen. 

Das Vorgespräch ist wichtiger als die Untersuchung

Das Problem ist die Akzeptanz der Koloskopie. Die liegt derzeit bei Männern laut RKI bei 60 Prozent – das heißt nicht, dass all diese Männer eine Untersuchung machen, aber die meisten würden es tun. Wäre die Akzeptanz noch größer, könnten bis 90 Prozent der Krebserkrankungen verhindert werden. Das entspricht etwa 50.000 Neuerkrankungen pro Jahr, die früh verhindert werden könnten.

Die Scham hat mein Arzt mir im Vorgespräch genommen. Wer liegt schon gerne in einem Leibchen auf einer Behandlungsliege. Daher ist es wichtig, dass die Chemie zwischen Arzt und Patient stimmt. Und wenn das nicht der Fall nicht sein sollte, dann muss es angesprochen werden. Ich habe mich bei meinem Proktologen schon im Vorgespräch wohlgefühlt, immer wieder gab er mir das Gefühl, dass ich Fragen stellen oder Bescheid geben kann, wenn mir etwas unangenehm ist. Auch die Assistentin war sehr einfühlsam.

Nach der Untersuchung blieb ich einige Minuten in einem Ruheraum liegen. Nachdem ich ausgeruht war, wurden die gewonnenen Ergebnisse besprochen. Für mich war die Darmspiegelung ein entspanntes Erlebnis, das mir Sicherheit für die nächsten fünf Jahre (bei Risikopatienten) gegeben hat. Das übliche Intervall für die Darmspiegelung liegt bei zehn Jahren. Ab dem 55. Lebensjahr sogar alle zwei Jahre.