Bauchschmerzen oder Blähungen? Dann kann etwas mit dem Darm nicht in Ordnung sein.
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Berlin Immer wieder Bauchschmerzen, Blähungen, Probleme mit dem Stuhlgang. Und dann möglicherweise noch Fieber. „Was ist nur mit mir los?“, fragen sich viele, die unter diesen häufigen Symptomen leiden. Das einzig Richtige, was sie in dieser Situation tun können, ist zum Arzt zu gehen, am besten zu einem Magen-Darmspezialisten. Denn er kann durch eine körperliche Untersuchung, Ultraschall und gegebenenfalls durch eine Darmspiegelung herausfinden, was hinter den Symptomen steckt. 

Beim schmerzlosen Blick durch das Video-Endoskop entdeckt der Gastroenterologe häufig kleine Aussackungen der Darmwand. „Sie haben Divertikel“, sagt der Darmspezialist dann zu den Patienten, wenn sie aus ihrer kurzen Dämmerschlaf-Narkose wieder erwachen.

Divertikel – so heißen die kleinen Ausstülpungen der Darmschleimhaut in der Fachsprache der Ärzte. „Divertikel sind heute der häufigste Befund am Dickdarm“, sagt Siegbert Faiss, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I am Sana-Klinikum Lichtenberg. „Eine richtige Volkskrankheit. Doch kaum jemand kennt sie. Dabei hat schätzungsweise fast jeder zweite Berliner über 50 solche Aussackungen.“  

Zehn Tipps gegen Divertikel

Prophylaxe: Darm-Divertikel kann man vorbeugen. Das sind unsere zehn Experten-Tipps:
1. Trinken Sie schon vor dem Frühstück ein Glas Wasser.
2. Nehmen Sie zum Frühstück vier gehäufte Esslöffel Haferflocken zu sich.
3. Essen Sie zum Frühstück Vollkornbrot, eventuell mit Pflaumenmus. Auch Vollwertmüsli tut dem Darm gut. Dazu Kräutertee; auch Kaffee ist erlaubt.
4. Bevorzugen Sie zu den Hauptmahlzeiten zellulosereiche Kost. Dazu gehört Salat, Obst und Gemüse.
5. Zu den besonders zellulosereichen Gemüsesorten zählen: Sojabohnen, Linsen, Erbsen, Broccoli, Kohl, Bohnen, Blumenkohl, Sauerkraut, Mais, Kartoffeln und Tomaten.
6. Ratsam ist auch ballaststoffreiche Kost, folgende Obstsorten sollten bevorzugt werden: Holunderbeeren, Brombeeren, Johannisbeeren, Himbeeren, Datteln, Birnen, Äpfel, Kiwi, Rosinen, Pflaumen, Bananen, Ananas und Orangen
7. Als Milchprodukte sind saure Milch, Kefir und Joghurt empfehlenswert. Besonders geeignet: Einen Esslöffel Flohsamen in Joghurt aufquellen lassen.
8. Das beste Getränk für den Darm ist stilles Mineral- oder reines Leitungswasser. Versuchen Sie, täglich insgesamt zwei bis drei Liter zu trinken.
9. Erinnern Sie ältere Menschen regelmäßig daran, das Trinken nicht vergessen.
10. Versuchen Sie, sich möglichst oft körperlich zu bewegen –  und sei es nur ein kleiner Spaziergang.

Als Folge: Entzündungen im Darmtrakt

Bei den Über-70-Jährigen  seien es sogar nahezu 70 Prozent. Die gute Nachricht: 80 Prozent der Betroffenen haben keine oder zumindest nur gelegentliche und vorübergehende leichte Beschwerden. „Wir entdecken diese harmlosen Befunde oft nur zufällig bei Darmspiegelungen zur Krebsvorsorge“, sagt Faiss. „Oder sie fallen bei Computertomographie-Untersuchungen auf, die aus anderen Gründen durchgeführt werden.

Zum Arzt gehen ja nur die Patienten, die häufiger und stärker unter den Symptomen leiden.“ Das ist auch ratsam. Denn in den kleinen Ausstülpungen der Darmwand, die meist nicht größer als ein Zentimeter sind, kann sich besonders bei einer ballaststoffarmen Ernährung harter Stuhl festsetzen. Der reizt dann die Darmschleimhaut.

Die Folge: Es entstehen Entzündungen. Im schlimmsten Fall kann es zu Blutungen, Engstellen im Darm oder gar zu einem Darmdurchbruch kommen. Dann muss sogar operiert werden. Eine falsche Ernährung und zu wenig Flüssigkeit sind neben einer angeborenen Veranlagung auch die Hauptursache für die Divertikel. Schuld ist oft unser modernes Fastfood. „Viele Menschen haben ganz einfach vergessen, wie man sich richtig ernährt“, sagt Siegbert Faiss. „Sie haben vergessen, dass der Darm hauptsächlich Faser- und Ballaststoffe haben möchte.

Richtige Ernährung als Vorbeugung

Diese sind in Pflanzen enthalten. Deshalb möchte der Darm mit am liebsten täglich mit Obst, Gemüse und Salat. Auf Fleisch und andere Lebensmittel braucht man deswegen nicht zu verzichten. Aber Ballaststoffe und ausreichend Wasser sind nun mal die ideale Füllsubstanz für unseren Darm.“ Die braucht er auch. Denn nur, wenn der Darm gut gefüllt ist, hat seine empfindliche Wand die richtige Spannung, die für eine gute Verdauung nötig ist.

„Ein durch ballaststoffarmes Fastfood schlecht gefüllter Darm kann sich leichter nach außen durchdrücken“, sagt Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I am Sana-Klinikum Lichtenberg. „Das geschieht häufig am linken unteren Dickdarm. Hier liegen die Schwachstellen, an denen Divertikel entstehen. Die typischen Bauchschmerzen, die dabei auftreten können, sind so ähnlich, als ob sich der Blinddarm auf der linken Seite entzündet hätte.“

Kommt es bei Divertikeln tatsächlich zu Entzündungen, können sie an diesen dünnen Stellen leicht in das umliegende Gewebe und in den Bauchraum übergreifen. Ob das der Fall ist, zeigt bei entsprechenden Symptomen wie Fieber neben den Blutwerten auch eine Computertomographie. Diese Entzündungen behandelt der Arzt mit Medikamenten. Die Divertikel selbst bilden sich dadurch jedoch nicht zurück.

Viel Trinken und Kauen empfehlen Experten

Damit harmlose Divertikel keine Beschwerden verursachen und möglichst keine Komplikationen entstehen, empfiehlt Siegbert Faiss vor allem eine faserreiche Kost und mindestens zwei Liter Wasser pro Tag. Das sorgt für einen weichen Stuhl, der sich nicht in den Ausstülpungen festsetzen kann. Wichtig ist auch, alle Speisen lange und gut zu kauen.

Treten Entzündungen jedoch öfter auf, sind sie besonders ausgeprägt und halten über einen längeren Zeitraum an, kann der Chirurg den betroffenen Darmabschnitt entfernen. Bei Darm-Durchbrüchen, Darm-Verengungen oder Darm-Verschlüssen muss sogar operiert werden. Doch auch dieser Eingriff ist heute durch die moderne Schlüsselloch-Chirurgie so schonend möglich, dass die Patienten sogar schon am Abend nach dem Eingriff wieder essen und trinken dürfen und nur wenige Tage in der Klinik bleiben müssen.

In Lichtenberg wird hier oft die „Single-Port-Technik“ eingesetzt. Bei diesem neuen Verfahren operiert der Chirurg nur noch über einen einzigen zwei bis drei Zentimeter großen Schnitt anstatt wie bisher über drei bis vier kleine Einschnitte. Experten schätzen, dass allein in Berliner Kliniken pro Jahr etwa tausend Divertikel-Operationen durchgeführt werden.