Es gibt zwar schon die ersten Corona-Schnelltests, aber sie können noch nicht von Laien angewandt werden. Das hat verschiedene Gründe
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BerlinVor wenigen Tagen kündigte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für Mitte Oktober eine neue Corona-Teststrategie an. Da die Infektionszahlen steigen, sollen vermehrt Schnelltests zum Einsatz kommen. Auch von Heimtests ist jetzt öfter die Rede. Damit soll man sich zu Hause selbst auf das Virus testen können. 

Schnelltests gibt es bereits. Aber sie können noch nicht von Laien angewandt werden. Das hat verschiedene Gründe. Bei Schnelltests handelt es sich um Antigentests, sie funktionieren ähnlich wie ein Schwangerschaftstest. Anders als bei der üblicherweise durchgeführten PCR-Methode wird nicht nach dem Erbgut, sondern nach Proteinfragmenten von der Oberfläche des Coronavirus gesucht. Enthält eine Speichelprobe ein virales Antigen, verfärbt sich ein Teststreifen nach wenigen Minuten.

Die Vorteile: Die Ergebnisse sind relativ fix, technisch unkomplizierter und kostengünstiger zu bekommen. Die Nachteile: Antigentests sind weniger zuverlässig als die PCR-Methode. Das liegt an der Probenentnahme. Um ein zuverlässiges Ergebnis zu bekommen, müssen die Stäbchen tief in Rachen oder Nase gesteckt werden. Das kann schmerzhaft sein. Nicht jeder führt den Test daher richtig durch, schon gar nicht bei sich selbst.

Da Covid-19 eine hoch ansteckende Krankheit ist, dürfen aktuell nur Mediziner eine Infektion nachweisen. Das Infektionsschutzgesetz verbietet Heimtests für Laien. Die Medizinprodukte-Abgabeverordnung schreibt außerdem vor, dass die Tests nur an Ärzte, Kliniken und Gesundheitsbehörden abgegeben werden dürfen. Es sei denn, das Robert-Koch-Institut hat eine befristete Ausnahme genehmigt. Apotheken dürften daher  gar keine Corona-Tests an Privatpersonen verkaufen. Verstoßen sie gegen das Verbot, droht ihnen eine Geldbuße von bis zu 30.000 Euro.

Hessen hat Studie für Schnelltest für Laien in Auftrag gegeben

Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) rechnet dennoch damit, dass es bald Heimtests geben wird. Nur wann, sei noch ungewiss. Im Tagesspiegel-Interview sagte der Mediziner am Sonntag: „Die weltweite Nachfrage ist enorm. Ich gehe davon aus, dass im nächsten Jahr die Verfügbarkeit der Tests viel größer sein wird. Dann wird es auch sicher Selbsttests geben, die man zu Hause machen kann.“ Allerdings benötige man für die Zulassung noch Studien.

Mitte September wurde in Hessen eine Studie in Auftrag gegeben, die die Anwendung der Tests durch Laien erforscht. Etwa 1000 Lehrer sollen jeden zweiten Tag Abstriche bei sich vornehmen und sie mittels Schnelltest untersuchen. So soll der Selbsttest erprobt und die Infektionslage an Schulen erkannt werden. 

Das Test-Prozedere dauert 20 Minuten und ist erheblich komplexer als ein Schwangerschaftstest. Nach dem Abstrich muss das Sekret aufbereitet und mit Flüssigkeiten vermischt werden. Nach zwei Warteperioden von je zehn Minuten zeigt der Teststreifen entweder nur einen Strich an, dann ist der Test negativ, oder zwei Striche, wenn er positiv ausfällt.

Funktioniert der Test durch Laien zuverlässig, könnten Infizierte schneller identifiziert und isoliert werden. Die Ausbreitung des Virus wäre womöglich besser einzudämmen. Im Moment ist die sicherste Methode, eine Infektion nachzuweisen, aber noch der PCR-Test.