Die Lebomboberge - in der dortigen Border Cave würden Überreste von Pflanzenbetten gefunden.

JohannesburgBereits vor 200.000 Jahren bauten sich Menschen gemütliche Betten. Darauf deuten zumindest archäologische Funde aus einer Höhle in Südafrika hin. Deren Bewohner legten den Wissenschaftlern zufolge Gräser in der Höhle aus, vermutlich auch gezielt aus Pflanzenmaterial, das Insekten fernhält. Auch das regelmäßige Abbrennen der Grasbetten könnte dem Schutz vor lästigen Krabblern gedient haben, berichtet das internationale Forscherteam im Fachmagazin „Science“.

Der bisher älteste Beleg für den Bau von Grasbetten ist etwa 77.000 Jahre alt und stammt ebenfalls aus Südafrika, aus Sibudu. Auch dort wurden Überreste von medizinisch genutzten Pflanzen gefunden und Aschereste, die auf ein Abbrennen der Betten hinweisen. Die jetzt vorgestellten Funde aus der Border Cave verschieben die Belege für ein derart planvolles, kognitiv anspruchsvolles und sozial komplexes Verhalten der Steinzeit-Menschen deutlich nach hinten.

Die Border Cave liegt in den Lebombobergen der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal an der Grenze zum Königreich Eswatini. Die Höhle war von vor etwa 227.000 Jahren bis vor gut 1000 Jahren mit Unterbrechungen bewohnt. „Die große Höhle ist vor den Elementen gut beschützt, sodass organisches Material gut erhalten ist“, erläutert Lyn Wadley von der University of Witwatersrand in Johannesburg in einem zu der Studie veröffentlichten Video.

Bei Grabungen zwischen 2015 und 2019 stießen Archäologen auf Spuren von Pflanzen in der Höhle. Aus allen Zeitabschnitten fanden sie Hinweise darauf, dass diese in Bündeln zu einer Art Bett gelegt wurden. Die Lager befanden sich sowohl im hinteren als auch im zentralen Teil der Höhle, oft nahe an einer Feuerstelle.

Trotz der insgesamt guten Konservierungsbedingungen waren Pflanzen insbesondere aus dem ältesten Zeitraum nicht mehr direkt erhalten. Die Forscher um Wadley wiesen die Überreste unter anderem mit spektroskopischen und elektronenmikroskopischen Verfahren nach. Sie untersuchten auch Phytolithe – kleine Einlagerungen aus Siliziumdioxid in Pflanzenzellen, die auch nach dem Verfall des organischen Materials erhalten bleiben.

Die Forscher konnten einzelne Pflanzengruppen identifizieren, eines der nachgewiesenen Gräser wächst noch heute vor der Höhle. Sie fanden auch Spuren von Pflanzen mit aromatischen Blättern, etwa von einem Kampfer-Busch, dessen Verwandte als Insektenabwehrmittel in modernen Pflanzenbetten genutzt werden. Aschespuren wiesen darauf hin, dass die Betten regelmäßig angesteckt und dann erneuert wurden, schreiben die Wissenschaftler weiter. Auch die Asche könne der Abwehr von Insekten und Parasiten gedient haben, da das feine Aschepuder etwa die Atemwege und Beißwerkzeuge von Zecken blockiere.

Die Pflanzenbetten könnten nicht nur zum Schlafen, sondern auch zum Arbeiten genutzt worden sein, berichten die Wissenschaftler weiter. Darauf deuteten Funde von Feuersteinen und Klingen hin. „Bereits vor 200.000 Jahren, nahe am Ursprung unserer Spezies, konnten die Menschen gezielt Feuer machen und nutzten Feuer, Asche und medizinische Pflanzen, um saubere, schädlingsfreie Lager zu erhalten“, fassen die Forscher ihre Ergebnisse zusammen. Die Funde in der Höhle dokumentierten bereits komplexe Strategien, die ab einem Zeitpunkt von vor 100.000 Jahren offensichtlicher werden.

Als Bettenbauer kommen am ehesten moderne Menschen infrage. „Vor 227.000 Jahren war Homo sapiens in Afrika gut etabliert“, sagt Wadley. Es seien auch menschliche Knochen in der Höhle gefunden worden; mit einem Alter von etwa 74.000 Jahren seien die allerdings wesentlich jünger. Theoretisch könnte auch Homo naledi, ein ausgestorbener Verwandter des modernen Menschen, die Betten gemacht haben. Fossile Überreste dieser Art wurden allerdings bisher nur in einer anderen Region Südafrikas gefunden – und bisher wurde sie nicht mit der Herstellung von Steinwerkzeugen in Verbindung gebracht. „Alle kulturellen Überreste in der Border Cave weisen auf einen Homo-sapiens-Ursprung hin.“