Christopher Baum wechselt aus Lübeck ans Berlin Institute of Health.
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BerlinDer Mann, der die Gesundheitsforschung in Berlin deutlich voranbringen soll, heißt Christopher Baum. Am ersten Oktober tritt er sein Amt als Vorstandsvorsitzender des Berlin Institute of Health (BIH) an. So hat es der Aufsichtsrat des Instituts bei einer Sitzung am Mittwoch beschlossen. Damit kann das Gremium nun einen Schlussstrich ziehen unter die lange Zeit, in der dieser wichtige Posten nur kommissarisch besetzt war.

Es ist fast genau drei Jahre her, dass Baums Vorgänger, Erwin Böttinger, das Institut wegen interner Konflikte über die Ausrichtung überraschend verließ. Dabei hatte man große Hoffnungen in ihn gesetzt. „New Yorker Spitzenforscher kommt nach Berlin“, frohlockte das Bundesforschungsministerium bei seinem Amtsantritt 2015 in einer Mitteilung.

Nun also ein neuer Chef. Sein Anreiseweg ist bedeutend kürzer. Christopher Baum wechselt aus Lübeck ans BIH. In der schmucken Hansestadt war der 58-Jährige seit Anfang 2019 Vizepräsident Medizin an der Universität sowie Vorstandsmitglied des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. Zuvor war der Experte für Molekulare Medizin und Gentherapie viele Jahre an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) tätig. Zunächst als Professor für Stammzellbiologie, von 2006 an leitete er das Institut für Experimentelle Hämatologie. Seine Fähigkeiten als Wissenschaftsmanager konnte der gebürtige Marburger ab 2013 unter Beweis stellen, als er zum Präsidenten der MHH gewählt wurde.

Jahresbudget von gut 83 Millionen Euro

Man könnte sagen, der neue BIH-Chef kann sich ins gemachte Nest setzen. Denn für das ambitionierte Projekt, das Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung schnell in die klinische Praxis überführen soll, sind die Weichen gestellt. So findet Christopher Baum zum Beispiel ein komfortables Jahresbudget von gut 83 Millionen Euro für das BIH vor, zwei Gebäude für das Institut sind bereits im Bau und auch der Status des 2013 als Gemeinschaftsprojekt der Charité und des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) gegründeten Instituts ist inzwischen geklärt.

Das BIH wird als dritte Säule – neben Krankenversorgung sowie Forschung und Lehre – in die Charité integriert. Das MDC wird vom gleichberechtigten zum privilegierten Partner. Eine Grundgesetzänderung ist erfolgt, die es erlaubt, dass der Bund das Institut weiterhin dauerhaft und zu 90 Prozent finanziert. Normalerweise ist die Finanzierung von Universitäten und ihren Kliniken nämlich Ländersache. Auch das Personaltableau hat sich vervollständigt und das BIH konnte etliche namhafte Forscher gewinnen, inzwischen sind es 27 Professoren beziehungsweise Arbeitsgruppenleiter.

Man könnte das BIH aber auch als Wespennest bezeichnen. Denn von Beginn an gab es dort viel Unruhe. Schließlich treffen unter seinem Dach vielerlei Interessen aufeinander und es gab Anlaufschwierigkeiten hinsichtlich der Organisationsform, der Forschungsschwerpunkte und bei der Rekrutierung von Spitzenpersonal. Weil das BIH so viel Geld vom Bund erhält, wird es von den Wissenschaftsministern der anderen Bundesländer genau beäugt.

Christopher Baum übernimmt also eine schwierige Aufgabe. Denn das BIH steht mittlerweile unter hohem Erfolgsdruck. Der neue Vorstandsvorsitzende muss zeigen, wie gut er managen, integrieren und zukunftsträchtige Strategien entwickeln kann. Unter seiner Führung sollte sich nun auch abzeichnen, ob das BIH tatsächlich zu einer „Einrichtung von Weltrang“ avancieren kann, wie es sich die ehemalige Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) vor vielen Jahren wünschte als die Idee für das Projekt aufkam.