Berlin - Vergangenes Jahr war der israelische Gesundheitsminister in Berlin zu Gast, Nitzan Horowitz. Er hatte die Corona-Pandemie in der Jackentasche. Aus der zog er sein Smartphone, darauf Tabellen und Kurven. Horowitz wusste genau, wie viele Menschen sich an diesem Vormittag in seinem Land bereits hatten impfen lassen, für wie viele ein positives Testergebnis vorlag, wie viele in diesem Moment als an Sars-Cov-2 erkrankt gemeldet wurden.

In Deutschland lässt sich nicht einmal zuverlässig sagen, wie viele Menschen tatsächlich geimpft sind, daher versucht das Robert-Koch-Institut mittels Umfragen die Dunkelziffer zu ergründen. Gesundheitsämter kommen hierzulande mit der Kontaktverfolgung nicht mehr hinterher, weil Faxgeräte streiken, wobei spannend sein wird zu sehen, wovon sich die Mitarbeiter mancherorts eher verabschieden dürfen – von Corona oder der vorsintflutlichen Technik. Ein bis zwei Prozent ihres Jahresumsatzes wendet eine große deutsche Universitätsklinik für Digitalisierung auf. Der Vorstand der Charité, Heyo Kroemer, hat das am Dienstag gesagt und im Vergleich mit den USA festgestellt, dass dort solche Krankenhäuser bis zu acht Prozent investieren.

Ohne Digitalisierung aber wird das deutsche Gesundheitswesen nicht den zukünftigen Herausforderungen gerecht werden, insbesondere in der stationären Versorgung, wo Personalmangel herrscht, nicht nur akut, sondern chronisch. Erhebungen zufolge wenden Pflegekräfte mehr als 30 Prozent ihrer Arbeitszeit für Dokumentation auf. Würde der Aufwand um die Hälfte reduziert, so Berechnungen des Hartmannbundes, entspräche dies 100.000 Vollzeitstellen.

Der Weg in eine digitale Zukunft des Gesundheitswesens ist noch weit, Deutschland hinkt anderen Nationen deutlich hinterher. Diese Erkenntnis scheint sich nun in einer größeren Öffentlichkeit durchzusetzen, immerhin.