Vertrocknete Fichten im Rhein-Sieg-Kreis (NRW).
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BerlinDroht uns ein drittes Dürrejahr in Folge? Und wenn ja, welche Konsequenzen hätte das für unsere Wälder und Landwirtschaft? Über diese Fragen diskutierten am Dienstag Wissenschaftler im Internet auf Einladung des Science Media Centers. Denn der April war überall in Deutschland überdurchschnittlich regenarm. In einigen Regionen hat es überhaupt nicht geregnet.

Noch weiß niemand, wie das Jahr wird und ob sich die Dürre der vergangenen beiden Jahre fortsetzt. Ein langfristiger Trend ist noch nicht abzulesen. In den vergangenen Jahrzehnten habe es mehrere Phasen überdurchschnittlich hoher Trockenheit gegeben, zum Beispiel in den Jahren 1971 bis 1976, als in vielen Teilen Deutschlands die Grundwasserstände massiv gefallen seien, berichtete Andreas Marx, Leiter des Mitteldeutschen Klimabüros am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) Leipzig.

Die Frage sei allerdings, wie sich zunehmende Trockenheit und Hitze künftig auswirkten, zu denen auch noch andere Faktoren kämen. Dazu gehörten stärkere Sturmereignisse und weniger Frost im Winter. Beides wirke  sich auf die Wälder aus, betonte Marx. Durch weniger Frost könne zum Beispiel mehr Wasser im Boden versickern, andererseits erhöhten sich die Überlebenschancen von Baumschädlingen wie dem Borkenkäfer.

Deutschlands Wälder und Landwirtschaft werden sich grundlegend wandeln müssen! Dieses Fazit ziehen die Forscher bereits aus den bisherigen Veränderungen. Um das in den vergangenen beiden Jahren entstandene Wasserdefizit „im dreistelligen Literbereich pro Quadratmeter“ in den Wäldern auszugleichen, bräuchte es zum Beispiel einen mehrere Monate lang dauernden intensiven Niederschlag. Die wenigen Regenfälle der vergangenen Tage hätten hier keinen spürbaren Effekt gebracht, sagte Andreas Marx, auch verantwortlich für den Dürremonitor Deutschland des UFZ. In der Landwirtschaft dagegen könnten zwei Wochen Niederschlag bereits etwas helfen. Aber auch hier komme es darauf an, wie es weitergeht.

Ein drittes Dürrejahr in Folge wäre für einige Baumarten unter Umständen „eine Katastrophe“, konstatierte Henrik Hartmann, Leiter der Arbeitsgruppe Plant Allocation am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena. „Für die Fichte sowieso.“ Das Waldökosystem Fichtenwald ist in einer sehr kritischen Phase. Es fällt großflächig Dürre, Stürmen und Borkenkäfern zum Opfer. „Vor allem in den Mittelgebirgen wird sich das Landschaftsbild massiv ändern, und die ökologische Leistungsfähigkeit der Wälder sinkt“, erklärte jüngst Jörg-Andreas Krüger, Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu).

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Henrik Hartmann betonte aber, dass es falsch sei, die Forstwirtschaft für die heutigen Monokulturen verantwortlich zu machen. Fichten wurden vor 70 Jahren massiv gepflanzt, weil sie als gute, schnell wachsende Holzlieferanten gebraucht wurden – etwa beim Wiederaufbau und für Reparationslieferungen an die Siegermächte. Und neben der Fichte leiden heute auch andere Baumarten unter den Folgen der Dürre, darunter Eichen und Buchen, die lange als sehr robust gegolten hatten.

Besonders von der Dürre betroffen seien eher Kuppenlagen als Täler, schilderte der UFZ-Forschers Andreas Marx. Zu den am meisten belasteten Regionen gehöre Sachsen mit Tendenzen zu sinkenden Grundwasserständen seit fünf Jahren. Obwohl es im Februar in Deutschland mit Niederschlägen von 250 Prozent über dem langjährigen Mittel besonders viel Regen gegeben habe, komme nichts davon im Grundwasser an. Denn das Wasser sickere nur langsam durch und werde von den sehr trockenen Schichten im Boden schlecht aufgenommen.

Zu den am meisten belasteten Regionen gehöre auch Brandenburg mit seinen sandigen Böden, die das Wasser nicht halten könnten, und seinen Nadelholz-Monokulturen, sagte Marx. Andererseits hat Brandenburg mit seinem Waldumbauprogramm bereits darauf reagiert. Die Kiefernbestände sollen durch vielfältig strukturierte Mischbestände ersetzt werden.

Man sollte dazu übergehen, statt von Waldsterben von Waldveränderung zu sprechen, ist Henrik Hartmann überzeugt. „Der Wald wird in Zukunft anders aussehen. Darüber sollten wir uns jetzt Gedanken machen.“ Dabei müsse man auch über andere Baumarten sprechen. Konkreter wurde Hartmann dabei nicht, erwähnte jedoch, dass in den beiden vergangenen Dürrejahren sogar die aus Nordamerika stammende Douglasie, einst als „Wunderbaum“ für den Klimawandel eingeführt, Ausfälle gezeigt habe.

Grundlegende Wandlungen betreffen auch die Landwirtschaft. „Wir werden stärker sinkende und fluktuierende Erträge sehen“, so Henning Kage, Leiter des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Universität Kiel. Bisherige Kulturpflanzen wie Getreide und Raps reagierten empfindlich auf Hitze und Trockenheit. Dafür könnten künftig vielleicht mehr Mais oder Soja angebaut werden. Auch die Bodenbearbeitung müsse sich ändern.