Berlin/Konstanz - Seedrachen haben nicht nur einen tollen, weil furchteinflößenden Namen (man nennt die zu den Seenadeln gehörenden Tiere auch Kleiner Fetzenfisch), sondern auch ein faszinierendes Äußeres. Die vor der australischen Küste lebenden drachenförmigen Fische wirken auf den ersten Blick zerbrechlich, aneinandergereihte Knochenplatten verleihen ihnen aber einen Hauch von Robustheit.

Beinahe schwerelos treiben sie über die Seegras- und Tangwiesen ihrer Heimat hinweg, ihre Körperform und die bräunlich-gelbe Färbung verschaffen ihnen die perfekte Tarnung und Schutz vor Räubern – erinnern sie doch eher an eine harmlose Alge als an ein gefährliches Meerestier. Im entscheidenden Moment aber geben die etwa 46 Zentimeter langen Seedrachen alles: Unauffällig lassen sie sich zu einer leckeren Garnele oder einem kleinen Krebs treiben, um die Beute dann blitzschnell in die Mundöffnung einzusaugen. Ein rasanter Vorgang, der mit bloßem Auge kaum wahrnehmbar ist.

Und auch sonst stellen die eigentümlichen Meeresbewohner Wissenschaftler noch vor viele Rätsel. Forscher der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Guangzhou sind nun einen Schritt weitergekommen, sie haben per Genanalyse geklärt, wie das Aussehen der Seedrachen zustande kommt. Der Verlust mehrerer Gene habe dazu geführt, dass die Tiere keine Zähne mehr bilden, heißt es im Fachmagazin Science Advances.

Auch die Bildung der am Körper anhängenden blätterartigen Hautfetzen, die Tangbüscheln ähneln und den Tieren zur Tarnung dienen, werde von Genen gesteuert, die bei anderen Fischen für die Entwicklung von Flossen verantwortlich sind. Aus Deutschland war der Evolutionsbiologe Axel Meyer von der Universität Konstanz an der Studie beteiligt. „Der Seedrache ist ein Fisch, der gar nicht wie ein typischer Fisch aussieht. Es ist eine besonders faszinierende und wunderschöne Art“, sagte Meyer.

Zum Hintergrund des Projekts erklärte der Biologe: „Wir versuchen in unserer Forschung aus dem Genom den Phänotyp, gewissermaßen die Essenz von Tieren, abzuleiten. Wir versuchen somit zu verstehen, wie ein Tier aussieht, basierend auf der Genomsequenz und dem Verständnis der Funktion von Genen.“