Kathmandu - Die vom Aussterben bedrohten Panzernashörner haben sich die letzten fünf Jahre in Nepal deutlich vermehrt. Wie die Naturschutzbehörde des Landes mitteilte, wurden bei einer aktuellen Zählung in vier Nationalparks 752 Exemplare dieser einhörnigen Nashörner festgestellt, während es 2015 noch 645 waren. „Die Zunahme ist für uns eine aufregende Neuigkeit“, sagte Behördensprecher Haribhadra Acharya in der Kathmandu Post. Die Umweltorganisation WWF hatte die Nashorn-Zählung unterstützt und bestätigte das Ergebnis des neuesten Zensus: Es sei ein „Meilenstein“ auf dem Weg Nepals zu einem besseren Natur- und Tierschutz.

Am Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Nashörner nahezu ausgerottet

Bis ins 17. Jahrhundert war das Panzernashorn (Rhinoceros unicornis) in den Regionen, die heute zu Pakistan und Indien gehören, noch allgegenwärtig. Vor allem die Trockenlegung von Sümpfen zur Gewinnung landwirtschaftlich nutzbarer Flächen drängte die Tiere immer weiter nach Osten zurück, bis sie sich an die Südhänge des Himalaya und entlegene Nebenarme des Ganges zurückgezogen hatten. Im 19. Jahrhundert wurde der Jagdtourismus nicht nur bei Europäern sehr populär – die Panzernashörner avancierten zu begehrten Trophäen. Am Beginn des 20. Jahrhunderts gab es weniger als 200 von ihnen, sodass sie kurz vor der Ausrottung standen.

Und es wurde noch schlimmer: In den 60er-Jahren sank die Zahl durch die anhaltende Wilderei auf rund 100. Erst da leiteten die Behörden allmählich Schutzmaßnahmen ein. Seit 1994 veranstaltet Nepal alle fünf Jahre eine Zählung der Nashörner. Bei der ersten Zählung waren immerhin 466 Exemplare registriert worden. Seit einigen Jahren tauchen sie sogar wieder im Stadtbild auf. Zuletzt wurde einer der Dickhäuter in der Nähe des Chitwan-Nationalparks gesichtet, wie er friedlich durch die Straßen schlenderte. Das Schutzgebiet ist das älteste Nepals, es umfasst etwa 900 Quadratkilometer und bietet auch eine Heimat für bengalische Tiger, Leoparden oder Elefanten.

An der aktuellen Zählung beteiligten sich 250 Mitarbeiter. Sie nutzten bei ihrem Einsatz, der Ende März begann, GPS-Geräte, Ferngläser und Kameras. Die Nashorn-Zähler waren mit Arbeitselefanten unterwegs. Ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen: Während der Zählung wurde ein Elefantenführer von einem Tiger angegriffen und getötet. Ein weiterer Mitarbeiter des Teams wurde durch einen Elefanten-Angriff verletzt.

Angeblich heilende Wirkung des Horns: Die Wilderei bleibt ein Problem

Der illegale Handel mit den Hörnern von Rhinozerossen bleibt eine Bedrohung für die Art. In China und Südostasien werden dem Horn heilende Wirkungen für den Menschen nachgesagt. Dabei besteht es wie etwa menschliche Fingernägel nur aus Keratin. Im vergangenen Jahr starben nach den Angaben der Naturschutzbehörde Nepals 26 Nashörner. Vier von ihnen wurden von Wilderern erlegt.

Ein nach China eingeschmuggeltes Horn kann Wilderern bis zu hunderttausend Dollar einbringen. Mit der Aufstockung der Parkranger haben Indien und Nepal in jüngerer Zeit versucht, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Panzernashörner werden von der IUCN nach wie vor als gefährdet geführt.