Mädchen sind häufiger von Depressionen betroffen als Jungen. Insgesamt knapp 2 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland leiden an der psychischen Erkrankung.
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BerlinEs sind Zahlen, bei denen Eltern der kalte Schauer über den Rücken läuft: Jedes vierte Schulkind leidet unter psychischen Auffälligkeiten, zwei Prozent der Jugendlichen bekommen sogar eine Depression diagnostiziert – samt Klinikaufenthalten und Antidepressiva auf Rezept. Und die Dunkelziffer ist noch viel höher. Das geht aus dem aktuellen Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit mit dem Schwerpunkt „Ängste und Depressionen bei Schulkindern“ hervor, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Durchschnittlich 39 Tage verbringen Betroffene im Krankenhaus. Mangelnde Nachsorge lässt die Rückfallquote steigen. „Eine Rehospitalisierungsquote von 24 Prozent ist alarmierend. Die Stigmatisierung, die sich mit einem langen Aufenthalt in der Jugendpsychiatrie verbindet, ist für die Betroffenen eine zusätzliche Belastung. Wir brauchen eine offene Diskussion über das Tabuthema Depression bei Kindern“, erklärt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK Gesundheit.

Wir brauchen eine offene Diskussion über das Tabuthema Depression bei Kindern.

Andreas Storm, Vorstandschef der DAK Gesundheit

Um fünf Prozent habe allein die Zahl der Klinikeinweisungen in den Jahren 2016 und 2017, aus denen die Zahlen des Reportes stammen, zugenommen. Betroffen sind doppelt so viele Mädchen wie Jungen.

Dabei sind die Faktoren, die den Nachwuchs in die Spirale der psychischen Probleme stürzt, vielfältig. Fakt ist: Kinder mit einer chronischen körperlichen Erkrankung, insbesondere im Jugendalter, haben ein bis zu viereinhalbfach erhöhtes Depressionsrisiko. Übergewicht, regelmäßige Rücken-, Kopf- oder Bauchschmerzen sind ernstzunehmende Faktoren. Ebenso eine seelische Erkrankung oder Suchtmittelabhängigkeit der Eltern.

Depressionen bei Kindern: Warnzeichen nicht missachten

Hinzu kommt ein eklatanter Leistungsdruck schon für die Allerkleinsten. „Kinder müssen sich schon im Kindergartenalter einem vermeintlichen Konkurrenzkampf stellen", beklagt Erziehungswissenschaftler Dr. Holger Ziegler von der Uni Bielefeld, „das ist ein gesellschaftliches Problem.“

Niedergeschlagenheit, Traurigkeit und Interessensverlust sind neben den körperlichen Beschwerden die ersten Anzeichen. Hat der Nachwuchs über Wochen hinweg keine Lust auf den Sportverein, igelt er sich ein und vernachlässigt Freundschaften, sollten bei Eltern die Alarmglocken läuten. In schweren depressiven Phasen kommen die Kinder kaum aus dem Bett, können den Schulalltag nicht bewältigen.

Dabei ist die passende Diagnose zwar nur der erste Schritt. Aber schon der fällt oft schwer. „Die erstmals mit Krankenkassendaten untermauerten Erkenntnisse zu frühen psychischen Problemen sind sehr wertvoll. Im Report sehen wir allerdings nur die Spitze des Eisbergs. Wir gehen von einer hohen Dunkelziffer aus“, sagt Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte.

„Es gibt sehr viele Kinder, die leiden und erst spät zu uns in die Praxen kommen. Erst wenn sie eine entsprechende Diagnose haben, tauchen sie in dieser Statistik auf.“ Und dann sind sie meist schon tief drin in der Negativspirale der physischen Erkrankungen.