Karlsruhe/Eichstätt - Haie beherrschen die Weltmeere seit Urzeiten. Doch trotz ihrer großen Verbreitung und Artenvielfalt weisen sie nur eine geringe Vielfalt in ihren Erscheinungen auf. Dabei hat die Natur durchaus mit der „Haiform“ experimentiert, wie ein internationales Paläontologen-Team jetzt in Mexiko entdeckt hat: Es fand dort die 93 Millionen Jahre alten Fossilien eines Urhais. Der sogenannte Adlerhai – mit dem lateinischen Namen Aquilolamna milarcae – verfügte bei 1,7 Metern Körperlänge über eine Spannweite seiner Brustflossen von 1,9 Metern. 

Bei Haien bisher unbekannter Körperbau

Der Fisch war also breiter, als er lang war, und glitt ähnlich wie ein Rochen durch den Ozean der Kreidezeit. Tatsächlich vergleichen die Forscher ihren Fund in der Wissenschaftszeitschrift Science dann auch mit einem Manta- oder Teufelsrochen (Mobulae). Indes stellt der an dem Artikel beteiligte Zoologe Eberhard Frey vom Naturkundemuseum Karlsruhe klar, dass sich der Adlerhai wohl wie andere Haie auch mit Schlägen seiner gegabelten Schwanzflosse vorwärts bewegen konnte – anders als die Rochen – und insofern ein evolutionäres Zwischenstadium darstellt.

Foto: dpa/Vullo et al./Science (2021)
Das in Mexiko gefundene Fossil des Adlerhais – Teile wurden rekonstruiert.

Das Team, zu dem auch Wissenschaftler des Jura-Museums Eichstätt, der Universitäten Heidelberg und Bonn sowie aus Frankreich und Mexiko zählen, hatte das Fossil den Angaben nach in einem Plattenkalkbruch nahe der nordostmexikanischen Kleinstadt Vallecillo gefunden. Weil der Adlerhai ein breites, vermutlich mit winzigen Zähnchen bestücktes Maul am Ende eines stumpfen Kopfes hatte, gehen die Experten davon aus, dass es sich um einem Planktonfresser handelte – ähnlich wie heutige Walhaie oder eben auch Mantarochen.

Der Fund erlaubt einen neuen Einblick in die Evolutionsgeschichte der Haie. Die Wissenschaftler bezeichnen den bei Haien bisher unbekannten Körperbau als „bizarres … unerwartetes evolutionäres Experiment mit dem Unterwasserflug“. Die Kombination aus flügelartigen Brustflossen und Nahrungsfilterung habe man bisher nur von Mantarochen und Verwandten gekannt – die aber erst 30 Millionen Jahre später auftauchten. Der Unterwasserflug sei im Laufe der Evolution offenbar zweimal und auf unterschiedliche Weise entstanden. (mit dpa)