Dieser Fischsaurier war wohl das größte Wirbeltier seiner Zeit und der erste Ozeanriese überhaupt: Im US-Bundesstaat Nevada hat ein deutsch-amerikanisches Forschungsteam Fossilien eines gewaltigen Ichthyosauriers entdeckt, der vor 246 Millionen Jahren durch den Ozean streifte. Allein der Schädel der bislang unbekannten Art Cymbospondylus youngorum war mit etwa zwei Metern Länge so groß wie ein Konzertflügel. Insgesamt sei das Tier vermutlich etwa 18 Meter lang und 45 Tonnen schwer gewesen, schätzt die Gruppe um Martin Sander im Wissenschaftsjournal Science. Sander ist an der Universität Bonn und am Natural History Museum in Los Angeles tätig.

Massensterben am Ende der Permzeit

Auffällig neben der schieren Größe des Giganten, dessen Länge etwa der von heutigen Finnwalen entspricht, ist der Umstand, dass sich solche Ozeanriesen damals offenbar in Rekordzeit entwickeln konnten. Denn erst relativ „kurz“ vorher, vor etwa 252 Millionen Jahren, hatte das Massensterben am Ende der Permzeit auch etwa 80 Prozent der Meeresbewohner ausgelöscht.

Das erste – derzeit bekannte – Ichthyosaurier-ähnliche Tier, Cartorhynchus, tauchte vor etwa 249 Millionen Jahren auf und war nicht einmal einen halben Meter groß. Dass weitere 2,5 Millionen Jahre später schon ein solcher Riese wie Cymbospondylus youngorum die Meere bewohnte, ist überraschend, denn seine große Körpermasse musste mit Energie versorgt werden – die Meere mussten also genügend Beutetiere enthalten. Aus der Anatomie von Maul und Zähnen schließen die Forscher, dass die Art sowohl Fische und Tintenfische als auch kleinere Meeresreptilien fraß. Der Ichthyosaurier hatte demnach sehr große Augen, was ihm weitere Vorteile bei der Nahrungssuche verschaffte.

Martin Sander
Lars Schmitz, einer der Forscher, neben dem Kopf des in Nevada gefundenen Ichthyosauriers – zum Größenvergleich.

Noch etwas größere Ichthyosaurier, etwa die mehr als 20 Meter langen Arten Shonisaurus popularis und Shastasaurus sikanniensis, tauchen nach heutigem Kenntnisstand erst 20 bis 30 Millionen Jahre später auf. Bis zu den ersten Landbewohnern mit vergleichbarem Gewicht verstrichen sogar noch mehr als 40 Millionen Jahre, wie das Team betont.

Ichthyosaurier bewohnten die Erde insgesamt rund 150 Millionen Jahre lang. Zum Vergleich: Wale (Cetacea) gibt es erst seit gut 50 Millionen Jahren. Sie entstanden fast 200 Millionen Jahre nach Cymbospondylus youngorum.

Gemeinsamkeiten mit Walen

Davon abgesehen haben Ichthyosaurier und Wale jedoch eine ganze Reihe von Gemeinsamkeiten. Dazu zählen etwa: die extreme Körpergröße, die Fortbewegung vor allem mithilfe der Schwanzflosse, der Umstand, dass Vorläufer beider Gruppen bereits an Land gelebt hatten, sowie die Tatsache, dass beide Gruppen nach einem Zusammenbruch der marinen Ökosysteme entstanden.

„Die frühe Evolution der Ichthyosaurier zeigte anscheinend einen schnellen Aufstieg des Gigantismus, und C. youngorum stellt das größte Wirbeltier seiner Zeit dar, sowohl an Land als auch im Wasser“, schreiben Lene Liebe Delsett und Nicholas Pyenson von der Smithsonian Institution in Washington in einem Science-Kommentar.

Die evolutionäre Geschwindigkeit des Wachstums sei möglicherweise unter Wirbeltieren der Meere beispiellos. „Während Wale etwa 90 Prozent ihrer 55 Millionen Jahre langen Geschichte dazu brauchten, sich zu Riesen zu entwickeln“, hätten Ichthyosaurier dies schon früh in ihrer 150 Millionen Jahre dauernden Entwicklung geschafft.

Erst vor knapp 100 Millionen Jahren seien die Ichthyosaurier verschwunden, möglicherweise aufgrund klimatischer Veränderungen, schreiben Delsett und Pyenson weiter. „Die Geschichte der Ichthyosaurier zeigt uns, dass Meeresriesen nicht unbedingt zu marinen Ökosystemen gehören müssen. Das ist eine wertvolle Lektion für uns alle im Anthropozän, gerade wenn wir die Präsenz der überlebenden heutigen Ozeanriesen aufrechterhalten wollen.“ (dpa/fwt)