Berlin - Impfen in der S-Bahn? In Berlin war das jetzt ein großer Erfolg. Die Immunisierung gegen Sars-CoV-2 vor dem Möbelhaus? Die Impfung am Pax-Regal wurde neulich so stark nachgefragt wie nebenan im Lager die Bausätze zur Selbstmontage. An diesem Dienstag nun haben die Impfzentren in der Arena Treptow und im Weddinger Erika-Hess-Eisstadion geschlossen. Das Konzept, Astrazeneca, Biontech oder Moderna an zentralen Punkten der Stadt zu verabreichen, hat auf absehbare Zeit ausgedient.

Abkehr von Impfzentren: Wette auf flexible Lösungen

Die Kampagne gegen Corona erfordert flexibles Handeln, das haben die zurückliegenden anderthalb Jahre der Pandemie immer wieder gezeigt, bei der Eindämmung des Virus selbst, fast mehr noch im Umgang mit dessen Folgen. In einer Gesellschaft zumal ist dies nötig, die Flexibilität zu einem Grundprinzip erklärt, ökonomisch und von der Arbeitswelt ausstrahlend in alle Lebensbereiche. Auch in die Freizeit. Sportvereine zum Beispiel bekommen das seit Jahren zu spüren. Diejenigen, die sich nicht anpassen, verlieren Mitglieder und haben irgendwann ein Problem.

Ein starres Terminkorsett passt immer weniger in die Zeit, wird zur Hemmschwelle und niederschwellig zum Schlüsselwort für alle, die mit ihrem Angebot eine möglichst große Zielgruppe erreichen wollen. Auf die Immunisierung gegen Corona übertragen heißt das: Kommen die Menschen nicht zur Impfung, hilft nur der umgekehrte Weg. Das gilt im wortwörtlichen wie im übertragenen, im sprachlichen und kulturellen Sinn. Skeptiker sollten überzeugt, nicht mit dem Entzug von Freiheitsrechten bedroht werden. Uninformierte sollten aufgeklärt werden, ihrem Verständnis gemäß und in ihrer Sprache. Der Kampf gegen Corona muss in Berlins Kiezen geführt werden.

Die Abkehr von den großen Impfzentren ist nichts anderes als eine Wette auf den Erfolg flexibler Lösungen für eine flexible Welt. Es dürfte sich lohnen, diese Wette einzugehen.