Für die Landwirte wird auch dieses Jahr ein Problemjahr.
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BerlinAnfang April wurden die ersten coronabedingten Hilfsprogramme für die Landwirtschaft aufgelegt – und der Präsident des Brandenburger Bauernverbandes freute sich natürlich, dass die Bauern nicht vergessen werden. Aber Henrik Wendorff sagte auch ganz klar, dass für die Landwirte auf alle Fälle das dritte wirtschaftliche Problemjahr in Folge ansteht: Denn in den Jahren 2018 und 2019 hatten die Bauern massiv mit der Dürre zu kämpfen.

Nun – drei Wochen später – kommt zu all den Corona-Problemen auch noch ein ernsthaftes Dürreproblem: 2020 droht in der Region Berlin-Brandenburg das dritte Dürrejahr in Folge zu werden. Henrik Wendorff ist nicht nur Präsident des Bauernverbandes, sondern auch selbst Biobauer bei Seelow (Märkisch-Oderland). Als solcher hat er natürlich eine präzise Wetter-App auf dem Handy. „Die zeigt mir auch die Historie an, also wie viel es hier geregnet hat.“

Dann liest er die Werte der vergangene drei Monate vor: Im Februar lag die Niederschlagsmenge bei 81 Litern pro Quadratmeter. „Das war wirklich gut“, sagt er. Durchschnittlich seien es pro Monat 40 bis 50 Liter. „Im März waren es dann nur noch 29 Liter und im April bislang zwei Liter. Also quasi gar nichts.“

Wie trocken es ist, zeigt sich auch an den Waldbrandwarnstufen: Am Donnerstag galt überall in Brandenburg die zweithöchste Stufe, im Kreis Dahme-Spreewald sogar die höchste. „Die 4 galt nur, weil der Wind etwas nachgelassen hat“, sagte der Landeswaldbrandbeauftragte Raimund Engel. Doch am Freitag werde fast überall wieder die höchste Stufe gelten, denn es gibt wieder mehr Wind und es wird wärmer.

Die Trockenheit sei extrem: In den meisten Landesteilen habe es im April nicht geregnet. „Die anhaltende Hochdrucklage bringt immerhin nachts kühlere Luftmassen, sodass es etwas mehr Luftfeuchtigkeit gibt“, sagte Engel. „Das hilft zwar nicht dem Boden und der Landwirtschaft, aber ein wenig gegen Waldbrände.“ Er habe derzeit knapp 70 Waldbrände registriert. „Ein ähnlicher Wert wie im Dürrejahr 2019.“

Bauernpräsident Wendorff sagte, die Stimmung sei bei den Landwirten sehr gedrückt. „Nun kommt zur Coronakrise scheinbar das, was niemand wollte: die Dürre.“ Die Auswirkungen von Corona zeigten sich in der Branche immer mehr. Denn die Preise gingen weiter in den Keller. „Nun schwächelt auch der Milchsektor“, sagte er. Es werde weniger gekauft und weniger verarbeitet. Das drücke die Preise. „Wir haben früher sehr viel Milch und auch Käse nach Italien verkauft. Doch die Warenströme sind ins Stocken geraten. Auf den Märkten ist nichts mehr wie vor der Krise“, sagte Wendorff.

Brandenburgs erster grüner Agar- und Umweltminister weist ausdrücklich auf die Problem des Klimawandels hin. „Die Landwirtschaft steht in der Tat vor vielen Herausforderungen: Landgrabbing, Marktpreise, Corona. Noch größer aber ist wohl der Klimawandel.“ Es sei für die Bauern verheerend, dass sich Branden­burg Jahr für Jahr für Jahr am Ran­de des Steppenklimas bewege, dass der Boden nur noch zehn bis zwanzig Zentimeter durchfeuchtet sei, dass war­me Winde schon Mitte April die gesamte Feuchte aus dem Boden wegblasen würde und kaum noch Regen nachkomme. „Wir werden die Landwirtschaft mehr dabei beraten und unterstützen, sich an den Klimawandel anzupassen – dazu gehören beispielsweise Humusaufbau und neue Fruchtfolgen, der Wechsel von Gehölzen und Acker auf dem Feld – sogenannte Agro-Forst-Systeme - und Zwischenstrukturen wie Hecken.“

Das sind Aufgaben für die Zukunft. Aktuell ist es für die Branche problematisch, dass zum Beispiel nur noch recht wenig Fleisch verkauft wird. Denn die Gastronomie als Großabnehmer fällt weg. Das hat massive Auswirkungen. Ein Beispiel: Bei einem Rind ist ein Drittel einfaches Fleisch, das als Hackfleisch verarbeitet wird. Das wird derzeit für gerade mal vier statt neun Euro beim Discounter angeboten und bringt den Bauern kaum Geld. Ein Drittel ist Gulasch-Qualität. Das läuft nach Angaben aus der Branche ganz gut. Ein Drittel ist edleres Fleisch, das sonst auch an die Gastronomie geht und den Bauern ihren eigentlichen Gewinn bringt. Doch die Gastronomie ist überall dicht. „Das Problem ist, dass trotzdem immer mehr Fleisch auf den Markt drückt“, sagte der Bauernpräsident. Denn es gebe da längere Zeitläufe. Wenn ein Tier schlachtreif ist, muss es schnell getötet und verarbeitet werden, sonst kostet die Fütterung nur zusätzlich Geld.

Dazu kämen nun eben die Wetterprobleme und die Trockenheit. „Nie war der Wetterbericht leichter zu lesen: Sonne, Sonne, Sonne. Das, was wir derzeit nicht brauchen“, sagte Wendorff. Der letzte ernsthafte Regen sei fünf Wochen her. Und gerade jetzt, da viele Pflanzen heranwachsen – vom Mais über die Sommergetreide bis zu den Zuckerrüben – bräuchten sie eigentlich Wasser. Und klassischerweise war der April früher ein regenreicher Monat. „Meine Prognose ist: Wenn es im April keinen Niederschlag gibt, der für uns Landwirte wahrnehmbar ist, dann steuern wir auf eine mittlere Katastrophe zu – selbst wenn es im Mai dann wieder regnen sollte“, sagte Wendorff. „Dann wäre es für viele Pflanzen einfach zu spät.“