Der März 2020 war der sonnenreichste März seit 1951.
Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

BerlinUnd wieder war es ein viel zu warmer Monat. Erst kurz vorm Ende des März, am 30. März, gab es endlich einige wenige Schneeflocken in Berlin. Zum ersten Mal in diesem Winter.

5,9 Grad Celsius war die durchschnittliche Temperatur, ein Grad mehr als im langjährigen Monatsmittel. Es begann am 1. gleich gemütlich: 10,5 Grad Celsius, wahrlich kein Winterwetter. So variierten die Temperaturen in dem Bereich während der ersten beiden Drittel des Monats. Diese Phase zeigte sich noch ziemlich nass, am 5., 6., 9. regnete es kräftig, nach dem 12. war aber Schluss. So kamen nur durchschnittlich 30,3 Liter pro Quadratmeter zustande. Das langjährige Monatsmittel liegt bei 43 Litern.

Lesen Sie auch diesen Kommentar: Die Natur soll auch in der Krise nicht vergessen werden

Sonnenreichster März seit 1951

Bis zum 18. arbeiteten sich die Temperaturen kontinuierlich hoch. An diesem Tag dann war mit 18 Grad gefühlt Frühling! Zwei Tage vor seinem offiziellen Beginn am 20. März. Verantwortlich war auch die überdurchschnittlich viele Sonne, 166,1 Stunden schien sie am Himmel, normal sind eigentlich 117. Damit war dieser einer der sonnenreichsten Märze seit 1951, so der Deutsche Wetterdienst (DWD).

In Brandenburg schien die Sonne ebenfalls oft, 180 Stunden im Durchschnitt. Leider ideale Voraussetzungen für Waldbrände. Brandenburg rief am 25. die zweithöchste Waldbrandgefahrenstufe vier aus. Den ersten Waldbrand gab es am 19. März. 300 Quadratmeter brannten in einem Waldstück im Landkreis Oberspreewald-Lausitz in der Nähe vom Lausitzring.

Frühling oder Spätwinter?

Die frühlingshafte Episode war aber ab dem 20. zu Ende. Dann wehte eisiger Ostwind und führte kalte Luftmassen heran. 9,4 Grad am 20., am 23. nur noch 5,8 Grad, gefühlt noch weniger durch den Wind. Diplom-Meteorologe Simon Trippler, DWD, erklärt, wie dieser „Wind-Chill-Effekt“ zustande kommt: „Er wirkt umso stärker, je kräftiger der Wind weht und sorgt für eine Abkühlung auf der Haut, wenn die Hauttemperatur höher ist als die Umgebungstemperatur. Bei einer Lufttemperatur von 0 Grad und Windgeschwindigkeiten von 25 km/h wird die Temperatur wie minus 6 Grad empfunden, bei minus zehn Grad wie minus 19 Grad.“

In den letzten Märztagen dann rang der Frühling mit dem Spätwinter. Mit Nordost- bis Ostwind gelangte kontinentale Polarluft aus Nordosteuropa nach Deutschland. Meteorologe Sebastian Schappert vom DWD: „Eine Luftmasse, wie man sie sich eigentlich für einen knackig-kalten Winter wünscht. Leider kam diese etwa ein bis zwei Monate zu spät.“ Wenngleich die Temperaturen tagsüber mit kräftiger Unterstützung der Sonne bis auf 15,6 Grad Celsius am 27. stiegen, gab es nachts oft Frost. Am 23. kam mit minus 4,6 Grad die kälteste Nacht des Monats.

Im März gab es viele Gelegenheiten für einen Sonnen-Spaziergang.
Foto: dpa/Christophe Gateau

Kurzer Wintereinbruch durch „Keywan“

Zehn Tage nach Frühlingsbeginn dann ein kurzer Winterhauch. In vielen Stadtteilen gab es ein dichtes Schneetreiben. Verantwortlich für den kurzen Wintereinbruch war das Hochdruckgebiet „Keywan“ mit kalter Luft aus nordöstlicher Richtung. Schneefall im März oder April kommt in Deutschland etwa alle zwei bis drei Jahre vor. Andreas Friedrich vom DWD erklärt, dass so etwas typisch für die Übergangsphase im Frühjahr ist. „Da kämpfen die kalte Polarluft und die schon warmen subtropischen Luftströmungen aus Nordafrika.“ Ob das Wetter frühlingshaft mild oder winterlich-kühl ausfällt, hänge dann von der Großwetterlage und der Herkunft der Luftströmungen ab.

Wegen der milden Temperaturen brüteten Vögel früher. Zugvögel wie Star, Kranich oder Feldlerche, die im Mittelmeerraum überwintern, kehrten schneller zurück. Im Vergleich zu 1959 kommen diese Zugvögel, Kurzstreckenzieher genannt, im Schnitt sieben Tage eher aus ihren Brutgebieten zurück, beobachten Experten vom NABU. (mit dpa)