In Chile gibt es echte Corona-Ampeln: Sie sollen die Bürger an die vorbeugenden Maßnahmen erinnern.
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BerlinDer R-Wert in Berlin ist am Dienstagabend auf 1,95 gestiegen, heißt es. Er liege nun zum dritten Mal in Folge höher als der gewünschte Richtwert 1,2. Die Warn-Ampel steht damit wieder auf Rot. „Zwar ist die Reproduktionszahl Schwankungen ausgesetzt, aber auch die Zahl der Neuinfektionen nimmt zu, sodass man doch eine Trendwende erkennen muss“, sagte die Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Dienstagabend. Was zunächst beunruhigend klingt, muss genauer betrachtet werden.

Die Reproduktionszahl R gibt an, wie viele Menschen ein mit Sars-CoV-2 Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Wenn es etwa zwei sind, dann könnte man schnell in einer exponentiell steigenden Kurve von Neuerkrankungen landen: 1-2-4-8-16-32-64-128-256-512-1024-2048 und so weiter. Das Robert-Koch-Institut (RKI) betont, dass der R-Wert möglichst unter 1 liegen müsse, damit die Epidemie abflaut.

Das Problem ist: Der Wert spiegelt nicht das aktuelle Geschehen wieder, denn die Inkubationszeit liegt bei etwa ein bis zwei Wochen. Außerdem dauert es oft noch, bis ein Test  erfolgt – falls überhaupt getestet wird – und bis der Fall an das RKI gemeldet wird. Je kleiner die Zahl der Neuinfizierten ist, desto größer schwankt der kurzfristige R-Wert. Ein einziger Cluster-Ausbruch – in einem Chor, einem Pflegeheim, einem Restaurant – lässt ihn nach oben schießen. Deshalb hat das RKI einen geglätteten R-Wert eingeführt, der 7-Tages-Mittelwerte miteinander vergleicht.

Dass der R-Wert mit 1,95 auf der Berliner Corona-Ampel auf Rot steht, sagt allein noch wenig angesichts der insgesamt geringen Zahlen von Erkrankten. So ist die Zahl der offiziell Neuinfizierten von Sonntag zu Montag um 23 Fälle und vom Montag zu Dienstag um 35  Fälle gestiegen. Um die Entwicklung besser abzubilden, wurden zwei weitere Indikatoren eingeführt. Die Zahl der Neuinfektionen pro Woche liegt bei 5,1 pro 100.000 Einwohner und damit im grünen Bereich. Erst bei 30 würde hier die Ampel auf Rot springen. Der Anteil der benötigten Intensivbetten liegt bei 3,3 Prozent, ebenfalls im grünen Bereich. Erst bei 15 Prozent spränge die Ampel auf Gelb, bei 25 Prozent auf Rot.