Wildtierkameras haben eine der 25 meistgesuchten verlorenen Spezies der Global Wildlife Conservation wiederentdeckt: den Vietnam-Kantschil.
Foto: Global Wildlife Conservation

BerlinEr stand auf der Liste der 25 meistgesuchten verlorenen Spezies der Global Wildlife Conservation (GWC). Jetzt hat sich gezeigt, dass es den Vietnam-Kantschil, eine rehähnliche, katzengroße Art, die auch als vietnamesischer Maushirsch bekannt ist, doch noch gibt. Im Süden Vietnams wurde er von Wildtierkameras fotografiert und gefilmt, berichten Forscher des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), des Southern Institute of Ecology in Vietnam und des GWC im Fachmagazin Nature Ecology & Evolution. Die seltene Huftierart war seit 1990 nicht mehr gesichtet worden.

Das Forscherteam hatte im vergangenen Jahr zunächst drei Wildtierkameras in der Annamiten-Bergregion im Süden Vietnams installiert. Bewohner dort hatten Sichtungen der Tiere gemeldet. Auf diese Weise entstanden in einem Zeitraum von fünf Monaten zunächst 275 Fotos der Art. Daraufhin richtete das Team weitere 29 Kameras in derselben Gegend ein. Binnen weiterer fünf Monate kamen mehr als 1800 Fotos des Vietnam-Kantschils zustande.

„Für eine sehr lange Zeit existierte diese Art nur noch in unserer Vorstellung. Diese Entdeckung, die bestätigt, dass diese Huftiere tatsächlich noch in der Wildnis leben, ist der erste Schritt um sicherzustellen, dass wir sie nicht wieder verlieren“, sagt An Nguyen, der für die GWC forscht und das Projekt geleitet hat. „Wir müssen jetzt schnell handeln, um ein baldiges Aussterben nach der Wiederentdeckung zu verhindern“, ergänzt der Forscher, der am IZW derzeit Doktorand ist.

Nur ein paar Kilogramm schwer

Kantschile – oder Maushirsche – sind die kleinsten Huftiere der Welt. Ein Tier wiegt meist weniger als fünf Kilogramm. Zehn Arten von Kantschilen sind bekannt, mehrheitlich haben sie ihre Heimat in Asien. Sie sind Einzelgänger, laufen auf der Spitze ihrer Hufe und haben zwei winzige Reißzähne.

Erstmals beschrieben wurde der Vietnam-Kantschil im Jahr 1910 – anhand von vier Individuen aus Südvietnam. Eine russische Expedition spürte im Jahr 1990 in Zentralvietnam ein fünftes Tier dieser Art auf. Seitdem wurde die Art nicht mehr erspäht. Forscher wissen daher nahezu nichts über die Biologie und Ökologie oder den Bedrohungsstatus dieser Art.

Aus diesem Grund setzte das GWC das Vietnam-Kantschil auf die Liste der 25 meistgesuchten verlorenen Arten. Ein Forscherteam will nun bestimmen, wie groß und stabil die Population von Vietnam-Kantschilen in Südvietnam ist, um die genaue Verbreitung der Art und mögliche Ursachen ihrer Bedrohung besser zu verstehen. In Kürze errichten die Wissenschaftler Kamerafallen in zwei weiteren Regionen. Ihr Ziel ist es, einen Erhaltungsplan für den Vietnam-Kantschil zu entwickeln.