Berlin - Gut zwei Monate nach Bekanntgabe der diesjährigen Nobelpreise haben die zwei deutschen Wissenschaftler Klaus Hasselmann und Benjamin List am Dienstag die renommierte Auszeichnung in Berlin erhalten. Klimaforscher Hasselmann wurde im Fachgebiet Physik, Benjamin List in Chemie geehrt.

List ist Direktor des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr. Der 53-Jährige hat den Chemie-Nobelpreis für die Entwicklung eines neuartigen Katalyse-Werkzeugs erhalten. Mit List wurde auch der in Schottland geborene US-Forscher David MacMillan mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet.

Klimawandel an die Öffentlichkeit bringen

Der Physik-Nobelpreisträger Hasselmann hat unter anderem ein Modell entwickelt, wie kurzfristige Wetterphänomene und langfristige Entwicklungen des Klimas zusammenhängen. Durch seine Methoden ist es möglich geworden, die Erderwärmung zuverlässig vorherzusagen. Hasselmann teilt sich den Physik-Nobelpreis mit dem in den USA arbeitenden Meteorologen und Klimatologen Syukuro Manabe, geboren 1931 im japanischen Shingu.

Heute arbeiten Klimaforscher weltweit auf Grundlage der Methoden Hasselmanns, auch in der Nähe von Berlin am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK), dessen Gründung er mit vorangebracht hatte. Den Nobelpreisträger stimme der Einsatz der jungen Generation im Kampf gegen die Klimakrise hoffnungsvoll, sagte der Klimaforscher am Dienstag in der schwedischen Botschaft in Berlin. „Ich bin froh, dass die jungen Leute auf die Straße gehen. Ich sage allen: Hört auf Fridays for Future!“, so der Wissenschaftler. Er selbst sei nicht so gut in der Kommunikation. Daher befürwortet er es, dass die junge Generation das Thema Klimawandel an die Öffentlichkeit bringe. Noch könne man das Ruder herumreißen, auf erneuerbare Energien setzen, die voranschreitende Erderwärmung stoppen.

Künstliche Photosynthese

Und auch der Chemie-Nobelpreisträger Benjamin List ging am Dienstag auf den Klimawandel ein. Denn auch hier könne Chemie und insbesondere die Technologie der Katalysatoren viel leisten. Die „Traumreaktion“ des Chemikers sei die künstliche Photosynthese: die Aufspaltung von Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff und Kohlenstoff. Den Sauerstoff könnte man zurück in die Atmosphäre und den Kohlenstoff etwa direkt verarbeiten, beispielsweise zum Bau von Autobahnen.

Normalerweise werden die Nobelpreise am 10. Dezember in Stockholm überreicht, dem Todestag von Preisstifter und Dynamit-Erfinder Alfred Nobel (1833–1896). Coronabedingt erhalten die meisten Preisträgerinnen und Preisträger in diesem Jahr ihre Auszeichnungen bereits vorab, so auch Hasselmann und List.