Berlin - So kann man es sich auch schwer machen – und allen anderen mit: Am gestrigen Montag wurde bundesweit die Kostenübernahme für Corona-Tests abgeschafft. Für Berlin bedeutete das mal wieder: Chaos.

Zunächst einmal muss zwar nicht falsch sein, darauf zu beharren, dass bei ausreichendem Impfangebot der Steuerzahler nicht länger für das ständige Nasenbohren unschlüssiger Partymenschen per Stäbchen aufkommen muss, die alle naselang ihren ungeimpften Körper an möglichst vielen anderen reiben wollen – ob nun in langen Schlangen vor der Teststation, im Club oder dem dann doch überraschend überfüllten Szenerestaurant in Mitte.

Allerdings ist es völlig falsch, davon auszugehen, dass dies die ausreichende Mehrheit derjenigen darstellt, die sich regelmäßig haben testen lassen – und darüber jene zu vergessen, die triftige Gründe haben, sich regelmäßig testen lassen zu müssen. Dazu gehören etwa regelmäßige Besucher von Altenheimen, Rehakliniken, Krankenhäusern, Behinderteneinrichtungen. Zu Recht wiesen Patientenschützer schon früh darauf hin, dass die Abschaffung der kostenlosen Tests die Vereinsamung der Alten und Kranken in den Einrichtungen wieder befördere, die wir aus den ersten Lockdowns kennen – und die wir so nie wieder haben wollten. Wieso wird daran jetzt nicht mehr gedacht?

Weil es der Politik offenbar allzu verlockend erscheint, die Impfbereitschaft durch die Hintertür erzwingen zu wollen, wie schon an vorherigen Maßnahmen zu erkennen, unter anderem an der Ermöglichung von 2G. Und das, obwohl die Impfquote nun doch bereits höher zu sein scheint als bisher angenommen, nämlich bei rund 80 Prozent liegen könnte – und wir damit von der anfangs beschworenen Herdenimmunität gar nicht mehr so weit entfernt sind.

Indes beklagen Ärzte, dass die Abschaffung der Gratis-Tests das Tor für die vierte Welle weit öffne, weil sich nun deutlich weniger Menschen mit Symptomen testen lassen würden. Man kann es drehen und wenden wie man will: Die Testung nur für solche Menschen weiter zu unterstützen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können oder für die Impfung noch zu jung sind, greift zu kurz. Wo Tests verlangt werden, müssen sich auch dringend Millionen weitere Personen weiter testen lassen dürfen, und diese Sicherheit sollte sich der Staat auch leisten. Alles andere ist kontraproduktiv – und ein bisschen irre.