Nicht nur die Weißwurst, auch der Weißstorch fühlt sich wohl im flächengrößten deutschen Bundesland, dem Freistaat Bayern. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Hilpoltstein vermeldet, dass in diesem Jahr mehr als 1500 Weißstorchenjunge im Freistaat flügge geworden sind. Seit Jahren steige der bajuwarische Bestand. „Wir haben jedes Jahr einen neuen Rekord an Storchenpaaren“, sagt Oda Wieding, Expertin für den Weißstorch (Ciconia ciconia)  beim LBV. Nach den diesjährigen Zählungen haben über 750 Paare Nester besetzt, davon hätten über 600 von ihnen erfolgreich gebrütet.

Dabei startete die Brutpflege im Frühjahr 2020 recht ungünstig, weil regnerisch, was für die Jungtiere nicht gut ist. Sie werden kalt und nass und bekommen weniger Futter. Denn die Eltern schützen dann lieber den Nachwuchs im Nest, als auf Nahrungssuche zu gehen. Bei zwei Tagen Dauerregen könne das schon kritisch werden, berichtet Wieding. 

Überhaupt sterben bis zu 60 Prozent der Jungvögel im ersten Jahr, viele von ihnen verhungern. Trotz dieser schlechten Ausgangsquote überleben in der Gesamtzahl immer mehr Weißstörche – und das hat mit dem Vogelzug zu tun. Viele Störche unternehmen im Winter keinen allzu weiten Weg mehr, sie überwintern statt in Afrika etwa in Spanien. Hier finden sie ausreichend Nahrung und kürzere Strecken bedeuten weniger Gefahren.

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Dahoam is dahoam: Weißstorch auf einer Wiese in Bayern.

Etwa 300 Störche pro Jahr verzichten Wieding zufolge sogar ganz auf die beschwerliche Reise gen Süden. Besonders Tiere aus Aufzucht- oder Ansiedlungsprogrammen würden nach ihrer Auswilderung oft auch im Winter in Bayern bleiben. „So ein Vogel ist nicht blöd, der merkt, dass man hier überwintern kann.“ Die Zuchtvögel verleiten schließlich ihre Partner dazu, auch zu bleiben.

Kalt wird Adebar im Freistaat dank seines Federkleides nicht: Er habe seine Daunenjacke schon an, scherzt Wieding. Und Nahrung gibt's notfalls auch im Goldfischteich.