Frau mit Maske.
Foto:  Berliner Zeitung/Markus Wächter

BerlinObwohl die sogenannte Reproduktionszahl hierzulande den bisherigen Angaben zufolge seit Sonnabend leicht über 1 liegt, sieht man am Robert-Koch-Institut (RKI) derzeit keine Tendenz, dass die Corona-Fallzahlen wieder exponentiell ansteigen. Für die Beurteilung der Dynamik des Infektionsgeschehens sei die Reproduktionszahl ohnehin nur einer von mehreren Parametern, sagte Lars Schaade, Vizepräsident am RKI, bei einem Pressebriefing am Dienstag.

Zu den anderen wichtigen Parametern gehöre zum Beispiel auch die Zahl der registrierten Neuinfektionen, sagte er. Und diese sinke zwar nicht mehr, bleibe aber immerhin seit einigen Tagen in etwa gleich und betrage rund 1000 gemeldete Fälle pro Tag in ganz Deutschland. Montagfrüh zum Beispiel seien im Vergleich zum Vortag 933 neue Fälle gemeldet worden. „Diese Entwicklung zeigt, dass wir uns einem Plateau annähern“, teilte Schaade mit. Er wies jedoch zugleich darauf hin, dass sich die Lage jederzeit wieder ändern könne. Denn das Virus sei weiterhin da, könne lokal wieder aufflackern und sich über Satellitenepidemien verbreiten.

Für die Angaben zur Reproduktionszahl (R) kündigte der RKI-Vize eine Neuerung an. Künftig werde man einen geglätteten R-Wert angeben. Denn generell unterliege der R-Wert Schwankungen. Das hänge damit zusammen, dass die Fallzahlen derzeit generell relativ klein seien. Einzelne Ausbrüche, wie sie jüngst zum Beispiel in Schlachthöfen verzeichnet wurden, beeinflussten den Wert dann stärker als bei insgesamt größeren Fallzahlen, erläuterte Schaade. Der geglättete R-Wert berücksichtige derartige Schwankungen. Der Unterschied zeigt sich zum Beispiel darin, dass der geglättete R-Wert in der vergangenen Woche an keinem Tag über 1 gelegen hätten, wie Schaade berichtete.

Bei den nicht geglätteten R-Werten hatte es dagegen am Wochenende eine Art Trendwende gegeben. So war der Wert, der am Freitag noch bei 0,83 lag, am Sonnabend auf 1,1 gestiegen und am Sonntag auf 1,13. Am Montag lag er bei 1,07. Die Reproduktionszahl gibt rein rechnerisch darüber Aufschluss, wie viele weitere Personen von einem mit dem Coronavirus infizierten Menschen neu angesteckt werden. Sie wird ermittelt, indem die Summe der gemeldeten Fälle der jüngsten vier Tage durch die Summe der Fälle aus dem 4-Tages-Zeitraum davor dividiert wird. Es handelt sich also nie um einen tagesaktuellen Wert. Der am Montag gemeldete Wert von 1,07 beziehe sich zum Beispiel auf die Zeit vom 28. April bis 3. Mai, erläuterte Schaade.

Nichtsdestotrotz ist eine Reproduktionszahl von 1 eine wichtige Grenze, denn wenn ein Infizierter mehr als eine Person neu ansteckt, erhöht sich die Zahl der Infizierten schnell -  es kommt zu einem exponentiellen Wachstum. Da der R-Wert bisher nur geringfügig über 1 lag und in geglätteter Variante noch darunter liegt, gilt es im Moment offenbar vor allem, weiter wachsam zu sein. „Ob wir dieses Plateau halten, hängt von unserem Infektionsvermeidungsverhalten ab“, teilte Schaade mit – und wies darauf hin, dass Abstandhalten und Hygieneregeln weiterhin wichtig seien.