Regelmäßig säubern und nach jeder Wäsche eine Zeit lang geöffnet lassen: Wer seine Waschmaschine so pflegt, bekommt mit muffig riechender Wäsche kein Problem. 
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BerlinWer kennt das nicht: Nach drei Wochen Urlaub wandert die Schmutzwäsche in die Waschmaschine und kaum dreht sich die Trommel, ziehen faulige Gerüche durchs Bad. Ein Beweis dafür, dass die sogenannte Waschmaschinen-Flora sich offenbar in voller Blüte befindet. Die Hochschule Furtwangen hat kürzlich die bakterielle Besiedlung von Haushaltswaschmaschinen untersucht und kam zu überraschenden Ergebnissen: In den 13 untersuchten Maschinen tummelten sich 229 verschiedene Arten von Bakterien. Zwischen 30 und 60 Prozent der zehn am häufigsten gefundenen Arten wurden als potenziell krankmachend eingestuft, heißt es in den Ergebnissen, die in der Fachzeitschrift Microorganisms veröffentlicht wurden.

Der Leiter der Studie, Markus Egert, Professor für Mikrobiologie und Hygiene, ist Experte für Haushaltshygiene. Die Studie ist die erste Veröffentlichung aus einer geplanten Reihe von Untersuchungen zur Mikrobiologie von Waschmaschinen. Vor allem die Arten von Bakterien, die die Maschinen besiedeln, und ihre Zusammensetzung stehen dabei im Fokus.

Mikroben in der Einspülkammer

Für die Studie wurden 50 Proben aus 13 Haushaltswaschmaschinen aus der Umgebung von Villingen-Schwenningen in Baden-Württemberg untersucht. Studierende und Mitarbeiter der Hochschule stellten die Maschinen in ihrem Haushalt zur Verfügung. Sie nahmen Proben aus drei Bereichen ihrer Maschine: der Einspülkammer, in die das Waschpulver eingefüllt wird, der Bullaugendichtung und dem sogenannten Pumpensumpfbehälter. Letzterer wird auch Laugenfilter genannt. Er enthält das Flusensieb, das regelmäßig gereinigt werden sollte. Die Teilnehmer der Studie sammelten außerdem Wäschefasern aus einer Testwäsche in der jeweiligen Maschine und sie wurden zu ihrem Waschverhalten befragt.

Umweltfreundlich waschen

Handhabung: Das Umweltbundesamt rät, die Trommel für normale Wäsche voll zu beladen. Im Pflegeleichtprogramm die Maschine nur zur Hälfte, bei Feinwäsche zu einem Viertel,bei Wollwäsche zu einem Fünftel der maximalen Füllmenge beladen.

Waschmittel: Pulver ist umweltschonender als flüssiges Mittel. Es hat eine höhere Waschleistung und belastet das Klärwerk weniger. Ideal sind   Baukastensysteme, in denen Waschmittel, Enthärter und Bleichmittel getrennt dosiert werden.

Gewohnheiten: Reinigungsansprüche überdenken – nicht jedes Wäschestück muss nach einmaliger Benutzung in die Wäsche. Starke Verschmutzung mit Fleckenmittel oder Gallseife vorbehandeln. Vorwäsche ist fast nie erforderlich.

Das Resultat: Unabhängig vom Alter, dem benutzten Waschmittel und von den Häufigkeiten der Wäschen waren alle Maschinen von Bakterien besiedelt. Generell dominierten Wasserbakterien die Proben, auf den Wäschefasern fanden sich aber auch typische Hautbakterien. Die höchste Vielfalt von Bakterien zeigte die Einspülkammer.

Der Hauptübeltäter ist das Bakterium Moraxella osloensis. Es verursacht schlechten Geruch in Waschmaschinen – und wurde in neun von 13 Bullaugendichtungen gefunden. „Moraxella osloensis ist hart im Nehmen und hält die stark wechselnden Umweltbedingungen in der Bullaugendichtung anscheinend bestens aus“, sagt Egert.

Gefahrenpotenzial der Bakterien nicht sehr hoch

Das Gefahrenpotenzial der Bakterien schätzt er als nicht sehr hoch ein. Ganz unproblematisch sind die Bakterien aber auch nicht. „Sie können Menschen mit geschwächten Immunsystem krank machen“, sagt er. Auch wer mit jemandem zusammenlebe, der aktuell eine Magen-Darm-Infektion oder Fußpilz habe, müsse zum Beispiel beim Waschen aufpassen. „Wenn ich meine Socken zusammen mit den Socken einer Person, die Fußpilz hat, bei 20 Grad wasche, gibt es das Potenzial, dass sich der Fußpilz verbreitet.“ Auch bei Magen-Darm-Viren wie den Noroviren sei dies möglich.

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Der Wissenschaftler empfiehlt Waschen bei 60 Grad und mit einem Vollwaschmittel aus Pulver. Das sei vor allem bei Wäschestücken, die man direkt am Körper trägt wie Unterwäsche oder Socken wichtig. Auch Handtücher und Bettwäsche sollten bei hohen Temperaturen gereinigt werden. „Wenn ich sanft wasche, siedeln sich Keime an“, betont er, genauso wie die Tatsache, dass es unbedingt Waschpulver sein muss. „Pulvervollwaschmittel enthält Bleiche, die besonders effektiv ist, um Keime abzutöten.“ Flüssig- und Colorwaschmittel könnten das nicht leisten.

Um dem lästigen Maschinengeruch vorzubeugen, sollten Einspülkammer, Bullaugendichtung und Pumpensumpfbehälter regelmäßig gereinigt und die Maschine zum Trocknen offen gelassen werden.

Kurze und kühle Waschgänge für die Umwelt

Ganz vermeiden lassen sich die Keime aber nicht. Beim Waschen mit heißen Temperaturen vermehren sie sich an bestimmten Stellen der Maschine vielleicht sogar besser als beim Waschen mit 30 oder 40 Grad. „Die Wärmeabstrahlung der Maschine fördert möglicherweise die Keimvielfalt in der Einspülkammer“, sagt Egert. Zu dieser Frage seien weitere Studien notwendig. „Die Waschmaschine hält sicherlich noch viele mikrobiologische Überraschungen bereit.“

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So eindeutig ist die Lage aber ohnehin nicht. Denn Egerts Plädoyer fürs heiße Waschen kollidiert mit einer Nachricht, die unlängst bekannt wurde und kurze und kühle Waschgänge empfiehlt – aus Umweltschutzgründen. Beim kurzen, kalten Waschen entstehen nämlich weniger Mikrofasern, die mit dem Abwasser in die Umwelt gelangen, haben Forscher der Universität Leeds herausgefunden. Doch nicht nur die Natur, auch der Besitzer der Wäsche profitiert: Die Kleidung verblasst weniger schnell und es gibt einen Energiespareffekt.

„Synthetische Mikrofasern werden bei jedem Waschen von Textilien freigesetzt und machen mehr als ein Drittel aller Kunststoffe aus, die das Meer erreichen“, erklärt Studienleiter Richard Blackburn. Mikrofasern von Baumwolle und anderen Naturstoffen seien sogar in noch größerer Zahl im Meer zu finden. Die Bedrohung der Umwelt durch Wegwerfmode nehme zu, sagte Mitautorin Lucy Cotton. Kleidung, die nach weniger als fünf Wäschen ihre Passform, Weichheit und Farbe verliere, lande schneller auf dem Müll.

Mikrofasern im Abwasser

Beim ersten Waschen eines dunklen Kleidungsstücks bei 40 Grad im 85-Minuten-Programm fanden Blackburn und Kollegen fast 140 Milligramm Mikrofasern pro Kilogramm trockener Wäsche, wie die Forscher in der Fachzeitschrift Dyes and Pigments berichten. Beim kalten Kurzprogramm (25 Grad, 30 Minuten) waren es 104 Milligramm. Bei heller gefärbten Stoffen lagen die Werte jeweils etwas darunter.

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Bezüglich der Waschtemperatur stellten die Forscher fest, dass Textilien stärker bei 40 Grad als bei 25 Grad Waschtemperatur entfärben: Bei einigen der untersuchten T-Shirts war nach 16 Waschgängen mit 85 Minuten bei 40 Grad mehr als doppelt so viel Farbe verloren gegangen wie bei 16 Kurzwaschgängen (30 Minuten) bei 25 Grad. Der Farbverlust war bei Baumwolle größer als bei Polyester.

Der Furtwanger Mikrobiologie-Professor Markus Egert weist darauf hin, dass Nachhaltigkeit und Gesundheit nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten. „Ich kann um der Nachhaltigkeit willen nicht so waschen, dass die Keime bleiben“, sagt er, „ich brate mein Fleisch ja auch nicht nur halb durch, um Energie zu sparen.“ Und Gesundheit sei letztendlich auch Teil der Nachhaltigkeit.