In der Bucht von Taiji: Delfin-Trainer selektieren die Delfine, die bei der Treibjagd gefangen wurden, für Aquarien (Archivbild).
Foto: dpa/Lars Nicolaysen

Das nächste Verbrechen ist nicht weit: Vor Japans Küsten beginnt demnächst die Jagd auf Delfine und andere kleine Walarten. Weil das blutige Treiben niemand sehen soll und Demonstranten gegen den Massenmord unerwünscht sind, gehört es mittlerweile zur gut geübten, professionellen Vorbereitung, im Vorfeld der von September bis März dauernden „Treibjagd“ im Walfangort Taiji, wo die meisten Delfine „gefangen“ werden, Maßnahmen gegen mögliche Protestaktionen zu treffen. So übten laut örtlichen Medien Einsatzkräfte das Abfangen kleiner Boote. Auch Drohnen wurden verboten. Die Polizei errichtete für die Dauer der Jagd eine vorübergehende Wache.

Taiji ist Schauplatz des Oscar-gekrönten Dokumentarfilms „Die Bucht“, mit dem das alljährliche Gemetzel zu trauriger Berühmtheit gelangte. Hier sei die Jagd allerdings nur noch rentabel, weil dabei auch Jungtiere für den Verkauf an Delfinarien gefangen werden, sagen Tierschützer. Während die Zahl der getöteten Delfine in Japan insgesamt stark zurückgehe, würden in Taiji immer mehr Delfine und Kleinwale lebend gefangen. Im Jahr 2001 seien es noch 35 Tiere gewesen, 2018 bereits 241. Man verkaufe sie für Tausende Dollar pro Tier an Delfinarien, vor allem im Land selbst sowie in China, der Türkei und in Thailand.

Bei der Jagd treiben Fischer die Delfine in einer Bucht zusammen, indem sie durch Hämmern auf ins Meer gehaltene Metallstangen den Orientierungssinn der Tiere lahmlegen. Die schönsten Exemplare werden im Auftrag der Delfinarien aussortiert, die übrigen werden in einer Nachbarbucht abgeschlachtet. Den Vorwurf im Westen, das Abschlachten sei grausam, weisen die Menschen vor Ort immer wieder zurück. Anders als früher, als Harpunen in die Delfine getrieben wurden, wende man seit dem Jahr 2008 eine auf den Färöer-Inseln entwickelte Methode an.

Dabei würden die Fischer das Rückenmark durchtrennen, was zu einem starken Blutverlust und damit zu einem relativ schnellen Tod führe. Bis das Tier tot sei, dauere es etwa zehn Sekunden. Kritiker halten dagegen, dass es bei großen und im Todeskampf herumwirbelnden Tieren wie Delfinen schwierig sei, das Rückenmark gezielt zu durchtrennen.