Kurz nach der Taufe: Senatorin Ramona Pop gab dem Solarschiff den Namen „Suncat 120“.
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BerlinStändig ist von Verkehrswende die Rede, von mehr Elektroautos, von mehr Radwegen, vom Wasserstoffantrieb. Das klingt oft so, als wäre der Schritt in diese Richtung bereits gegangen. Ist er aber nicht.

Ein Beispiel: In Berlin wurde nun das erste große Solar-Fahrgastschiff für den Linienbetrieb vorgestellt. Die Sonne liefert die Energie, und die E-Motoren lassen das hübsche Schiff mit den Touristen und den Berlinern lautlos durch die City kurven. Ist die Zukunft also auch auf dem Wasser elektrisch?

Könnte sein, könnte aber auch nicht sein. Denn es sind bislang nur zwei dieser Schiffe, die in diesem Jahr an den Start gehen und gegen die meist ziemliche veraltete Dieselflotte auf der Spree und auf den vielen Gewässern der Hauptstadt ankämpfen. Das klingt wenig. Das ist wenig.

Und es werden wohl auch nicht so schnell so viel mehr werden, denn für die Reeder geht es nicht um den Glauben an eine bestimmte Zukunft, sondern um Geld. Solche Schiffe sind nun mal ein Fünftel teurer. Das will meist kein Reeder investieren. Er macht es nur – wie in Berlin –, wenn die Politik, in diesem Fall der rot-rot-grüne Senat, die Mehrkosten durch Fördergeld übernimmt.

Wenn also die Zukunft auch auf dem Wasser elektrisch sein soll, dann muss die Politik diesen Umstieg – genau wie bei den Autos – weiter fördern. Bei den Autos zahlt der deutsche Staat massiv dazu, auch die EU plant wohl eine Förderung für E-Autos in Höhe von 20 Milliarden Euro, in China wird die Branche ebenfalls subventioniert.

Wenn das nicht geschähe, wäre der Umstiegswille wohl recht überschaubar. Auf dem Wasser blieben die Betreiber erst mal lieber bei ihren alten, lauten und stinkenden Kähnen, die sich ja weiter großer Beliebtheit erfreuen. Doch jetzt ist eine lautlose und geruchsfreie Konkurrenz da. Sie könnte das Umdenken vorantreiben.