Streng genommen stammen Avocados nicht aus einem rein pflanzlichen Produktionskreislauf.
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BerlinAuch nach einem Jahr als Veganerin und fast zehn Jahren als Vegetarieren staune ich immer wieder, in welchen Produkten und Lebensmitteln sich tierische Bestandteile verstecken. Gerade weil sich viele Zusätze hinter E-Nummern verstecken, habe ich unbewusst bereits einige scheinbar vegane Produkte gekauft, die aber nicht vegan waren. Wussten Sie beispielsweise, dass sich Bienenwachs hinter "E 901" versteckt? Es wird häufig als Überzugs- oder Trennmittel verwendet - unter anderem bei besonders glänzenden Äpfeln oder der Produktion von Fruchtgummis.

Ich habe elf Produkte für Sie zusammengestellt, die ein Fall von "scheinvegan" sind. Sie waren bei ganz anderen Produkten oder Lebensmitteln überrascht? Dann ergänzen Sie die Liste gerne in der Kommentarfunktion unter dem Artikel.

1. Fotos

Das Fotopapier ist mit tierischer Gelatine beschichtet.
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Ich liebe es, Fotobücher zu gestalten und Erinnerungen in eigenen Fotoalben zu dokumentieren. Nun habe ich erfahren, dass die Abzüge analog entwickelter Fotos nicht vegan sind. Sowohl die Negative als auch das Fotopapier werden mit tierischer Gelantine beschichtet. Es lohnt aber, sich beim Entwickler des Vertrauens über die genaue Zusammensetzung zu erkundigen.

Wenn Sie keinen veganen Fotoentwickler finden, bietet Sido eine Alternative: "In einem schwarzen Fotoalbum mit 'nem silbernen Knopf - Bewahr' ich alle diese Bilder im Kopf" ...

2. Naturschwämme

Naturschwämme sind vom Aussterben bedroht.
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"Naturschwamm" klingt wunderbar ökologisch - und immerhin sieht das Badeutensil auch wie eine Pflanze. Aber tatsächlich ist es ein Wassertier, das sogar vom Aussterben bedroht ist. Darum wäre es gut, auch hier über den Badewannenrand hinaus zu schauen und zum Waschen einfach die eigenen Hände zu benutzen, statt die toten Wassertiere am eigenen Körper zu reiben. Das klingt schon viel absurder als das schöne Wort "Naturschwamm", oder?

3. Diverse Fruchtgummis

Tierische Gelatine so weit das Auge reicht.
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Traurig, aber wahr: Die meisten Fruchtgummis enthalten tierische Gelatine. Und als ob das nicht genug wäre, werden Bienenwachs und Schellack (oder auch "E 904") in manchen Fällen als Überzug verwendet, damit die Fruchtgummis schön glänzen. Vegane Alternativen werden gerne mit Carnaubawachs überzogen.

Die Carnauba-Palme wächst im Norden Brasiliens und wird unter teils problematischen Bedingungen geerntet. Für Menschenfreunde ist also auch das pflanzliche Wachs nicht zu vertreten. Als letztes ist bei der Fruchtgummiwahl auf den roten Farbstoff Karmin ("E 120") zu achten - er wird aus weiblichen Schildläusen hergestellt.

4. Bier

Deutsches Bier ist im Regelfall vegan.
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Deutsche Bierliebhaber können erstmal aufatmen, denn in Deutschland wird Bier im Regelfall vegan hergestellt. Anders sieht es bei Import-Bier aus: Im Ausland gilt das Reinheitsgebot der ausschließlichen Zutatenliste aus Hopfen, Malz, Wasser und Hefe nicht. Hier werden teils tierische Stoffe verwendet, die im Endprodukt nicht mehr vorkommen - andere wiederum finden sich am Ende auch in der Flasche wieder, zum Beispiel Honig.

Möglich ist, dass das ausländische Bier mit Fischblase bzw. Hausenblase geklärt wurde. Ein bekanntes Beispiel für diesen Prozess war bis 2017 das Bier der Guinness-Brauerei. Mittlerweile ist das Bier aber vegan.

In Deutschland ist Wachsamkeit bei Biermischgetränken geboten. Limonade, Fruchtsaft oder Sirup können auch hier gefiltert worden sein.

5. Bestimmte Chip-Sorten

Viele Chipssorten werden mit Tieren aromatisiert.
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In einigen salzigen Chips und anderen Snacks von funny-frisch sind tierische Bestandteile enthalten, ohne Kennzeichnung. Beispielsweise werden die ungarischen Chips der Marke "funny-frisch" mit Wild aromatisiert - und deshalb nicht nur nicht vegan, sondern auch nicht vegetarisch. Auch andere Chips-Sorten der Marke werden mit Tieren aromatisiert - einige mit Kälberlab. Das gab der Hersteller 2016 auf Nachfrage von FoodWatch an.

6. Nudeln

Den geschmacklichen Unterschied schmeckt kaum einer.
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Vegane Nudeln von nicht-veganen zu unterscheiden, ist dank der kurzen Zutatenliste einfach. Die meisten Nudeln bestehen nämlich nur aus Hartweizengrieß und Wasser. Die dritte und total unnötige Zutat sind Eier. Geschmacklich bieten Nudeln mit Ei-Zusatz absolut keinen Unterschied zu veganen Nudeln. Warum also sollte man noch zu der nicht-veganen Variante greifen, wenn man den Tieren mit dieser einfachen Umstellung etwas Gutes tun kann?

7. Kondome

Latexkondome enthalten einen Milchanteil.
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Unsexy an Latexkondomen ist, dass sie fast immer mithilfe von Kasein hergestellt werden. Der Milchbestandteil soll das Latex geschmeidig machen. Wer vegane und tierversuchsfreie Kondome will, ist beispielsweise bei den Berliner Kondomherstellern "Einhorn" gut aufgehoben.

Darum werden ganze Bienenvölker mit dem Lkw zu den Feldern gebracht. Nach der Bestäubung werden sie wieder in Kisten verstaut und zum nächsten Feld gebracht. Diese Vorgehensweise nennt sich Wanderimkerei. Gut zu wissen: Der gleiche Prozess wird auch beim Anbau von Gurken, Brokkoli, Kirschen und Salat angewandt.

8. Avocado

Avocados sind nicht vegan.
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Diese Nachricht hat im vergangenen Jahr bereits die Netzgemeinde beschäftigt. Besonders Veganer mussten ganz stark sein, denn: Avocados sind streng genommen nicht als vegan zu bezeichnen. Auf großen Avocado-Plantagen gibt es oft nicht genug Bienen, um alle viele Avocado-Pflanzen zu bestäuben.

Darum werden ganze Bienenvölker mit dem Lkw zu den Feldern gebracht. Nach der Bestäubung werden sie wieder in Kisten verstaut und zum nächsten Feld gebracht. Diese Vorgehensweise nennt sich Wanderimkerei. Gut zu wissen: Der gleiche Prozess wird auch beim Anbau von Gurken, Brokkoli, Kirschen und Salat angewandt.

9. Bestimmte Brotsorten

Brot ist in vielen Fällen nicht vegan.
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Nerv! Manche Lebensmittelproduzenten machen nicht mal vor Backwaren Halt mit tierischen Zusätzen. Um diese zu erkennen, muss man gefühlt ein Biologie-Studium absolviert haben. Das Mehl von Backwaren wird nämlich gerne mal mit L-Cystein, auch bekannt als "E 920" behandelt, um die Elastizität des Teiges zu verbessern. Der Stoff wird aus tierischen Borsten/Haaren oder Federn gewonnen und ist somit nicht vegan.

10. Klarer Apfelsaft

In vielen klaren Apfelsäften stecken während der Herstellung vorübergehend Rinder- oder Schweinegelantine.
Foto: Chromorange/imago

Saft besteht doch nur aus Obst, oder? Wie kann der denn nicht vegan sein? Warum werden dann manche Saftpackungen mit "vegan" gekennzeichnet? Die Antwort: In vielen klaren Apfelsäften stecken während der Herstellung vorübergehend Rinder- oder Schweinegelantine, ohne dass die tierischen Bestandteile auf der Verpackung angegeben werden.

Denn: Aromen tierischen Ursprungs (wie bei den Chips), technische Hilfsstoffe tierischen Ursprungs (bei Säften), tierisches Cystein (wir erinnern uns an das Brot) oder Zusatzstoffe tierischen Ursprungs wie etwa Farbstoffe (Karmin in Süßigkeiten), müssen nicht kenntlich gemacht werden.

Im Fall von Apfelsaft wird die tierische Gelatine als technischer Hilfsstoff verwendet. Er wird dem naturtrüben Apfelsaft beigemischt, um am Ende des Herstellungsprozesses die Trübstoffe mit Hilfe der Gelatine wieder herauszuziehen. Das Ergebnis: Bei klarem Apfelsaft ist am Ende keine Gelatine mehr nachweisbar und muss daher auch nicht gekennzeichnet werden.

11. Glitzernagellack

Glitzernagellack wird oftmals aus Fischschuppen hergestellt.
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"Mensch, Du trägst ja heute wunderschöne Fischschuppen auf Deinen Nägeln!" - Haben Sie noch nicht gehört? Ich auch nicht. Mir war lange Zeit gar nicht bewusst, dass gerade Glitzernagellack aus Fischschuppen hergestellt wird. Das steht nicht direkt auf den Fläschchen, denn darin enthalten ist am Ende nur das Fischschuppen-Produkt Guanin. Das schimmernde Pigment sorgt dafür, dass unsere lackierten Nägel im Alltag so schön glänzt und funkelt wie der nun tote Fisch einst im Wasser.

Kurzum: Es lohnt sich als informierter Konsument, noch mal einen genauen Blick in die Zutatenliste zu werfen, und sogar kritische Kürzel wie E-Nummern zu kennen.