Guten Appetit: Eine Amsel schnappt sich eine Beere von einem Feuerdorn-Strauch.
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BerlinAm Feuerdorn vor der Amerika-Gedenkbibliothek in Berlin-Kreuzberg leuchten knallorange Beeren, daneben stehen Ligustersträucher mit schwarzen Früchten und ein bereits leer gefressener Holunder. Jetzt, im Herbst, ist dieses Gebüsch voller Vögel, ihr Zwitschern ist nicht zu überhören. Es sind Stare, die sich vor ihrem Flug gen Süden stärken, aber auch Sperlinge, die hier fressen oder sich einfach in den dichten Ästen versammeln. Denn solche Gehölze sind in der Vogelwelt nicht nur eine begehrte Futterquelle, sondern, besonders wenn die Äste Dornen tragen, ein höchst willkommener Rückzugsort. 

Man begegnet ihnen nicht nur in Feuerdorn, Liguster und Holunder, sondern, zum Beispiel, auch zwischen den weißen Früchten der Schneebeere, den roten des Weißdorn oder den orange-pinken des Pfaffenhütchens, das daher auch „Rotkehlchenbrot“ genannt wird. Alle diese Büsche bringen auch nach dem Laubfall Farbe in den trüben Herbst, man nennt sie Fruchtschmuckgehölze. Wer sich mit offenen Augen durch die Stadt bewegt, kann sie gerade in voller Pracht bewundern und überlegen, ob nicht eines davon den eigenen Garten oder Balkon verschönern sollte. Denn wenig nützt der heimischen Vogelwelt im Herbst und Winter so sehr wie üppige Sträucher oder Bäume voller Früchte. Die Eberesche – auch Vogelbeere genannt, ernährt laut Naturschutzbund Deutschland bis zu 63 Vogelarten, der Eingriffelige Weißdorn mehr als 30.

Wer das weiß, schaut so manche Pflanze mit anderen Augen an, den guten alten Liguster zum Beispiel. Da er meist zu strengen Hecken geschnitten wird, gilt er als wenig originell. Dabei duften seine cremeweißen Blüten im Frühling so betörend, dass er sogar in die Duftheckenauswahl des gediegenen Manufactum-Gartenkatalogs fand. Der Strauch versorgt Insekten mit Nektar, ernährt Schmetterlingsraupen und bildet im Herbst anmutige Trauben kleiner schwarzer Beeren aus. Es gibt ihn überall, er lässt sich auch leicht aus Stecklingen ziehen. Wird er nicht so rigoros gestutzt, zeigt er einen lockeren Wuchs, der eher an Bauerngärten denn an Eigenheimumhegungen denken lässt. Aber auch Gärten mit blickdichtem geometrischen Grün können der Tierwelt nützen: Regelmäßig geschnittene Hecken sind besonders undurchdringlich und Vögel finden in ihren gegabelten Ästen bequeme und sichere Nistplätze.

Nicht nur dekorativ, sondern auch ökologisch

Schlehe, Eibe, Weissdorn, Feuerdorn, Kreuzdorn, Wacholder, Rosen, Hartriegel, Heckenkirsche, Schneeball, Berberitze, Sanddorn und viele andere werten einen Garten ästhetisch und ökologisch auf. Sie können als lockere oder akkurate Hecke, einzeln oder als Gehölzgruppen, ja selbst im Kübel gepflanzt werden. Sie alle bilden dekorative, bei Vögeln – aber auch anderen Tieren von Maus bis Fuchs – beliebte Beeren aus. Manche werden erst nach den ersten Frösten gefressen, vorher schmecken sie offenbar nicht, so bleibt also lange ein Vorrat hängen und ziert das Grün. Die roten Kügelchen der Stechpalme zum Beispiel hängen genau deswegen meist noch in der Adventszeit am Busch. So appetitlich die roten schwarzen, pinken, orangen oder weißen Früchte der Fruchtschmuckgehölze aussehen, es ist Vorsicht geboten. Viele von ihnen sind für Menschen unbekömmlich bis sehr giftig.

Ein Dompfaff hängt kopfüber und frisst rote Beeren.
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Wer beim Gärtnern vor allem Artenschutzziele verfolgt, wird einheimische Arten bevorzugen. Während viele Vögel nicht so wählerisch sind, lassen Schmetterlingsraupen sich nämlich nicht auf die Blätter eingewanderter Pflanzen ein. Auch bei der Nektarsuche sind viele bedrohte Arten auf ganz bestimmte, schon lange bei uns wachsende Pflanzen angewiesen. Es lohnt sich also immer, genau hinzuschauen: Beim Schneeball zum Beispiel sind nur der Gemeine und der Wollige Schneeball von hier. Auch der einheimische Eingriffelige Weißdorn hat Verwandte von anderen Kontinenten, etwa den nordamerikanischen Scharlachweißdorn, eine beliebte Gartenpflanze. Auch der Feuerdorn, der so schön vor der Amerika-Gedenkbibliothek leuchtet, ist nicht von hier, Stare und Spatzen lieben ihn aber dennoch und seine Dornen schützen ihre Nester ganz ausgezeichnet. Man würde ihn kaum herausreißen. Und die Schneebeere, deren Früchte Kinder so gern knallen lassen, ist mit ihren kleinen rosa Blüten eine ausgezeichnete Bienenweide.

Manche Arten sollte man vermeiden

Manche zugewanderte Arten bringen der heimischen Fauna aber so wenig oder schaden so sehr, dass es Sinn macht, sie zu meiden oder zu ersetzen. Die allgegenwärtige Lorbeerkirsche, meist Kirschlorbeer genannt, die gerade glänzend schwarze Beeren trägt, ist so ein problematischer Neophyt. Naturschutzbund-Geschäftsführer Sönke Hofmann meint in einem viel zitierten Beitrag: „Wer Kirschlorbeerhecken pflanzt, begeht ein Verbrechen an der Natur, selbst eine Betonmauer ist ökologisch wertvoller, auf ihr wachsen mit der Zeit wenigstens Flechten und Moose.“ Kirschlorbeer wächst sehr schnell und ist genau deswegen so populär wie problematisch. Denn er breitet sich auch außerhalb der Gärten aus und überwuchert wertvolle Biotope.

Gepflanzt werden Bäume und Sträucher in ihrer Ruhezeit, also – bei frostfreiem Wetter und offenen Böden – im gesamten Winter. Nur die immergrünen unter ihnen, wie Eibe oder Stechpalme kommen eigentlich besser im August oder September in die Erde. Aber wenn sie genügend Wasser bekommen, schaffen auch sie es in milden Herbst- und Winterphasen. So oder so ist der Beerenschmuck all dieser Büsche jetzt zu sehen, man kann sich beim Herbstspaziergang, in Gärten, Parks und sonstigen Grünflächen umschauen, sich eventuell in einer gut ausgestatteten Baumschule beraten lassen, einen Platz im Garten vorbereiten und zur Pflanzung schreiten. Ein Gehölz sollte nicht zu nah am Nachbargrundstück stehen, auch im ausgewachsenen Zustand Platz zur Entfaltung haben und zu den Lichtverhältnissen des Standorts passen. Feuerdorn braucht Sonne, Eibe mag sie eher nicht. Schlehe, Pfaffenhütchen, Gemeiner Schneeball, Hartriegel und Eingriffeliger Weißdorn, Kreuzdorn und Schneebeere dagegen sind flexibel, sie mögen Sonne, wachsen aber auch im Halbschatten und zwar relativ schnell.

Jungpflanzen gibt es mit „nackten“ Wurzeln oder mit Ballen. Bei wurzelnackten Pflanzen werden die Wurzeln und Triebe etwas eingekürzt, etwa um ein Drittel. Das fördert das Wachstum. Bei Ballenpflanzen wird nur das Tuch um den Wurzelballen aufgeschnitten. Die Pflanzgrube sollte den Wurzeln reichlich Platz lassen. Die Gehölze kommen genauso tief in die – nahrhafte, mit Kompost und Hornspänen angereicherte – Erde wie in der Baumschule oder im Pflanzcontainer. Danach wird kräftig angegossen. Kleine Exemplare lassen sich natürlich auch in Kübeln kultivieren, der Weißdorn ist sogar eine beliebte Bonsaipflanze. Im großen Topf passen sie auf jeden Balkon und jede Terrasse, stehen dort vielleicht direkt neben dem Vogelhaus. Weißdorn, Pfaffenhütchen, Liguster und Co. sind übrigens auch ein schönes Weihnachtsgeschenk, vielleicht zusammen mit einem Vogelbuch oder einem Gutschein fürs Graben, Einpflanzen und Gießen.